Wärmestrahlen aus; man nennt die Wärmestrahlen, welche nicht zugleich Lichtstrahlen sind, dunkle Wärmestrahlen; sie verhalten sich ganz analog den Lichtstrahlen. Auch die dunkle strahlende W. wird, + den leuchtenden Wärmestrahlen (Lichtstrahlen), an spiegelnden Oberflächen reflektiert, beim Durchgange durch die Körper teils verschluckt oder absorbiert, teils gebrochen wie das Licht. Jedoch geht die Durchsichtigkeit der Körper nicht parallel der Eigenschaft, die dunkeln Wärmestrahlen hindurchzulassen (Diathermansie). Die einzige bis jetzt bekannte Substanz, welche für alle Wärmestrahlen gleich gut durchdringlich ist, wie das farblose Glas für die Lichtstrahlen, ist das klare farblose Steinsalz. Alle andern Körper verhalten sich gegen die Wärmestrahlen wie farbige Gläser gegen die Lichtstrahlen, d. h sie verschlucken von einer Art Strahlen mehr als von den übrigen. So wie es nämlich verschiedenfarbiges Licht gibt, ebenso gibt es Eichttrablen Wärmestrahlen, d. h.: so wie es Lichtstrahlen von verschiedenen Wellenlängen gibt, ebenso gibt es auch Wärmestrahlen von verschiedenen Wellenlängen, die, gerade wie beim Licht, beim übergang aus einem Körper in einen andern, z. B. aus Luft in Steinsalz, verschieden gebrochen werden. Läßt man daher die von der Sonne ausgehenden Wärmestrahlen durch ein Prisma aus Steinsal gehen, so entsteht hinter demselben nicht bloß ein Lichtspektrum, sondern auch ein Wärmespektrum, das sogar bedeutend länger oder zerstreuter ist als das Lichtspektrum, denn es breiten sich die dunkeln Wärmestrahlen noch außerhalb des roten Endes des Lichtspektrums ungefähr ebenso weit in den dunkeln Raum hinaus, als die Entfernung des roten Endes dieses Spektrums vom violetten beträgt. Die dunkeln Wärmestrahlen werden ferner beim Durchgange durch sog. doppeltbrechende Krystalle wie das Licht doppelt gebrochen und polarisiert, und zeigen auch ebenso wie letzteres bei ihrem Zusammentreffen die Erscheinungen der Interferenz (. d.). Die Wärmestrahlen werden im allgemeinen von einem Körper um so leichter verschluckt oder absorbiert, je rauher und dunkler seine Oberfläche ist, ferner je weniger Wärmestrahlen er reflektiert und durchläßt; außerdem spielt auch die materielle Beschaffenheit des bestrahlten Körpers dabei eine bedeutende Rolle. Am meisten Wärmestrahlen absorbieren: Kienruß, Harz, Glas, Papier. Die guten Wärmeabsorbierer strahlen auch sehr leicht wieder ihre W. gegen kältere Körper aus; sie sind also auch gute Wärmeausstrahler in einer kältern Umgebung. Um die Oberfläche eines undurchsichtigen Körpers in den für die Ausstrahlung und für die Absorption der auffallenden Wärmestrahlen geeignetsten Zustand zu verseten, überzieht man sie daher mit Ruß. Wenn Körper, die sich in einem geschlossenen Raume befinden, gleiche Temperaturen besitzen, so strahlt jeder derselben durch seine Oberfläche genau so viel W. aus, als er durch die Strahlung von allen übrigen wieder empfängt. Ist ein Körper wärmer als seine Umgebung, so strahlt er mehr aus, als er wieder empfängt, und kühlt sich dadurch ab; bei geringen Temperaturunterschieden ist der Wärmeverlust eines Körpers in jedem Augenblick nahe seinem Temperaturüberschuß proportional. Die Fortpflanzung der W. im Innern der Körper geschieht durch eine Strahlung der Teilchen zu Teilchen. Dieses Wärmefortleitungssystem ist bei verschiedenen Stoffen sehr verschieden. Metalle sind gute Wärmeleiter, Holz und Glas dagegen schlechte. Ebenso sind Flüssigkeiten und besonders die Gase schlechte Wärmeleiter. Wenn Flüssigkeiten und Gase von unten her erwärmt werden, so wird die Verbreitung der W. in ihnen durch die Ortsveränderung der Teilchen begünstigt, indem die erwärmten, leicht gewordenen Teilchen aufsteigen, auf ihrem Wege kältern Teilchen begegnen und diesen ihre W. mitteilen (Erwärmung durch «Strömunge oder sog. Fortführung oder Konvektion der W.„»). Bei oberflächlicher Betrachtung könnten die Erscheinun97 der spezifischen W. und die bei Schmelzung und erdunstung verbrauchten Wärmemengen, sowie die bei der Erstarrung und Kondensierung erzeugten Wärmemengen (latenten W.) leicht dazu führen, die W. als einen imponderabeln Stoff aufzufassen, der sich mit den ponderabeln Materien beim Schmelzen und Verdampfen verbindet (daher «gebundene oder latente W.v), und der sich beim umgekehrten Prozeß wieder ausscheidet (daher efrei werdende W. v). In der That wurde auch deshalb die W. früher materiell aufgefaßt, und die populäre Sprachweise ist zum Teil noch heute so, als ob die W. eine sehr feine, imponderable Substanz wäre. Sämtliche Vorgänge bei der strahlenden W. weisen jedoch darauf hin, die W. analog dem Licht als Schwingungen des Athers oder der materiellen Teilchen der Körper aufzufassen. Je mehr die Schwingungen der Moleküle zunehmen, um so höher wird die Temperatur der Körper. Durch Reibung, Stoß u. s. w. werden die betreffenden Körper wärmer, indem die äußerlich sichtbaren Bewegungen der gesamten Körper auf die Moleküle übergehen und deren Schwingungen vergrößern. Mit Bestimmtheit erklärte zuerst Graf Rumford 1798, daß die bei der Reibung aufgewandte Arbeit die W. erzeuge, und versuchte auch mittels des Experiments (Ausbohren eines Kanonenlaufs) die zur Erzeugung einer bestimmten Wärmemenge aufzuwendende Arbeit zu berechnen. (Vgl. Berthold, „Rumford und die mechan. Wärmetheorier, Heidelb. 1875.) Rumfords Ansicht erhielt weiter durch Davys Versuche (1799) eine Stütze, indem Eisstücke in luftleerem, unter 0 erkaltetem Raum an ihren gegenseitigen Reibflächen schmolzen. Sadi Carnot beschäftigte sich in seinen Réflexions sur la puissanco motrice du feus (Par. 1824), wenn auch noch unter der Annahme eines Wärmestoffs, mit der Erzeugung der Arbeit durch W. und stellte die Ansicht auf, daß dem Ubergange einer bestimmten Wärmemenge aus einem wärmern Körper in einen kältern ein gewisses Arbeitsquantum äquivalent sei, wenn im Zustande der betreffenden Körper tükeine bleibenden Veränderungen eintreten. Er irrte aber insofern, als er noch weiter annahm, daß bei diesem Vorgange die Wärmemenge unverändert erhalten würde. Jul. Rob. Mayer sprach zuerst in seinen «Bemerkungen über die Kräfte der unbelebten Natur-EAnnaleno von Wöhler und Liebig, 1842) in voller lent zun den Satz aus, daß W. und Arbeit äquivalent sind, daß eine bestimmte Wärmemenge einem bestimmten Arbeitsquantum entspricht, d. h. daß erstere verschwinden muß, um letzteres zu gewinnen, und daß sich umgekehrt durch Aufwendung ebendieser Arbeit jene Wärmemenge wieder erzeugen läßt; auch suchte er diese Aquivalente zu ermitteln. Genauer ist dies dann 1843 von Joule deser Körwelcher gleichzeitig die bei der Reibung zweier Körper aufgewendete Kraft und die dabei erzeugte Wärmemenge maß. Er fand, daß ein Arbeitsquantum von 424 Kilogrammmeter (d. h. das Sinken eines Kilogramms um 424 m, oder das Sinken von 424 leg um 1 8 erforderlich 51 um die Einheit der