Weide (Salix) heißt eine Pflanzengattung, welche mit den Pappeln die Familie der Salicineen bildet und zahlreiche Arten enthält. Die Knospen sind achselständig, von zwei zusammengewachsenen, einen einzigen hohlen, äußerlich zweirippigen Körper bildenden Schuppen umhüllt, die Blätter kurzgestielt, ganzrandig oder gezähnt, bei den meisten Arten lanzettförmig oder länglich, selten eiförmig oder rundlich, am Grunde des Stiels mit zwei meist abfallenden Nebenblättern versehen. Beiderlei Blüten stehen in Kätzchen, welche sich bei manchen Arten vor, bei andern mit dem Laubausbruch entwickeln. Beiderlei Kätzchen haben ganzrandige Schuppen, unter denen bei den männlichen meist zwei, selten drei, fünf oder viele langgestielte Staubgefäße, bei den weiblichen ein einziger, oft gestielter Stempel mit zwei, bisweilen in zwei Schenkel gespaltenen Narben neben einer honigabsondernden Drüse stehen. Die männlichen Kätzchen fallen gleich nach der Blütezeit ab, die weiblichen, nachdem die Früchte gebildet und die Samen gereift haben. Die Frucht ist eine einfächerige, mit zwei Klappen aufspringende Kapsel, welche viele kleine, mit einem Schopf seidenglänzender Haare besetzte Samen enthält. Die Weidenarten sind namentlich in der kalten gemäßigten und kalten Zone der nördl. Halbkugel verbreitet und dadurch ausgezeichnet, daß sie sehr leicht und sehr zählreiche Bastarde bilden, indem häufig die Narben einer weiblichen W. durch den Blütenstaub einer andern Weidenart befruchtet werden, den der Wind oder behaarte Insekten (Bienen, Hummeln u. s. w.) herbeibringen. Von dieser Bastarderzeugung, welche die Bestimmung der zahlreichen Arten außerordentlich erschwert, hat man sich durch Versuche (künstliche Kreuzung) überzeugt, namentlich im botan. Garten zu Breslau. Infolge dieser besonders durch Wimmer und Wichura angestellten Versuche haben sich sehr viele bisher für eigene Arten oder auch für Varietäten gehaltene W. als Bastarde herausgestellt. Nach Andersson kommen auf der ganzen Erde 160 Arten vor und 68 Bastarde, nach Wimmer in Europa 31 Arten und 57 Bastarde. Die W. zerfallen in mehrere naturgemäße Gruppen, z. B. Gletscherweiden, kleine niederliegende Sträucher mit endständigen Kätzchen; Purpurweiden, aufrechte Sträucher und Bäume mit purpurroten Staubbeuteln und verwachsenen Staubfäden; Sahlweiden, Sträucher und Bäume mit gestieltem, filzigem Fruchtknoten; Baumweiden, Bäume, deren Kätzchenschuppen sich vor dem Abfallen der Kätzchen von der Spindel lösen etc. In ökonomischer Hinsicht sind die W. von großem und mannigfachem Nutzen. Zwar geben die Stämme nur wenig wertvolles Nutz- und Brennholz, doch gebraucht man die Kohle der Sahlweide (S. caprea J.) zum Zeichnen und zur Bereitung des Schießpulvers, die Rinde von dieser und der weißen W. (S. alba L.) zum Gerben des dän. Handschuhleders, sowie zum Färben. Ein in der Weidenrinde enthaltenes Alkaloid (Salicin) findet mediz. Verwendung. Die bei den meisten W., mit Ausnahme der Bruchweide (S. fragilis L.), sehr zähen und biegsamen Zweige dienen zu vielerlei Flechtwerk. Hauptsfächlich finden hierzu Verwendung die ein⸗ oder zweijährigen, üppig erwachsenen Stockausschläge (Ruten) der Korbweide (S. viminalis L.), Purpurweide (S. purpurea L.), Mandelweide (S. amygdalina L.), der kaspischen oder schwarzen W. (S. acutifolia Walld.). Weidenniederwald ist ein sehr lohnender forstlicher Betrieb. Baumweiden werden vielfach auch als Kopfholz behandelt. Die W. liefern überdies den Böttchern vortreffliche Reifen, Material zum Faschinenbau, zum Binden von Hecken u. s. w. Sie vervielfältigen sich leicht durch Stecklinge und bilden in kurzer Zeit dichte Gehege, weshalb man sie zur Befestigung der Ufer und Dämme verwendet; besonders geeignet hierzu S. viminalis L., purpurea L., triandra L. (amygdalina L.). Zur Befestigung der Dünen an der Ostsee ist vielfach angebaut 8S. acutifolia WLId. Häufige Verwendung finden die verschiedenen W. auch als Ziergehölze in Gärten u. s. w., so z. B. namentlich die aus dem Orient stammende Trauerweide (S. babylonica J.) als Symbol der Trauer auf Kirchhöfen. Vgl. Krahe, Lehrbuch der rationellen Korbweidenkultur (4. Aufl., Aachen 1886).