Frerichs (Friedr. Theod.), bedeutender deutscher Kliniker und Patholog, geb. 24. März 1819 zu Aurich, besuchte das dortige Gömnasium und seit 1838 die Universität Göttingen, wo er sich naturwissenschaftlichen und mediz. Studien widmete. Nachdem er im Winter 1840 promoviert und einige Zeit Schönlein und Dieffenbach in Berlin gehört beschäftigte er sich unter Wöhlers Leitung praktisch mit der Chemie, bis er sich 1842 als praktischer Arzt nach Aurich wandte, wo er namentlich als Augenarzt bald zu Ansehen gelangte. Nachdem er im Interesse seiner pathol. und anatom. Studien 1845 die prager und wiener Anstalten, 1846 Holland, Belgien und Frankreich besucht, habilitierte er sich im Herbst 1846 zu Göttingen als Privatdocent der Medizin und folgte 1850 einem Rufe nach Kiel, wo er die Direktion der Poliklinik und die des akademischen Hospitals übernahm. Während des Kriegs leitete in der Eigenschaft eines Oberarztes der schlesw.⸗-holstein. Armee zwei Hospitäler zu Rendsburg und ging 1851 als Professor der Pathologie und Therapie nach Breslau, wo er die Direktion der mediz. Klinik erhielt. Letzteres Institut wurde von ihm vollständig umgestaltet und zu einer auch von auswärts vielbesuchten Bildungsschule für junge Arzte erhoben. Im J. 1859 ging er als Schönleins Nachfolger nach Berlin, wo er die Professur für innere Medizin und die Direktion der mediz. Klinik in der Charité übernahm. Gleichzeitig wurde er vortragender Rat im Ministerium der geistlichen, Unterrichts-und Medizinalangelegenheiten und Mitglied in der wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen. Im Deutschwranzösischen Krieg von 1870 und 1871 fungierte F. als preuß. Generalarzt. Sein Wirkungskreis als praktischer Arzt erstreckt sich weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. F. befolgt die an kein System sich bindende streng naturwissenschaftliche Methode der Forschung, zu deren Einführung in die mediz. Wissenschaft und die ärztliche Thätigkeit er wesentlich beigetragen hat. Viele seiner speziellen physiol.⸗-anatom. Untersuchungen, wie über die chem. Zusammensetzung der Knochen (1841), über die menschliche Galle (1845), über Kataraktbildung (1845), über Staphylom der Hornhaut (1847), sind in Zeitschriften, andere, wie über die Synovia, die Thränenabsonderung, die Verdauung, in Wagners „Handwörterbuch der Physiologies abgedruckt. Auch bearbeitete er die meisten physiol.⸗chem. Artikel für Liebigs, Poggendorffs und Wöhlers Handwörterbuch der Chemiev. Selbständig erschienen die Monographien: «über Gallert-oder Colloidgeschwülster (Gött. 1847) und aüber die Brightsche Nierenkrankheito (Braunschw. 1851). Sein Hauptwerk ist die «Klinik der Leberkrankheiten» (Bd. 1 u. 2, Braunschw. 1859—62, mit Atlas), welches alsbald ins Französische, Englische und Italienische übersetzt wurde. Im J. 1878 gründete er mit Professor Leyden die Zeitschrift für innere Medizin, welche bald die namhaftesten Arzte und Kliniker zu ihren Mitarbeitern zählte und in deren sechstem Band er eine bahnbrechende Arbeit über das Coma diabeticum veröffentlichte. Weiterhin begründete er 1882 zu Wiesbaden den Kongreß fur innere Medizin, der alljährlich einmal zusammentreten und die wichtigsten Fortschritte dieser Wissenschaft zum Gegenstande eingehender Referate und Beratungen machen soll. Im J. 1883 wurde F. zum Wirkl. Geh. Obermedizinalrat ernannt.