FeedWäsche
Haus & KücheBrockhaus 1882

Wäsche (frz. linge, blanchissage; engl. linen, washing) bezeichnet einerseits die zur Kleidung und zur Haushaltung notwendigen, der Reinigung unterworfenen, meist leinenen oder baumwollenen Gebrauchsartikel, andererseits diese Reinigung selbst, eine Arbeit, die früher ausschließlich im Hause vorgenommen wurde, jetzt aber vielfach an besondern Etablissements (Waschanstälten) mit Anwendung aller Hilfsmittel der Technik ausgeführt wird. Die gewöhnliche Haus⸗ und Leibwäsche wird vor dem Waschen sortiert, da leinene und baumwollene W. anders zu behandeln ist als wollene, weiße anders als bunte. Die leinene weiße W. wird in warmem Seifenwasser oder Atznatron⸗, resp. Sodalauge etwa 12 Stunden 1 liegen gelassen (ein-Cweiß be wobei sich der besonders aus Fett und Eiweiß bestehende Schmutz mit dem Alkali verbindet. Bunte W. darf nicht in Lauge eingeweicht, sondern muß sogleich mit Seife, solche von zarter Farbe nur in warmem Wasser oder sog. Kartoffelwasser (der Flüssigkeit, welche sich beim Reiben der weißen Kartoffeln abfondert) gewaschen werden. Wollene W. pflegt man in weniger schmutzigem Zustand mit Seife, wenn sie sehr schmutzig ist, nicht mit Lauge oder Soda (da diese Stoffe die Wolle verfilzen würden), sondern mit sehr verdünntem Salmiakgeist einzuweichen. Nach dem Cinweichen wird die W. aus dem Seifenwasser oder der Lauge herausgenommen und, nachdem man die besonders schmutzigen Stellen mit Seife eingeschmiert (eingeseift) hat, in ziemlich heißem Wasser mit Seife rein gewaschen, wobei man den Schmutz durch mechanische Wirkung aufzulockern, von der Faser zu trennen und dann durch das Waschwasser fortzuspülen und Italiens, wird die W. zu Miesem Zweck mittels hölzerner Schlägel (Waschbleuel) geschlagen; in andern wird dieselbe auf ein gerieftes Brett gelegt und ein zweites ähnliches auf diesem hin und her geführt, oder sie wird mit Bürsten bearbeitet oder auch mit den Händen gerieben. Hierdurch wird jedoch die Haltbarkeit des Gewebes gefährdet; auch ist die Arbeit eine sehr viel Zeit raubende und in manchen Fällen, z. B. bei der W. aus Krankenhäusern, eine Ubertande werdend. Alle diese übelstände werden durch die Anwendung rationell konstruierter Waschmaschinen (s. d.) beseitigt. Das zur W. benutzte Wasser muß kalkfrei, also weich sein am besten bedient man sich des Regen⸗ oder Flußwassers, doch kann hartes Brunnenwasser, wenn es Gips enthält, mit Soda oder Borax, und bei Gehalt von doppeltkohlensaurem Kalk durch vorsichtigen Zusatz von Kalkmilch weich gemacht werden. Nach dem Waschen wird die W. noch einmal in heißem, reinem Wasser oder auch sogleich in fließendem kalten Wasser gespült und, um das überschüssige Wasser zu entfernen, ausgewunden oder ausgerungen, d. h. mit beiden Händen spiralförmig zusammengedreht. Das Auswinden geschieht neuerlich auch mittels der Ring⸗ oder Wringmaschine, in welcher die W. zwischen Walzen hindurchgeführt wird, die durch mechanische Wirkung gegeneinander gepreßt werden. (S. unter Waschmaschinen.) Hierauf wird die W. glatt gelegt und auf geeigneten Plätzen zum Bleichen ausgebreitet oder (je nach Umständen im Freien, auf Trockenböden oder in Trockenkammern) auf Hanf⸗, resp. Roßhaarseilen (Wäschleinen) mittels gabelförmiger Hölzer (Wäschklammern) befestigt und etrocknet. Während man die gröbere W. durch Pressen und Rollen in der Wäschmange oder Wäschrolle (s. Mange) glättet, wird die feinere, welche vorzüglichen Glanz, Steifigkeit und Weiße zeigen soll, mit einem dünnen Stärkekleister getränkt, der durch Indigokarmin (Bläuepapier, Bläuetinktur), durch Ultramarin (Waschblau, Neublau) oder durch Smalte blau gefärbt ist. Die blaue Farbe soll den gelblichen Ton der W. aufheben, der Stärkekleister dieselbe steif und glänzend machen, wenn sie alsdann geplättet oder gebügelt wird. (S. Plätten.) Das beschriebene gewöhnliche Waschverfahren wird mannigfach abgeändert, namentlich auch, indem man statt der Lauge eine Wasserglaslösung benutzt; doch ist viele W. in einem Grade verunreinigt, daß sie sich durch Wasserglas nicht völlig säubern läßt, ganz abgesehen davon, daß sich hierbei Kieselsäure abscheidet, welche in die Fasern eindringt, oder sie wenigstens umhüllt, wodurch die W. hart und spröde wird. Sehr feine, namentlich bunte W., ferner Spitzen, Stickereien, seidene oder mit Gold und Silber durchwirkte Borten u. s. w. werden nach besondern Vorschriften gewaschen (Kunstwäscher ei).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 454Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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