FeedWeigel (Valentin)
ReligionBrockhaus 1882

Weigel (Valentin), Stifter einer mystisch-religiösen Sekte bei Chemnitz, 1533 zu Großenhain im Königreich Sachsen geboren, studierte 1554 67 zu Leipzig und Wittenberg und wirkte dann bis zu seinem Tode (10. Juni 1588) als Pfarrer zu Zschoppau bei Chemnitz. Den dogmatischen Zänkereien seiner Zeit abgeneigt, wandte er sich der deutschen Mystik zu. Im Druck erschienen seine Werke, nebst einer Anzahl unechter Schriften in den J. 1604 — 19. Hervorzuheben sind: Das Büchlein vom Gebeto, Der güldene Gryffo, Vom Ort der Welto, „Von der Gelassenheito, Dialogus de Christianismob. Gegenüber dem starren Buchstabendienst gleichzeitiger Orthodoxie betont W. das innere Licht, welches aus der Einwohnung Gottes und der Salbung mit dem Heiligen Geiste hervorleuchtet und das allein vermag uns wahre Erkenntnis zu bringen. Statt des äußerlich stellvertretenden Leidens des histor. Christus fordert er, daß in uns der alte Mensch sterbe, Christus geboren werde und lebe, statt der zugerechneten Gerechtigkeit das gerechte Leben des mit Christo geeinigten Gläubigen. Diese mystische Auffassung der Religion ruht auf der überzeugung, daß alle Dinge ihrem Wesen nach in Gott sind, der Mensch noch in besonderer Weise, weil unser Geist aus der Substanz des göttlichen Lebens uns eingehaucht ist. W. fand zahlreiche Anhänger, Weigelianismus und Weigelianer wurde der offizielle Ketzer⸗ und Schimpfname für alle schwärmerischen Erscheinungen. W.s Schriften wurden vielfach verbrannt, gegen seine Anhänger mit Gewalt eingeschritten. Die wichtigsten derselben sind: Jes. Stiefel, gest. 1627, Schenkwirt zu Langensalza und dessen Neffe Ez. Meth, gest. 1640, welche sich für Inkarnationen Christi und des Erzengels Michael hielten; ferner Paul Nagel, Professor der Mathematik zu Leipzig, und Klaus Engelbrecht, gest. in Braunschweig 1642. Auch der Mystiker Jakob Böhme (s. d.) war durch W. stark beeinflußt. Vgl. Opel, Valentin W.» (Opz. 1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 510Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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