FeedWallfahrt
ReligionBrockhaus 1882

Wallfahrt heißt der Gang, die Reise oder der feierliche Zug nach einem heiligen Orte, um an diesem zu beten. Die Ansicht, daß das Gebet in einem bestimmten Tempel oder an einem gewissen Orte wirksamer sei als anderswo, ist uralt. Griechen und Römer unternahmen schon Reisen nach fernen Tempeln, die alten Germanen «Waldfahrteno nach heiligen Hainen. Die Juden in Palästina und in der Zerstreuung wallfahrteten zu den hohen Festen nach Jerusalem; bei den Mohammedanern sind noch die W. zum Grabe Mohammeds gebräuchlich. In der schristl. Kirche ging man namentlich seit dem 4. Jahrh. zu den Gräbern der Märtyrer. Helena, die Mutter Kaiser Konstantins d. Gr., zog zum Grabe Jesu nach Jerusalem, und ihr Beispiel fand viele Nachahmer. Gegen die allmählich bei solchen Wanderungen eingerissene Sittenverderbnis eiferten Gregor von Nyssa und andere Kirchenlehrer. Dennoch blieb es in der Kirche Sitte, zur Versöhnung mit Gott und zur Bußübung nicht bloß nach Jerusalem, sondern auch nach Rom, Loreto, Compostella und andern wegen Reliquien und wunderthätiger heiliger Bilder als besonders heilig geltenden Srtern W. einzeln oder in Masse Werron Im großen traten sie in den Kreuzzügen hervor. Die Wallfahrer nach Jerusalem und andern entfernten Orten hießen Pilger (. d.), Pilgrime oder Wallbrüder. Besonders nach den Kreuzzügen mehrten sich die Wallfahrtsörter in außerordentlicher Weise und wurden meist mit großen Ablässen versehen. Unter den Wallfahrtsörtern im 15. Jahrh. zeichneten sich, außer den schon genannten, besonders aus: Wilsnack, Einsiedeln, Aachen und Trier. In der kath. Kirche gelten die W. noch jetzt als verdienstliche Werke und sind neuerdings von klerikaler Seite mit besonderm Eifer wieder in Scene gesetzt worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 415Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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