Wegscheider (Jul. Aug. Ludw.), namhafter prot. Theolog, ein Hauptvertreter des ältern Rationalismus, geb. 17. Sept. 1771 zu Kübbelingen im Braunschweigischen, studierte in Helmstedt Theologie, wurde daselbst Lehrer am Pädagogium, dann Hauslehrer in Hamburg und 1805 theol. Repetent in Göttingen. Bei seiner Habilitation daselbst schrieb er die geistvolle Abhandlung De Graecorum mysteriis religioni non obtrudendiso (Gött. 1805), welcher die «Einleitung in das Evangelium des Johanneso (Gött. 1806) folgte. Infolge dieser letztern Schrift wurde er als ord. Professor der Theo—⸗ logie und Philosophie nach Rinteln berufen, nach der Aufhebung dieser Universität 1810 in gleicher Stellung nach Halle, wo er mit Gesenius eine Hauptanziehungskraft der theol. Jugend bildete. Hier erschien von ihm «Der erste Brief des Paulus an den Timotheus, neu übersetzt und erklärt, mit Beziehung auf die neuesten Untersuchungen über die Authentie desselben » (Gött. 1810), worin er sich gegen Schleiermachers Zweifel an der Authentie dieses Briefs aussprach. Als Handbuch seiner Vorlesungen über die Glaubenslehre ließ er die Institutiones theologiae christianae dogmaticae (Halle 1815; 8. Aufl. 1844; deutsch von Weiß, Halle 1831) erscheinen, die man als die eigentliche Normaldogmatik des Rationalismus betrachten kann. Allgemeine Liebe und Achtung entschädigten ihn für die durch Hengstenberg gegen ihn und Gesenius (1830) gerichtete, auf Amtsentsetzung abzielende Denunziation. Er starb zu Halle 27. Jan. 1849.