FeedWasserstoff
NaturlehreBrockhaus 1882

Wasserstoff oder Hydrogen (chem. Zeichen Atomgewicht - 1) heißt der in Verbindung mit Sauerstoff das Wasser bildende Grundstoff. Derselbe wurde 1781 von Priestley entdeckt und dann von Cavendish in seinen Eigenschaften näher bestimmt. Der W. ist, wie der Sauerstoff, in freiem Zustande gasförmig, farblos, sehr leicht, weshalb er zur Füllung der Luftballons angewendet wird, und mit blaßblauer Flamme brennbar; sein spezifisches Gewicht = 0,69. Nach den im J. 1878 angestellten Versuchen von Pictet und von Cailletet gehört der W. zu den kondensierbaren Gasen und kann bei 280 Atmosphärendruck in eine Flussigkeit übergeführt werden. Das Produkt seiner Verbrennung, welche, wenn er gerade mit Sauerstoff oder Luft in den gehörigen Verhältnissen, Knallgas (. d.), gemengt ist, mit heftiger Detonation stattfindet, ist Wasser. Der W. kann das Atmen und das Verbrennen nicht unterhalten. Derselbe wird dargestellt durch Zersetzen des Wassers mittels glühenden Eisendrahts, oder durch Auflösung gewisser Metalle, wie des Zinks oder Eisens, in verdünnter Schwefelsäure oder Salzsäure, oder endlich durch elektrische Zersetzung des Wassers. Er verbindet sich noch mit vielen andern Stoffen zu meist gasförmigen Verbindungen, z. B. mit dem Chlor zu Salzsäure, mit dem Schwefel zu Schwefelwasserstoff, mit dem Phosphor zu Phosphorwasserstoff, mit Jod und Brom zu Jod⸗ und Bromwasserstoffsäure. Mit Kohlenstoff gibt er die Kohlenwasserstoffarten, wie das Leuchtgas, das Sumpfgas, das Terpentinöl, das Petroleum, das Paraffin, das Naphthalin, das Benzol, das Anthracen. In gewisser Beziehung hat der W. Ahnlichkeit mit den Metallen, was besonders bei den kompliziertern Verbindungen des W. deutlich hervortritt; Graham hat in der That eine Metalllegierung von Palladium und W. dargestellt, aus der man Denkmünzen prägte. Außer zum Füllen des Luftballons dient der W. zum Löten und zur Erzeugung des Siderallichts.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 470Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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