FeedMichelet (Karl Ludw.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Michelet (Karl Ludw.), vielseitiger philos. Schriftsteller, geb. 1. Dez. 1801 zu Berlin und daselbst wissenschaftlich gebildet, wurde 1825 am Französischen Gymnasium in Berlin angestellt, habilitierte sich 1826 an der dortigen Universität und wurde 1829 zum Professor ernannt. Seinen Ruf begründete M. mit dem «System der philos. Moralp (Berl. 1828) und drei Arbeiten über Aristoteles: außer einer Ausgabe der Nikomachischen Ethik' (Bd. 1, Text, Berl. 1829; Bd. 2, lat. Kommentar, 1835; 2. Aufl. 1848) noch Die Ethik des Aristoteles in ihrem Verhältnis zum System der Morals (Berl. 1827) und das von der pariser Akademie der moralischen und polit. Wissenschaften 1835 gekrönte Werk EXxamen critique du livre d'Aristote, intitulé Métaphysiquen (Par. 1836). Hieran schlossen sich die beiden geschichtlich-philos. Werke: Geschichte der letzten Systeme der Philosophie in Deutschland von Kant bis Hegely (2Bde., Berl. 1837—38) und „Entwickelungsgeschichte der neuesten deutschen Philosophier (Berl. 1843). Von 1832 bis 1842 nahm M. an der Herausgabe von Hegels Werken teil. Seinen eigenen philos. Standpunkt legte er am bestimmtesten dar in den „Vorlesungen über die Persönlichkeit Gottes und die Unsterblichkeit der Seele oder die ewige Persönlichkeit des Geistes» (Berl. 1841) und „Die Epiphanie der ewigen Persönlichkeit des Geistes, eine philos. Trilogies (Tl. 1: cüber die Persönlichkeit des Absoluteno, Nürnb. 1844; Tl. 2: „Der histor. Christus und das neue Christentumo, Darmst. 1847; Tl. 3: „Die Zukunft der Menschheit und die Unsterblichkeit der Seele, oder die Lehre von den letzten Dingeno, Berl. 1852; 2. Aufl. 1863). M. stiftete 1845 mit dem Grafen von Cieszkowski die Philosophische Gesellschaft zu Berlin und unternahm 1852 eine Reise nach Italien, die er in dem Werke Eine ital. Reise in Briefenb (Berl. 1856; 2. Ausg. 1864) beschrieb. Eine der bedeutendsten Arbeiten M.s ist die Geschichte der Menschheit in ihrem Entwickelungsgange seit dem J. 1775 bis auf die neuesten Zeitend (2 Bde., Berl. 1859—60). Als Schriftführer der Philosophischen Gesellschaft redigierte er seit 1860 die Zeitschrift KDer Gedanke, Organ der Philosophischen Gesellschaft zu Berlino. Später veröffentlichte M.: Raturrecht, oder Rechtsphilosophie als die praktische Philosophier (3 Bde., Berl. 1866). In seinem Werke «Das System der Philosophie, als exakter Wissenschafto (4 Bde., Berl. 1876—81) sucht M. eine Versöhnung zwischen der spekulativen Philosophie und den empirischen Wissenschaften zu begründen. Vgl. M., «Wahrheit aus meinem Lebeno (Berl. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 698Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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