FeedKarfreitag (Charfreitag)
ReligionBrockhaus 1882

Karfreitag (Charfreitag), der Freitag in der Karwoche (s. d.), welcher als Tag der Kreuzigung Christi der höchste Festtag der evang. Kirche ist. Doch haben die schweiz. Kirchen ihn erst neuerdings eingeführt und die schott. Kirche feiert ihn noch heute nicht. In der kath. Kirche wird er nur als halber Feiertag betrachtet und in Werkeltagsarbeiten und zum Teil geräuschvollen Volkslustbarkeiten zugebracht. Die ersten Spuren einer Feier des K. ebenso wie des Ostersonntags als stehungstag begegnen uns um die Mitte des 2. Jahrh. in der röm. Kirche, während in Kleinasien damals noch ganz allgemein nicht der Todestag Jesu, sondern der Tag seines letzten Passahmahls, und auch dieser nicht als bewegliches Fest an einem bestiumten Wochentage, sondern nach dem mosaischen Gesetze am 14. Tage nach dem hnalich drane mond (14. Nisan) gefeiert wurde. Allmä hlich drang jedoch die röm. Feier auch in Kleinasien durch und wurde von dem Konzil zu Nicäg (325) zum allgemeinen Kirchengesetze erhoben. In der alten Kirche empfingen die, welche mit ein⸗ oder mehrjähriger Kirchenbuße belegt worden waren, am Karfreitag Absolution (daher diées absolutionis). Man heiligte ihn durch strengeres Fasten und Meiden aller Arbeit, durch Trauer verkündende Anderungen der Liturgie, durch den Gesang des Kyrie eleison, durch Schweigen der Glocken und Orgeln, durch Hinweglassung der Kniebeugung, durch schwarze Bekleidung der Kirche und Ahnliches. Namentlich ward die Zeit von abends 6 Uhr, um welche Stunde Christus verschieden sein soll, bis zum nißt, sind unter C aufzusuchen. Auferstehungsmorgen durch allgemeine Ruhe und Stille gefeiert, weshalb man auch den K. selbst den Stillen Tag oder Stillen Freitag nannte. In Spanien ging man so weit, an demselben allen Gottesdienst einzustellen, wogegen sich aber das Konzilium zu Toledo 633 nachdrücklich erklärte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 103Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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