FeedWeihnachten
ReligionBrockhaus 1882

Weihnachten (gekürzt aus der altdeutschen Formel ze wihen nahten, azun oder «aan den heiligen Nächteno) oder das Christfest, das Gedächtnisfest der Geburt Jesu, ist erst seit dem 4. Jahrh. als christl. Hauptfest gefeiert worden. Über Jahr, Monat und Tag der Geburt Christi gab es weder eine schriftliche Nachricht, noch hatte sich eine mündliche Überlieferung gestaltet. Die morgenländ. Kirche feierte im 3. und 4. Jahrh. die Geburt Christi am 6. Jan., dagegen findet sich die Feier des 25. Dez., des Tages der Wintersonnenwende, zuerst im Abendlandeund kam von da gegen das Ende des 4. Jahrh. zu den morgenländ. Christen. Mit dem Weihnachtsfest wurden vom 5. bis zum 8. Jahrh. mehrere teils ältere, teils neu aufkommende Feste in unmittelbare Verbindung gesetzt, sodaß ein Weihnachtscyklus entstand. (S. Festtage und Feiertage.) Als Vorbereitung auf die Ankunft (adventus) des Herrn, in deren dreifacher Beziehung, im Fleische, im Geiste und zum Gericht, stellte man im Abendlande eine dreibis vierwöchentliche Adventszeit voran und ließ mit ihr zugleich das neue Kirchenjahr beginnen, während die griech. Kirche den Advent schon mit dem 14. Nov. anheben läßt und diesen scharfen Jahresabschluß nicht kennt. Der Christnacht und dem ersten Hauptfeiertage der Geburt Christi folgte dann als keria secunda der schon vor dem 4. Jahrh. gefeierte Gedächtnistag des ersten christl. Märtyrers Stephanus; dann als feria tertia der Gedächtnistag des Apostels Johannes, dessen Evangelium mit der Verkündigung beginnt: Das Wort ward Fleischo; ferner 28. Dez. das ebenfalls schon früher eingeführte Fest der von Herodes getöteten Unschuldigen Kindlein. Am achten Tage nach der Geburtsfeier trat hinzu das Fest der Beschneidung und Namengebung. Das bürgerliche Neujahr ward von der Kirche erst spät und ungern damit verbunden. Den Beschluß endlich machte am 6. Jan. und den nächstfolgenden Sonntagen das Epiphaniasfest. Die symbolische Beziehung des 25. Dez. als des Tages der Wintersonnenwende auf das der Menschheit in Christus angebrochene geistige Licht legte sich um so näher, da fast alle alten Völker die Wintersonnenwende als den Beginn des erneuten Lebens der Natur zu feiern pflegten. Die Germanen feierten zur Wintersonnenwende ihr großes, der Umkehr des feurigen Sonnenrades geltendes Julfest und glaubten in den vom 25. Dez. bis zum 6. Jan. reichenden Zwölf Nächten (s. d.) ein personliches Umziehen und Eingreifen ihrer großen Götter, des Wuotan, der Berchta u. s. w., zu verspüren. Viel von dem betreffenden Glauben und Brauche des german. und wohl auch des röm. Heidentums ist in das Christentum übergegangen und hat sich teilweise bis auf die Gegenwart er⸗ .— Im Gegensatz zu dem heidnischen Festrauch kamen die sinnlichen Darstellungen der Geburtsgeschichte Jesu, die sog. Krippen und eine Menge von Weihnachtsliedern und Weihnachtsdramen auf. Auf christlichen Umbildungen altheidnischer Sitten beruhen die mit Lichtern und Gaben geschmückten Christbäume, der schon bei den röm. Saturnalien herkömmliche Brauch des gegenseitigen Beschenkens, das Herkommen gewisser eigentümlicher Festspeisen, als Christstollen, Striezel, Huzel-oder Klözenbrot, Mohnklöße u. dgl. So ward W. ein allgemeines Freudenfest für jung und alt, für hoch und niedrig in einem Maße, wie kein anderes christl. Fest. Vgl. Augusti, Denkwürdigkeiten aus der christl. Archäologier (Bd. 1, Lpz. 1817); Strauß, Das evang. Kirchenjahrs Gerl. 1850);: Weinhold, «Weihnachtsspiele und Lieder aus Süddeutschland und Schlesieno (Gratz 1853); Cassel, W., Ursprünge, Bräuche und Aberglaubes (Berl. 1862);: Mannhardt, «Weihnachtsblüten in Sitte und Sagey (Berl. 1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 510Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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