FeedWalpurga oder Walpurgis
ReligionBrockhaus 1882

Walpurga oder Walpurgis, die Heilige, war ihren Brüdern Wilibald und Wunnibald aus ihrem Vaterlande England nach Deutschland gefolgt, um mit jenen hier für die Verbreitung des Christentums zu wirken. Wilibald gründete das Bistum Eichstätt 741, Wunnibald dagegen das unfern davon belegene Kloster Heidenheim 745, dessen Leitung nach seinem 763 erfolgten Tode W. übernahm und bis an ihr Lebensende fortführte. hre Gebeine, aus denen schon nach der ältesten Biographie ein wunderbares heilkräftiges Öl floß, wurden um die Mitte des 9. Jahrh. nach Eichstätt übertragen, wo man ihr zu Ehren ein eigenes Kloster erbaute. Ihre gewöhnlichen Attribute sind ein Balsamfläschchen und drei Ahren. Jene Lebensbe-Monche: Walr gegen Ende des 9. Jahrh. von einem önche Wolfhart im Kloster Hasenried verfaßt worden und enthält, wie alle spätern, lediglich auf ihr fußenden Legenden, eine Menge Wundererzählungen. Eigentümlichere Bedeutung hat etwa nur der Zug, daß W. von bissigen Hunden nicht belästigt und deshalb gegen solche und andere reißende Tiere angerufen worden. Der Kultus der W. gewann eine große Verbreitung. Durch ganz Deutschland, ja sogar in Frankreich, den Niederlanden und England wurden ihr Kirchen und Kapellen geweiht, Reliquien von ihr gezeigt und Feste zu ihrem Andenken gefeiert. Warum aber gerade ihr Hauptfest, ihre Heiligsprechung auf den 1. Mai verlegt worden, wird nicht berichtet. Der Tag war einer der hehrsten des ganzen Heidentums gewesen; es war die Zeit eines uraen Frühlingsfestes und der alten Maiversammlungen des Volks. Noch jahrhundertelang wurden 1. Mai vorzugsweise die ungebotenen Gerichte gehalten und auf diesen Tag fiel das fröhliche Maireiten und das Anzünden des heiligen Maifeuers, das höchst wahrscheinlich der Frühlingsgöttin Ostara galt. An ihre Stelle trat in der christlichen Zeit die W. Als die alten heidnischen Götter später zu Teufeln herabsanken und der Hexenglaube in Schwung kam, erlangte die Walpurgisnacht eine berüchtigte Bedeutung, indem man in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai die Hexen auf Besen oder Böcken nach den alten Opfer- und Gerichtsstätten fahren ließ, um dort mit ihrem Meister, dem Teufel, sich zu erlustigen. Solche Hexenberge gab es ziemlich zahlreiche in Deutschland und den benachbarten Ländern. Am bekanntesten ist dafür in Norddeutschland, nachweisbar seit dem 15. Jahrh., die höchste Spitze des Harzes, der Brocken (s.d.), Brocks-oder Blocksberg geworden. (S. Hexenfahrt.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 421Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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