Waldstein (czechisiert aus der ursprünglich deutschen Form Waldenstein), ein altes böhm. Geschlecht, dessen Stammvater Zdenko (gest. 26. Jan. 1236) das Stammschloß Waldenstein (in den ältesten Urkunden aus dem 13. Jahrh. Castrum Waldenstein genannt; czech. Walsteina) bei Turnau erbaute. Durch die beiden Söhne des 1506 verstorbenen Johannes von W., Zdenko (gest. 1525) und Wilhelm (gest. 1557) zerfiel das Geschlecht in die beiden Hauptlinien zu Arnau und zu W. Die Waldsteinsche Linie, welche 1628 den Grafenstand erlangte und seit 1636 das ungar. Indigenat besaß, erhielt 1654 Sitz und Stimme im schwäb. Reichsgrafenkollegium, 1703 das Oberst-Erbland-Vorschneideramt in Böhmen und nahm 1758 den Beinamen Wartenberg an. Die Hauptlinie Waldstein-Wartenberg teilt sich in die Linien Münchengrätz und Dux-Leitomischl. Die Linie Münchengrätz besitzt das Stammschloß W. in Böhmen, die Fideikommißherrschaften Münchengräß, Weißwasser, Hühnerwasser, Hirschberg, Neuperstein, Stialau, Nebillau, Wessela und Kotzenitz in Böhmen und mehrere andere Herrschaften in Ungarn. An der Spitze derselben steht der Graf Ernst, geb. 10. Okt. 1821, erbliches Mitglied des österr. Herrenhauses und Geheimrat. Die zweite Linie Dux-Leitomischl zerfiel in zwei Zweige, von denen der Durx durch den Grafen Georg Wilhelm, geb. 31. März 1853, repräsentiert wird, während der zu Leitomischle3. Juni 1876 mit dem Grafen Johann, k. k. Kämmerer, Geheimrat u. s. w. erloschen ist. — Die zweite Hauptlinie Waldstein-Arnau, welcher auch Albrecht von Wallenstein (s.d.) angehörte, wird nur noch durch den Grafen Albrecht, geb. 16. Febr. 1832, vertreten, der zu Preßburg lebt. Berühmt wurde aus der Linie Dux-Leitomischl der Graf Franz Adam von W., geb. zu Wien 14. Febr. 1759, gest. zu Oberleutensdorf 24. Mai 1823, der die Naturwissenschaften und hauptsächlich die Botanik zu seinem Hauptstudium erwählt hatte. Als Malteserritter nahm er an einigen Seezügen gegen die Barbaresken teil. Dann fochter als in dem österr. Heere 1787—89 gegen die Türken, worauf er seinen Abschied nahm. Mit dem Professor Kitaibel zu Pest machte er sieben Jahre lang botan. Reisen in Ungarn, deren Resultate beide in den »Descriptiones et icones plantarum rariorum Hungariae (3 Bde., Wien 1802 —12) niederlegten. Inzwischen hatte W., als das franz. Heer 1797 in Steiermark eingedrungen, sich bei dem in Wien errichteten adeligen Kavalleriekorps anstellen lassen und trat 1808 in die neuerrichtete Landwehr ein. Als Major führte er 1809 das dritte Bataillon der wiener Freiwilligen mit solcher Auszeichnung, daß er zum Oberstlieutenant ernannt wurde. Nach dem Tode seines Bruders 1814 übernahm er die Güter in Böhmen, wo er durch landwirtschaftliche und industrielle Anlagen den Wohlstand seiner Gutsunterthanen zu heben suchte. Der neue Bau des Schlosses zu Dux (s. d.) und die Einrichtung der dortigen reichen Sammlungen sind sein Werk. Zugleich gründete er Schulen für die Jugend und erhob aufs neue die Tuchfabrik in Oberleutensdorf. Seine botan. Sammlungen vermachte er dem böhm. vaterländischen Museum in Prag.