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NaturlehreBrockhaus 1882

Wasser (althochdeutsch wazar, wazzar; mittelhochdeutsch wazze, wazzer), der tropfbar nge Stoff, welcher einen großen Teil der Erdoberfläche bedeckt und, in Gasform in die Atmosphäre aufsteigend, dort die Wolken bildet und dann wieder als tropfbare Flüssigkeit (Tau, Regen, Schnee, Hagel u. s. w., s. unter Niederschlag) niederfällt. Früher hielt man das W. für einen einfachen Grundstoff, für ein Element. Die Entdeckung der Eadendiht Walts des W. . 6 den Engländern Cavendish, Watt und Priest ey, welche unabhängig voneinander und fast hesWase 1781 —83 das W. durch Verbrennung des Wasserstoffgases künstlich darstellten. Ihre Angaben bestätigten dann mehrere franz. Chemiker, besonders Lavoisier. Man fand, daß reines W. aus Wasserstoffgas und Sauerstoffgas besteht und von jenem 11½1, von diesem 88,89 Gewichtteile enthält. In demselben Verhältnis, dem Gewichte nach, dem Raume nach im Verhältnis von 2:1 entwickeln sich beide Gase, wenn man das W. durch einen galvanischen Strom zersetzt. Läßt man durch ein Gemenge von 2 Volumen Wasserstoffgas und ein Volumen Sauerstoffgas einen elektrischen Funken schlagen, so vereinigen sich beide unter Detonation ohne Rückstand zu tropfbarem W. Das reinste W. in der Natur ist dasjenige, das der in hohen Gegenden aufgefangene Regen oder Schnee liefert, worin sich keine Spur fremder Stoffe entdecken läßt. Da jedoch solches W. selten zu haben ist, so verschafft man sich künstlich reines W. durch Destillation. Dasselbe ist in dem Zustande seiner Reinheit eine farblose, vollkommen durchsichtige, geruch- und geschmacklose Flüssigkeit. Bei der Mitteltemeratur unserer Atmosphäre bleibt das W. stets flussig, vermindert sich aber die Wärme bis unter den Nullgrad des Celsiusschen oder Réaumurschen Thermometers, so gefriert es. In verschlossenen, sehr engen Gefäßen kann es 10 Grade unter Null flüssig bleiben, solange keine Bewegung stattfindet; es gefriert aber augenblicklich, sobald es geschüttelt wird. Wenn das W. erstarrt, nimmt es, wie die meisten übrigen Körper, Krystallgestalt an. (S. Eis.) Die spießigen Krystalle setzen sich meist unter einem Winkel von 60 oder 120 aneinander und bilden so die Dendriten an den Fenstern oder die sechszackige Gestalt des Schnees. W., welches andere Stoffe, B. Säuren, Salze u. s. w., enthält, gefriert in der Regel langsamer und erst einige Grade unter Null, und zwar nach Verhältnis der Art und Menge dieser Beimischungen. Wenn ein Teil einer solchen Lösung erstarrt, so Aurtoft meist nur das W., und die rückständige Auflösung ist dann um so konzentrierter, wie dies bei Wein, Bier und Kochsalz der Fall. Die Dichtigkeit des W. ist indessen nicht bei dem Nullpunkt des Thermometers am größten, sondern bei 4 oder genauer 3,9 C. über diesem Punkte. Von diesem Punkte an dehnt es sich aus, sowohl beim Abkühlen als bei der Erwärmung. Diese Ausnahme von den für die Einwirkung der Wärme auf flüssige Körper bestehenden Regeln ist von roßer Wichtigkeit. Das W. würde nämlich im inter nach und nach, selbst in den größten Seen, bis zum Nullpunkt und darunter abgekühlt werden und in seiner ganzen Masse erstarren. So aber sinkt das W., sobald es bis zu 4 abgekühlt ist, in den Seen zu Boden, und wenn endlich alles W. diese Temperatur angenommen hat, so kann nur seine Oberfläche noch unter diesen Grad abgekühlt werden, weil nun das kältere W. spezifisch leichter als das warme ist und das W., wie die meisten Flüssigkeiten, die Wärme nur langsam leitet. Der Grund der Seen und Flüsse behält die angegebene Temperatur von ungefähr 4“. Es erleidet dies jedoch keine Anwendung auf das salzhaltige W. des Oceans. Wird das W. von 4 an erwärmt, so dehnt es sich allmählich aus, bis es bei 100 zu sieden anfängt. Im ganzen 872 sich das W. von 0—100° um 42 Tausendteile des Volumens aus, welches es bei O hat. Der Wasserdampf folgt bei seiner Ausdehnung durch die Wärme, innerhalb gewisser Bedingungen, den gewöhnlichen Gesetzen der Gasarten. Wenn W. in einem verschlossenen Gefäß erhitzt wird, so gewinnt der Dampf nach und nach einen so hohen Grad von Elasticität, daß er die stärksten Gefäße zu zersprengen vermag. (S. Dampf.) Dem unsichtbaren Wasserdampf wird durch kalte Körper die Wärme entzogen; er verdichtet oder kondensiert sich dann zu W. und wird sichtbar. Darauf beruht die Bildung der Wolken, der Nebel und die Entstehung anderer meteorolog. Erscheinungen. Daher sehen wir den Hauch in kalter Luft und beschlagen sich kalte Körper, welche in warme Zimmer gebracht werden, mit W.; letzteres kommt von dem Wasserdunst, welchen die Luft des Zimmers mechanisch enthält. Meteorwasser nennt man das als Dampf in die höhern Regionen geführte W., das sich durch die Einwirkung kälterer Luftschichten zu sichtbaren Dünsten kondensiert (Nebel, Wolken), und, bei noch stärkerer Kondensation, als Tröpfchen oder Tropfen zur Erde fällt. Es erscheint dann als Regen Schnee und Hagel. Fast alles fließende W. auf der Erde verdankt seinen Ursprung dem Meteorwasser, das auf die Erde fällt und teils über die Oberflache wegrinnt, teils von der Dammerde eingesogen wird, oder sich in die Klüfte und Spalten der Gebirge fenkt. Dieses in höher gelegenen Geenden in die Erde eingedrungene W. tritt in den Luellen unserer Bäche und Flüsse wieder zu Tage. Die mineralischen Bestandteile, welche es enthält, sind bei dem Durchsickern durch die Gebirgsmasse aufgelöst worden. (S. Mineralwasser.) Über die hygienische Bedeutung des W. ist Folgendes hervorzuheben. Neben dem 8ie gehon der W. Welches ben Luft und der Wärme gehört das W., welches beim Erwachsenen gegen 60, beim Neugeborenen gegen 70 Proz. des gesamten Körper-Redtnane ausmacht, zu den unerläßlichen Lebensedingungen, da alle physik. und chem. Vorgänge des tierischen und menschlichen Körpers ohne das Vorhandensein von W. mittel un sind; es dient nicht nur als Auflösungsmitte und Träger vieler für den Organismus unentbehrlicher Stoffe (Eiweiß, Zucker, Salze u. a.), sondern vermittelt auch als wichtiger Bestandteil des Blutes den beständigen Kreislauf der Stoffe durch alle Gewebe und Organe und übt durch seine in der Haut und den Lungen vor sich gehende Verdunstung großen Einfluß auf die Regulierung der Eigenwärme. Die tägliche Wasserausscheidung beträgt beim gesunden Erwachsenen durchschnittlich 2500 cem (2,5 I), welche dem Körper von außen durch Speise und Trank wieder zugeführt werden müssen, wenn er gesund und leistungsfähig bleiben soll. Da der Genuß von verunreinigtem, namentlich mit faulenden organischen Substanzen versetztem W. mehr oder minder schwere Gesundheitsstörungen, insbesondere Infektionskrankheiten (Typhus, Cholera, Ruhr) verursachen kann, so ist die Sorge für Beschaffung eines guten reinen Trinkwassers eine der wichtigsten Aufgaben der öffentlichen Gesundheitspflege. (S. Städtereinigung.) Am häufigsten ent Walbafst ancele Verunreinigungen des W. durch mangelhaft angelegte Aborte, durchlässige Latrinen, undicht gewordene Röhrenleitungen und Düngerhaufen. (S. Brunnenvergiftung.) Gutes Trinkwasser muß durchaus klar, farb- und geruchlos sein, einen reinen erquickenden Geschmack besitzen und möglichst frei von organischen Substanzen und deren Zersetzungsprodukten (Ammoniak, salpetrige Säure, salpetersaure Salze) sein; von den Chloriden dürfen nicht mehr als 30, von Kalksalzen höchstens 360, von Schwefelsäure nicht mehr als 60, von der Salpetersäure höchstens 15 Milligramm im Liter vorhanden sein. Ammoniak läßt sich leicht durch Zusatz von einigen Tropfen des Neßlerschen Reagens (eine alkalische Kalium-Quecksilberiodidlösung) nachweisen, wodurch eine entschiedene Gelbfärbung oder selbst ein gelbroter Niederschlag entsteht; bei Vorhandensein von salpetriger Säure bildet sich auf Zusatz von fünfprozentiger Jodkaliumlösung, Chlorzinkstärkekleister und einigen Tropfen Schwefelsäure eine charakteristische violette Färbung, die nach einigen Minuten in dunkel Indigoblau übergeht. Wertvolle Aufschlüsse über die Zulässigkeit eines W. als Trinkwasser kann auch die mikroskop. Untersuchung desselben geben, die nach den Prinzipien der modernen Bacterten hn Suppiene vorzunehmen ist. (S. Bacterien, im Supplement.) Zur Klärung und Verbesserung unreinen W. dienen das Kochen, das Destillieren, sowie das Filtrieren durch frisch ge2—7 Holzkohle. (Vgl. auch Grundwasser.) gl. Pfaff, Das W.» (Münch. 1870); Tyndall, „Das W. in seinen Formen als Wolken und Flüsse, Eis und Gletschers (Bd. 1 der Internationalen wissenschaftlichen Bibliotheko, 2. Aufl., Lpz. 1879); ove, „Der Kreislauf des W. auf der Oberfläche der Erdey (2. Aufl., Berl. 1874): Lersch, „Hydro-Chemiev (2. Aufl., Bonn 1870); derselbe, «Hydro-Physikv (2. Aufl., Bonn 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 460Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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