Fichte (Imman. Herm. von), Sohn des vorigen, geb. zu Jena 18. Juli 1796, studierte zu Berlin Philologie, widmete sich jedoch, angeregt durch die Philosophie seines Vaters in ihrer spätern Gestalt, schon früh philos. Studien, welche er auch noch fortsetzte, nachdem er sich dem Schulfache gewidmet hatte und erst in Saarbrücken, dann als Gymnasialprofessor in Düsseldorf darin thätig war. Im J. 1836 verschafften ihm seine philos. Arbeiten eine Anstellung als außerord. Professor der Philosophie in Bonn, wo er 1839 das Ordinariat erhielt. Im J. 1842 folgte er einem Rufe an die Universität Tübingen; von dieser zog er sich 1863 ins Privatleben nach Stuttgart zurück, wo er am 8. Aug. 1879 gestorben ist. Seine philos. Werke sind, abgesehen von Gelegenheitsschriften und zahlreichen Abhandlungen in der von Hom seit 1837 herausgegebenen „Zeitschrift für Philosophie und spekulative Theologien (Tüb. 1837—48; fortgesetzt als Zeitschrift für 40, olgend und philos. Kritiko von Ulrici und Wirth), folgende: «Sätze zur Vorschule der Theologien (Stuttg. 1826), 4Beiträge zur Charakteristik der neuern Piilosophier (Sulzb. 1829; 2. Aufl., als völlig neues Werk zu betrachten, 1841), „Das Erkennen als Selbsterkennen» (Heidelb. 1833), Reliion und Philosophie in ihrem gegenseitigen Versa Geidelb. 1837), „Die Idee der Persönlicheit und der individuellen Fortdauer» (Elberf. 1834; 2. Aufl., Lpz. 1856), «über die Bedingungen eines (Heidelb. 1836), «Die spekulative Theologiep (Heidelb. 1846), (System der Ethike (2 Bde., Lpz. 1850 —53), Anthropologien (Lpz. 1856; 3. Aufl. 1876), Seelenfonddar (2 Tle., Lpz. 1864 u. 1873), Die Seelenfortdauer und die Weltstellung des Menscheno 2 1867), Vermischte Schriften zur Philosophie, Theologie und Ethike (2 Bde., Lpz. 1869), „Die theistische Weltansicht und ihre Berechtigungo Lpz. 1873), «Fragen und Bedenken über die nächste Fortbildung deutscher Spekulation» (Lpz. 1876), Der neuere Spiritualismus, sein Wert und seine Täuschungen »(Lpz. 1878), «Spiritualistische Memorabilieno in 4Psychol. Studieno (Lpz. u. Neuyork 1879). Die in allen diesen Werken wiederkehrende Grundansicht sucht den idealistischen Monismus mit dem realistischen Individualismus (Hegel und Herbart) zu einem gethischen Theismuso zu verschmelzen, indem sie die endliche Welt für ein System von beharrlichen, innerlich aufeinander bezogenen »Realeno (Monaden, Urpositionen) erklärt, diese ordnenden Beziehungen aber aus einem azwecksetzenden Prinzipo abzuleiten sucht, welches als «absolute Persönlichkeite gedacht wird, sodaß die einzelnen Seelen, wie sie theoretisch die Kraft ihres Bewußtseins nur aus dem göttlichen Urbewußtsein ziehen, so auch in ihrem praktischen Verhalten den Grund der sie verknüpfenden Liebe nur in der göttlichen Liebe haben. F.s Lehre bildet den Versuch, die Leibnizsche Metaphysik mit der ethischen Teleologie der nachkantischen Philosophie organisch zu durchdringen. Eduard von F., Sohn des vorigen, königl. württemb. Generalarzt, geb. 24. März 1826, hat sich auf dem Gebiete der militärärztlichen Organisation vorteilhaft bekannt gemacht. Außer kriegschirurgischen Arbeiten, welche er in verschiedenen Fachzeitschriften erscheinen ließ, veröffentlichte er Wirre Gottlieb Fichte. Lichtstrahlen aus seinen Werken und Briefeno (Lpz. 1863).