Waldemar, der vorletzte und größte Markgraf von Brandenburg (1308 —19) aus dem von Albrecht dem Bären gestifteten Hause Askanien (s. d.), stammte aus der ältern (Stendalschen) Linie dieses Hauses. Die Mark Brandenburg war damals unter verschiedene Geschlechtsvettern geteilt, und bei einer Zusammenkunft zu Rathenow zählte man 17 Markgrafen; aber alle starben schnell nacheinander, sodaß nur W. und sein Vetter Heinrich der Jüngere übrigblieben. Auch schon vorher galt W. als das Haupt der Familie. Er war ein kühner, unternehmender Krieger, bei den Zeitgenossen in hohem Ansehen, und der Dichter Heinrich Frauenlob feierte ihn durch ein Loblied. Mit den Grenznachbarn Mecklenburg, Pommern, Polen, Schlesien, Meißen und Thüringen war er in zahlreiche Fehden verwickelt. Seine Ansprüche auf Pommerellen, die er nicht durchführen konnte, verkaufte er 1308 an den Deutschen Orden. Dagegen dehnte er die Macht Brandenburgs nach Ost und Süden aus; sogar Leipzig und Dresden kamen 1312 in seinen Pfandbesiz. Der Stadt Stralsund leistete W. Beistand in U—9 Auflehnung gegen den Fürsten Wizlaw von Rügen und dessen Lehnsherrn, den dän. König ich. Nunmehr vereinigten sich 1314 Dänemark und Schweden, Sachsen-Lauenburg und Sachsen-Wittenberg, Mecklenburg, Magdeburg und mehrere andere norddeutsche Fürsten gegen W., zu dem nur die Herzöge von Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast hielten. Auch aus diesem wechselvollen Kampfe ging W. rühmlich hervor, obschon er sich bei und nach dem Friedensschlusse 1317 zu einigen kleinen Gebietsabtretungen verstehen mußte. Am 14. Aug. 1319 starb W., obwohl noch keineswegs bejahrt, plötzlich zu Bärwalde. Ihm succedierte sein Vetter, der unmündige Heinrich der Jüngere, der schon 1320 starb, und damit erlosch die Brandenburg-Askanische Dynastie. Kaiser Ludwig IV. der Bayer verlieh nun Brandenburg an seinen Sohn Ludwig den Altern (1323—51). Aber W.s Witwe Agnes und * zweiter Gemahl, Herzog Otto der Milde von Braunschweig, behielten bis 1344 als Wittum die Altmark, während auf andern Seiten die Grenznachbarn gleichfalls brandenb. Gebietsteile an sich rissen. Markgraf Ludwig und seine bayr. Ratgeber machten sich durch ihre Mißgriffe verhaßt und der verwilderte Adel störte durch Fehden und Wegelagerei den Landfrieden. In dieser Zeit der Bedrängnis trat der sog. falsche Waldemar (1348—55) auf. Im Sommer 1348 erschien ein Pilger zu Wolmirstedt, wo der Erzbischof von Magdeburg und andere Fürsten versammelt waren, der sich für den verstorbenen Markgrafen W. ausgab. Er habe, sagte er, die Leiche eines Fremden unter seinem Namen zu Chorin begraben lassen, sei zur Buße seiner Sünden nach Jerusalem gewallfahrtet und kehre nun zurück, um sein Land aus der Verwüstung zu erretten. Man behauptet, es sei ein Müllerbursche Jakob Rehbock aus Hundeluft (Anhalt) oder ein Bäckergesell Meinecke aus Belitz (Brandenburg) gewesen, der, wegen seiner Ähnlichkeit mit dem verstorbenen Markgrafen, von den in Anhalt und Sachsen herrschenden Zweigen der Askanischen Dynastie aufgestellt worden, um die Mark Brandenburg wieder an ihr Haus zu bringen. Nachdem der falsche W. von den in Wolmirstedt versammelten Fürsten förmlich anerkannt war, zog er in ihrem Geleit nach Brandenburg, wo Volk und Stände ihm bereitwillig huldigten. Nur die Städte Frankfurt a. O. und Brietzen (deshalb Treuenbrietzen genannt) und wenige Vasallen blieben dem Markgrafen Ludwig treu. Auch Kaiser Karl IV., aus Feindschaft gegen das bayr. Haus, war mit der Sache einverstanden und erkannte im Lager zu Heinersdorf vor Frankfurt 2. Okt. 1348 den falschen W. als Markgrafen an. Auf dem Reichstage zu Köln 1349 nahm dieser sogar seinen Sitz im Kurfürstenkollegium ein. Die bei dem Betrug beteiligten Fürsten aene 25, h sich auf brandenb. Kosten, indem der falsche W. sich bereitwillig zu Gebietsabtretungen u. dgl. gebrauchen ließ. Als aber das bayr. Haus und dessen Anhänger den Grafen Günther von Schwarzburg 1349 als Gegenkaiser aufstellten, verstand sich Kaiser Karl IV. zum Vergleich. Er erteilte dem Markgrafen Ludwig als rechtmäßigem Besitzer von Brandenburg die Belehnung und lud den angeblichen W. zur Untersuchung seiner Ansprüche auf den Reichstag nach Nürnberg. Als dieser nicht erschien, ward er daselbst 6. April 1350 öffentlich für einen Betrüger erklärt. Doch der größte Teil von Brandenburg blieb dem falschen W. treu, und der Kampf dauerte noch mehrere Jahre, indem sogar König Waldemar IV. von Dänemark als bayr. Bundesgenosse vor Berlin erschien. Endlich erkaufte der bayr. Markgraf Ludwig der Römer (1351—56) mit großen Opfern auf allen Seiten den Frieden. Die Askanier wurden durch Geld zufrieden gestellt, worauf 10. Mai 1355 der falsche W. förmlich der Herrschaft über Brandenburg entsagte. Er lebte seitdem bis zu seinem 1356 erfolgten Tode am anhaltischen Hofe und ward in Dessau mit fürstl. Ehren begraben. Die von ihm ausgestellten Privilegien und Urkunden sind überall zerschnitten, weil sie natürlich von den Wittelsbachern nicht anerkannt wurden. Vgl. Klöden, «Diplomatische Geschichte des Markgrafen W. » (4 Bde., Berl. 1844—46). Häring (Wilibald Alexis) hat den Stoff zu einem Roman benutzt.