Waldstreu nennt man alle diejenigen im Walde vorkommenden Stoffe, welche die Landwirtschaft zum Einstreuen unter das Vieh, demnach auch als Dünger benutzt. Man unterscheidet Laub⸗ und Nadelstreu, Moosstreu, Unkräuterstreu, Ast⸗ oder Schneidelstreu. Laub⸗, Nadel⸗ und Moosstreu wird mit Rechen zusammengeharkt (Rechstreu). Die Unkräuterstreu, bestehend aus Beerkräutern, Heide, Gräsern, Ginster u. s. w., wird mit Sicheln und Sensen oder einschließlich der obern Bodenschicht mit breiten Hauen gewonnen, auch ausgerupft. Schneidelstreu (Hackstreu) wird von stehenden oder gefällten Bäumen durch Abhauen oder Abreißen der benadelten Aste genommen. Fast jede Streunutzung ist von großem Nachteil für den Wald. In der Streu werden dem Waldboden die zum Gedeihen der Bäume unentbehrlichen mineralischen Nährstoffe entnommen, ohne daß für solche Ersatz geboten werden könnte, überdies werden die physik. Eigenschaften des Bodens verschlechtert. Je flachgründiger letzterer, desto schneller treten die traurigen Folgen der Waldstreunutzung hervor, welche in Verminderung des Zuwachses, endlich wohl im Aufhören der Waldwirtschaft bestehen. Unter Umständen kann allerdings die Entnahme an Unkräutern aus waldbaulichen Gründen geboten erscheinen, z. B. die von Gräsern, welche sich im Winter erstickend über die jungen Holzpflanzen lagern, oder den Mäusen ein schützendes Dach bieten. Ohne größern Nachteil bleibt die Gewinnung der Schneidelstreu von gefällten oder solchen Bäumen, welche im nächsten Jahre zur Fällung kommen; sehr stark schädigt sie dagegen den Zuwachs, wenn sie an Bäumen erfolgt, die stehen bleiben sollen, wie man es vielfach in den österr. Alpenländern, im Schwarzwald, Fichtelgebirge u. s. w. beobachten kann. Vgl. Ebermayer, Lehre von der W.» (Berl. 1875).