Warwick, engl. Grafschaft, im Gebiete des obern Upper-Avon, hat ein Areal von 2292,3 qkm, wovon fast 90 Proz. auf Weide, Feld und Wiesen kommen, und zählt (1881) 737 188 C. (gegen 475 013 im J. 1851). Das Land besteht aus weiten Ebenen und niedrigen Hügeln. Der nördl. Teil, Woodland genannt, enthält neben weiten Strecken von Heiden und Moorgründen auch Holzungen. Der mittlere und besonders der südl. kleinere Teil, Feldon genannt, sind dagegen sehr fruchtbar und reich an Grasweide. Die Hügel, häufig mit Schlössern oder Meiereien gekrönt, in Verbindung mit den zahlreichen Flüssen, unter denen der Avon der einzig schiffbare, bieten mit den belebten Kommunikationswegen des Birmingham-Fazelykanals, des W.⸗Birmingham⸗, W. Napton⸗ und Oxfordkanals, und der zahlreichen Eisenbahnen überaus wechselvolle Bilder dar. Weizen, Gerste, Hafer und Bohnen, Gemüse und mancherlei Obst werden in großer Ausdehnung gebaut, aber die Viehzucht, namentlich die Schaf-und Rinderzucht, verbunden mit Milchwirtschaft, ist infolge des ausgedehnten Graslandes bedeutender als der Feldbau. Im ganzen aber ist W. vorzugsweise Fabrikdistrikt, wozu die reichen Eisenminen, Kohlengruben im nordöstl. Teile der Grafschaft, sowie die Nachbarschaft der Bergwerke von Stafford nicht wenig beitragen. Namentlich sind die Städte Birmingham (s. d.), als Hauptsitz der Eisen⸗ und Dgsdewenerrt und Coventry (s. d.), wegen Fertigung seidener Bänder, Spitzen und Uhren hervorzuheben. Die Hauptstadt Warwick, Municipal⸗ und Parlamentsborough, an und auf einem felsigen Hügel am rechten Ufer des Avon und an der Vereinigung des W.Birmingham-und des W.⸗Oxfordkanals gelegen, Station der Linien London-Readingbury-Chester und Leamington-Hatton „Stratford-Honeybourn der Great-Westernbahn und der Linien Rugby-W. und Leamington-Coventry der London and North-Westernbahn, seit dem großen Brande von 1694 regelmäßig wieder aufgebaut, hat nur eine Hauptstraße und 11802 E., die hauptsächlich Hüte und Seilerwaren fabrizieren und Kornmühlen und Malzdarren unterhalten. Überraschend im Verhältnis zur Größe des Ortes sind die vielen schönen Bauwerke, darunter die 1810 errichtete Brücke mit einem einzigen Bogen; die got. St.⸗Mary- und die St.⸗Niklaskirche, die eine mit hohem Turme, die andere mit der Ruhestätte des berühmten Grafen Essex; das aus Quadern erbaute und von Säulen getragene Rathaus; das große Kaufhaus; die Assisenhalle; der 700 J. alte, 47 m hohe Cäsarturm und der 1394 gegründete, 41 m hohe Guy-Tower. Das schönste Werk aber ist das auf 12 m hohem Felsenplateau südöstlich über der Stadt sich erhebende Warwickcastle, das einst als Festung hochberühmte Schloß der Grafen von Warwick(s.d.), das prächtigste alte in ganz England, mit einer Gemälde⸗ und Waffensammlung und der berühmten bei Tivoli gefundenen Warwickvase aus dem Altertum. W. hieß bei den Angelsachsen Waeringwyk oder Waringwie. Die drei genannten Städte schicken je zwei Mitglieder in das Parlament. vier andere die Grafschaft. Von andern Orten sind bemerkenswert: Stratford on Avon (s. d.), Leamington (s. d.) und das Marktstädtchen Kenilworth, angelsächs. Kenelsworda, Station der Linie Leamington-Coventry der London and North-Westernbahn, mit 4150 E. und den malerischen großartigen Ruinen des gleichnamigen Schlosses, welches Anfang des 12. Jahrh. von Geoffrey de Clinton gegründet, von der Königin Elisabeth dem Earl of Leicester geschenkt und von letzterm vergrößert und verschönert, zur Zeit der Republik zerstört, in neuerer Zeit durch die Romane von Walter Scott und Miß Anna Radeliffe sehr bekannt wurde.