FeedWieseler (Karl)
ReligionBrockhaus 1882

Wieseler (Karl), prot. Theolog, geb. 28. Febr. 1813 zu Altencelle bei Celle in Hannover, studierte in Göttingen, wurde daselbst 1836 Repetent, 1839 Privatdocent, 1843 außerordentlicher Professor, 1851 ordentlicher Professor in Kiel und 1863 in Greifswald, wo er 1870 zum Konsistorialrat ernannt wurde und 11. März 1883 starb. Der streng positiven Richtung angehörend, widmete W. seine Forschungen namentlich dem Gebiete der neutestamentlichen Exegese, auf dem er sich durch seine chronologischen Untersuchungen bleibende Verdienste erworben hat. Seine Hauptschriften sind; „Chronologische Synopse der vier Evangelien⸗ (Hamb. 1843), Chronologie des apostol. Zeitalters' (Gött. 1848), Beiträge zur richtigen Würdigung der Evangelien und der evang. Geschichter(Gotha Auuch „Geschichte des Bekenntnisstandes der luth. Kirche Pommerns» (Stett. 1Gaf „Die deutsche Nationalität der kleinasiat. Galaters (Gütersloh 1877), „Die Christenverfolgungen der Cäsaren (Gütersloh 1878), «Zur Geschichte der neutestamentl. Schrift und des Urchristentumsv (Lpz. 1880), Untersuchungen zur Geschichte und Religion der alten Germanen in Asien und Europav (Lpz. 1881). o Kanelrof. (Pehr), schwed. Geschichtschreiber und Kanzelredner, geb. 1. Okt. 1800 im Kirchspiel Wieslanda, westlich von Wexiö, machte seine Studien zu Lund, wo er 1824 Docent der Litteraturgeschichte und Adjunkt für die Asthetik, 1830 auch Vizebibliothekar an der Universitätsbibliothek wurde. Im J. 1833 ging er als Pastor und Propst nach Westerstad in Schonen. 1847 in gleicher Eigenschaft nach Helsingborg. Im J. 1857 wurde er Dompropst in Gothenburg, wo er 10. Okt. 1877 starb. W.s Hauptwerk ist Sveriges sköna Litterature (3 Bde., Lund 1833—35; neue Aufl. in 5 Bdn., Stockholm-Ups. 1847—49). Von ausgebreitetem Quellenstudium zeugen seine histor. Arbeiten, wie Ny Smälands Beskrifning inskränkt till Wexio Stifto (3 Bde., Wexiö-Lund 1844 —45; Anhang, Jönköping 1847 und «Syd-Skandinavernas Förstfödslorätte (Ups. 1845), sowie seine Ausgabe von »De la Gardieska Archiveto (20 Bde., Lund 1831—43; „Bihango, Lund 1844). Außerdem hat er sich um das &Biographiskt Lexikon öfver namnkunnige Svenska män (23 Bde., Ups. 1845—57; Supplement, Bd. 1—9, Orebro-Stockh. 1857—83) sehr verdient gemacht. Besonders populär ist W.s Name in Schweden durch seine Bestrebungen für die Mäßigkeitsvereine eworden, für welche er durch mehrfache Schriften ningeno, Lund 1840), sowie durch Predigten in allen Provinzen Schwedens gewirkt hat. Wiesen nennt man in der Landwirtschaft bleibende Futterflächen, deren Hauptbestand Gräser und Kräuter bilden. Man unterscheidet künstliche und natürliche W. Die künstlichen Wiesen, die Hauptstütze der Stallfütterung, sowie der Koppelwirtschaft (s. d.), sind mit Futter angesäete Acker, welche eine Zeit lang zur Weide oder zur Mahd liegen bleiben, dann umgebrochen werden und wieder in den Turnus eintreten. Die eigentlichen oder natürlichen Wiesen dagegen sind zur fortdauernden Erzeugung von gras⸗ und kleeartigen Futterpflanzen, mit entschiedenem Vorwalten der erstern, bestimmt, und ihr Ertrag wird gewöhnlich zur Gewinnung von Heu, dem getrockneten ersten Schnitt des Grases im rühjahr, und Grummet (Ohmd), dem Herbstheu, enutzt. Man teilt die W. sehr verschieden ein. Der Landmann nennt sie nach der Qualität des Ertrags süße und sauere; nach der Mähbarkeit einschürige, zwei⸗ und mehrschürige W. Nach der Lage unterscheidet man Höhe⸗, Berg⸗ und Waldwiesen, oder Niederungs⸗, Thal⸗, Marsch⸗, Salz⸗, Fluß⸗ und Bachwiesen; nach dem Feuchtigkeitsgehalt des Bodens trockene, nasse, quellige, Roor⸗, Sumpfwiesen. Zwei Hauptklassen der natürlichen W. lassen sich im ganzen und überall annehmen: 1) Naturwiesen, welche an Stellen gelegen, die keine andere vorteilhafte Benutzung zulassen, sich von selbst besamt haben und ohne menschliche Zuthat ihren Ertrag bringen, und 2) Kunstwiesen, welche durch bestimmte Anlagen und regelmäßige Bewässerung zu gesteigerter Produktion gebracht werden. Die Naturwiesen können als zufällige Futterquelle von Wert sein; sie bedürfen keiner besondern Pflege und verursachen geringe Kosten. Mit der Unterhaltung, der Anlage, Verbesserung, Bewässerung der W. überhaupt beschäftigt sich der Wiesenbau, welcher sich nach jenen beiden Klassen wiederum in natürlichen und in Kunstwiesenbau scheidet. Letzterer ist entweder Rieselwiesenbau, wenn das zur Bewässerung dienende Wasser mittels des Gefälles in steter Bewegung bleibt (dangbau und Dachbau), oder Stauwiesenbau, wenn es die ganze Fläche der W. eine Zeit lang überdeckt. Ein neues System des Wiesenbaues hat seit 1860 Petersen zu Wittkiel in Holstein aufgestellt, das wesentlich auf der Führung der Wässerungsgräben unterhalb der Oberflache mit Benutzung des Drainwassers beruht. Die hauptsächlichsten Wiesenpflanzen sind a) Gräser: Lolche, Fuchsschwanz, Rispengräser, Schwingel, Knaulgras, Lieschgras, Haferarten, Honiggräser, Fioringras, Trespen, Kammras und Ruchgras: V Kräuter: Kleearten, Luzerne, Schotenklee, Spitzwegerich, Wicken, Platterbsen Pimpinelle, Becherblume, Wiesenknopf, Kümmel, Bocksbart und Schafgarbe. Als Unkräuter der W. sind zu betrachten: Salbei, Kälberkropf, Kuckucksblume, Fingerkraut, Ranunkeln, Ampfer, Huflattich, Wucherblume, Klapperkraut, Ccafthen, & auhechel, Kuhblume, Läusekraut, Schaftheu, Schilfe, Binsen, Simsen, Wollgräser, Riedgräser, eiou. s. w. Giftpflanzen der W. sind: Herbstzeitlose, Schierling, Bilsenkraut, Stechapfel, Wolfsmilch, Taumellolch, Hahnenfuß u. s. w. Neugebildet wird eine W. entweder durch bloße Ruhe und Überlassen der Natur, oder durch Umbruch und Ansaat, oder durch Auflegen einer anderswo abgehobenen Grasnarbe. Die Unterhaltungsarbeiten auf einer Wiese sind: Reinigen und Instandhalten der Wässerungsgräben, Verteilen oder Abführen der Erde und des Schlamms, Ebnen der Ameisenhaufen, der Maulwurfshügel u. s. w., am besten mit dem Wiesenhobel, einem schneidigen Schlitten mit einer Dornegge! Ausstechen des Unkrauts und der Giftpflanzen; Ablesen der Steine; Eggen und Walzen; endlich Düngen mit Jauche, Kompost u. dgl., während das noch oft beliebte Überfahren mit hrohigem Stalldünger zu verwerfen ist. Verjüngen der Wiesen nennt man das tiefe Aufreißen einer alten W. mittels des Wiesenreißers (Skarifikator) und darauf folgendes Überfahren mit Erde, wodurch die alten Grasstöcke zu erneutem Ausschlagen und frischem Triebe gebracht werden. Vgl. Fries, Lehrbuch des Wiesenbauese (2. Aufl. von Dünkelberg, Braunschw. 1866); Vincent, Der rationelle Wiesenbaue (3. Aufl., Lpz. 1870); Dünkelberg, Der Wiesenbau in seinen landwirtschaftlichen und technischen Grundzügen» (2. Aufl., Braunschw. 1877); Toussaint, «Die Wiese, deren Technik etc.» (Bresl. 1885); E. Fuchs, Der Petersenf che Wiesenbauv (Berl. 1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 628Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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