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BaukunstBrockhaus 1882

Warwick, ein engl. Grafentitel, den verschiedene Häuser führten, und der mit dem Besitz von Warwick-Castle verknüpft war. Dieses Schloß, eins der ältesten in England, war angeblich schon in der angelsächs. Zeit der Wohnsitz des in den engl. Heldensagen berühmten Grafen Guy von W., wurde aber von Wilhelm dem Eroberer erweitert und seinem Verwandten, dem Normannen Henry de Newburgh oder Bellomont, mit dem Titel eines Grafen von W. verliehen. Nach dem Aussterben dieser Familie wurde William Beauchamp, der in weiblicher Linie von ihr abstammte, zum Grafen von W. erhoben. Sein Nachkomme, Richard Beauchamp, Graf von W., ein berühmter Feldherr und Günstling Heinrichs V. von England, ing nach dessen Thronbesteigung als engl. Gelandter mit einem Nach seine efolge auf das Konzil zu Konstanz. Nach seiner Rückkehr folgte er dem König nach Frankreich. Als Heinrich V. der ihn zum Gouverneur des neun Monate alten Heinrich VI. ernannte, Regentich war, setzte W. den Krieg unter der Regentschaft Bedfords gegen Karl VII. von Frankreich fort, eroberte Maine und führte 1431 den jungen König nach Rouen, wo er den Tod der Jungfrau von Orléans betrieb. Nachdem im Dez. 1431 die Krönung Heinrichs VI. zu St.⸗Denis vollzogen worden, ging W. nach London r und nahm hier einen vorzüglichen Anteil an er Regierung. Im J. 1437 wurde er als Regent nach Frankreich geschickt; zwar nahm er Pontoise und andere Plätze, doch konnte er die Fortschritte Karls VII. nicht mehr aufhalten. Er starb zu Rouen 30. April 1439. Sein einziger Sohn, Henry, seit 1444 Herzog von W., starb 11. Juni 1445 kinderlos, worauf die Güter und Würden des Hauses der Rewilt Neville (s. d.) zufielen. Richard Neville, der älteste Sohn des Grafen von Salisbury, welcher als Gatte Anna Beauchamps den Titel Graf von W. erhielt, ist berühmt durch die Rolle, die er in den Kriegen der Roten und Weißen Rose spielte. Als 1455 der Krieg der beiden Rosen begann, ergriff W., als Gouverneur von Calais, die Partei des Herzogs von Nork und entschied 23. Mai den Sieg bei St.⸗ Albans. Die Königin Margarete von Anjou vergab hierauf Calais an den jungen Herzog von Somerset: allein W. schlug seinen Nebenbuhler zurück, eroberte dessen Flotte und machte sich dem Hofe mehr als je furchtbar. Im Frühjahr 1460 landete er mit einem Korps in Kent, überwand die Königlichen 16. Juli bei Northampton, nahm Heinrich VI. gefangen und nötigte ihn, den Herzog von ork zum Thronfolger zu erklären. Indessen Reinzen Margarete, die mit ihrem Sohne, dem rinzen Eduard, nach Schottland geflohen war, im nördl. England ein bedeutendes Heer und schlug den Herzog von York 31. Dez. 1460 bei Wakefield. Nork blieb auf dem Schlachtfelde; W.s Vater, der Graf von Salisbury, fiel in die Hände der Lancastrier und wurde enthauptet. W. zog der Königin von London aus, wo er die Regierung führte, ent-Keft und lieferte derselben 15. Febr. 1461 ein reffen bei St.⸗Albans, das er durch die Verräterei einiger Großen verlor. Trotzdem vereinigte er sich mit der Streitmacht des Grafen Eduard von March, ältesten Sohnes des Herzogs von Vork, zog mit ihm nach London und bewog die Einwohner, den jungen Eduard IV. an Heinrichs Stelle als König anzuerkennen. Das große Heer, welches die Königin Margarete zusammengebracht, wurde von W. 29. März 1461 bei Towton aufgerieben. Eduard IV. war nun zwar im Besitz der Krone, sah sich aber allen seinen Handlungen von W. abhängig. Der Zwiespalt brach aus, als Eduard seine Schwester Margarete mit dem Thronfolger in Burgund, Grasen Karl von Charolais, verlobte und trotz W.s Agitation dagegen vermählte. Darauf ließ sich W. in eine enge Verbindung mit Ludwig XI. von Frankreich ein, besuchte denselben 1467 und gab nach der Rückkehr seine Tochter Isabelle dem unzufriedenen Bruder des Königs, dem Herzog von Clarence, zur Ehe. Schließlich 1470 genötigt zu fliehen, begab er sich wieder an den Hof Ludwigs XI., söhnte sich unter dessen Beistand mit Margarete von Anjou aus, vermählte seine zweite Tochter Anna mit deren Sohne, dem Prinzen Eduard, und machte sich anheischig, den im Tower schmachtenden Heinrich VI., den er selbst gestürzt hatte, wieder auf den engl. Thron zu setzen. Der unvorbereitete Eduard, der die im Norden ausbrechende Rebellion bekämpfte, mußte nach W.s Landung nach Burgund entfliehen; W. aber zog 6. Okt. 1470 in London ein, erklärte Heinrich VI. wieder zum König und übernahm im Verein mit Clarence die Regentschaft. Schon im März 1471 landete jedoch Eduard IV. mit 2000 Mann bei Ravensbourne, sammelte die zahlreichen Anhänger der Horks um sich und rückte ohne Schwertstreich nach London. Zwar gelang es W., in Leicester ein Heer zu vereinigen; allein mehrere Lords fielen von ihm ab, und auch der wankelmütige Clarence, der in der Erhebung der Lancastrier keinen Vorteil sah, ging zu seinem Bruder Eduard IV. über. Jede Vermittelung zurückweisend, wagte W. dennoch 14. April 1471 bei Barnet ein Treffen gegen die Streitmacht Eduards, in welchem er mit Tausenden seiner Anhänger erschlagen wurde. er Titel der W. ging nun auf Eduard, den Sohn des Herzogs von Clarence aus der Che mit Isabelle Neville, über. an Rich Ermordung seines Vaters wurde er erst von Richard III., dann von Heinrich VII., die in ihm den letzten legitimen männlichen Sprößling der Plantagenet (s. d.) fürchteten, in Gefangenschaft gehalten. Nach 15jähriger Haft verband sich endlich W. mit dem Prätendenten Perkin Warbeck (s. d.) zur Flucht aus dem Tower. Vielleicht war es Heinrich VII. selbst, der 1499 dieses Komplott anstiftete, um sich beider zu entledigen. Nach kurzer Untersuchung ward Warbeck gehangen, im Dezember aber W. im Tower enthauptet. Unter der Regierung Eduards VI. erhielt John Dudley (s. d.), der spätere Herzog von Northumberland, Warwick-Castle mit dem Titel eines Grafen von W. Wiewohl derselbe als Hochverräter starb, wurde doch der Titel 1561 zu Gunsten seines Sohnes Ambrose Dudley erneuert, der 1589 unbeerbt starb. Hierauf ward Robert, Lord Rich 1618 zum Grafen von W. erhoben. Der letzte Graf aus dieser Familie starb 7. Sept. 1759. Bereits 1603 hatte Sir Fulke Greville, der Freund und Waffengefährte Sidneys, der in weiblicher Linie von den alten Beauchamps abstammte, einen Teil der Güter dieses Hauses mit Warwick-Castle erhalten und war 1621 zum Lord Brooke ernannt worden. Nach seinem Tode, 30. Sept. 1628, folgte ihm sein Neffe Robert, dessen Nachkomme, Franeis, Graf Brooke 27.Nov. 1759 auch den Titel eines Grafen von W. erhielt. Der jetzige Graf von W., George Guy Greville, der vierte aus dem Hause Greville, geb. 28. März 1818, saß 1846—53 für South-Warwickshire im Unterhause und folgte seinem Vater 10. Aug. 1853 in den Würden und Gütern des Hauses; er residiert zu Warwick-Castle.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 452Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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