Weiße (Christian Herm.), deutscher Philosoph, Sohn des vorigen, geb. 10. Aug. 1801 zu Leipzig, widmete sich daselbst dem Studium der Rechte, mit dem sich jedoch frühzeitig die Neigung zu philos. Studien verband. Nachdem er sich 1823 habilitiert, veröffentlichte er die Schriften Uber das Studium des Homer und seine Bedeutung für unser Zeitaltere (Lpz. 1826) und Uüber den Begriff, die Behandlung und die Quellen der Mythologies (Lpz. 1827), in der sich schon die ersten Spuren einer philos. Differenz von Hegel zeigten. Die erste Frucht seines selbständigen Nachdenkens war die Schrift aliber den gegenwärtigen Standpunkt der philos. Wissenschaft‘ (Epz. 1829). Gleichzeitig ließ er die übersetzungen von Aristoteles' «Physike (Lpz. 1829) und „Von der Seeles (Lpz. 1829) erscheinen. Beim Antritt der außerord. Professur schrieb er De Platonis et Aristotelis in constituendis sum mis philosophiae principiis differentiao (Lpz. 1828). Zunächst nun erschien sein bedeutendstes Werk, das «System der Asthetik als Wissenschaft von der Idee der Schönheite (2 Bde., Lpz. 1830). Demnächst erschienen von ihm Die Idee der Gottheite (Dresd. 1833), «Die philos. Geheimlehre über die Unsterblichkeit des menschlichen Individuums (Dresd. 1834), ein Thema, welches er außerdem in zwei unter dem Namen Nikodemus herausgegebenen Schriftchen: «Theodicee, in deutschen Reimeno (Dresd. 1834) und «Büchlein von der Auferstehunge (Dresd. 1836), behandelte, und die «Grundzüge der Metaphysik' (Hamb. 1835). In engem Zusammenhange mit Wis allgemeiner philos. Tendenz stehen die Kritik und Erläuterung des Goetheschen Fausto (Lpz.1837) und «Die evang. Geschichte kritisch und philosophisch bearbeitets (2 Bde., Lpz. 1838). Seit 1837 hatte W. der akademischen Thätigkeit entsagt und lebte auf seinem Landgute zu Stötteritz bei Leipzig. Nach einigen Jahren nahm er aber diese Thätigkeit wieder auf und wurde 1845 zum ord. Professor der Philosophie ernannt. Von hier an trat, wie seine Rede „In welchem Sinne sich die deutsche Philosophie wieder an Kant zu orientieren haty (Lpz. 1847) beweist, seine Abwendung von der dialektischen Methode und sein Bestreben, dem pantheistischen Idealismus der Nachfolger Kants und Hegels das System eines ethischen Theismus entgegenzusetzen, und zwar im engsten Anschluß an das christl. Dogma, immer entschiedener hervor, zuerst in der anonymen Schrift Kber die Zukunft der evang. Kirche. Reden an die Gebildeten deutscher Nationo (Lpz. 1849), dann in der »Philos. Dogmatik oder Philosophie des Christentumse (3 Bde., Lpz. 1855—-62), woran sich seine Christologie Lutherso (Lpz. 1852) und Die Evangelienfrage in ihrem gegenwärtigen Stadiume⸗(Lpz. 1856)anschlossen. Erstarb 19. Sept. 1866. Aus seinem Nachlasse Briefe Sulze ⸗Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefer (Lpz. 1867) und Seydel Kleine Schriften zur Asthetik und ästhetischen Kritik (Lpz. 1867), sowie (W.s Psychologie Hermann Wi.s System der Asthetik nach dem Kollegienhefteletzter Hande (Lpz. 1872) heraus; letzterer schrieb auch eine Charakteristik W.s (pz. 1866).