Welsch, auch Wälsch lalthochdeutsch walhisc, mittelhochdeutsch walhisch, welhisch), ist abgeleitet von dem althochdeutschen Substantiv Walh (mittelhochdeutsch Walch), welches, lautlich dem keltischen Volksnamen Volcae entsprechend, ursprünglich die Kelten Mitteleuropas bezeichnete, bei deren Untergang aber auf die nächsten Nachbarn im Süden, auf die Romanen, übertragen wurde. In neuerer Zeit ist das Wort W., wenigstens im gewöhnlichen Sprachgebrauch, nicht mehr als ethnogr. Bezeichnung üblich, doch hat es sich noch in verschiedenen Namen solcher Gegenstände, die besonders aus Italien zu uns gelangt sind, in seiner ursprünglichen Bedeutung erhalten. Dahin gehören, außer einigen geogr. Benennungen, wie Welschland für Italien, Welsche Confinien, Welschtirol u. s. w., namentlich mehrere Pflanzennamen, z. B. Welschkorn, Welschkohl, Welschkraut, Welsche Nüsse oder Walnüsse u. s. w. Bei den alten Angelsachsen bezeichnete Wealh (davon wealisc, engl. welsh) anfänglich alle kelt. Urbewohner von Britannien, später, nach dem Verschwinden derselben im eigentlichen England, vorzugsweise die Bewohner von Wales, auf welche sich heutzutage die Bedeutung von Welsh, Welshmen u. s. w. beschränkt hat. Die Welsche Sprache (engl. Welsb) oder das Kymrische bildet mit dem Bretonischen und dem erloschenen Dialekt von Cornwall einen der beiden Hauptzweige der neukeltischen Sprachen und wurde am besten grammatisch von Rowland (4. Aufl., Lond. 1876) und J. Rhys, Lectures on Welsl philologys (2. Aufl., Lond. 1879), lexikalisch von Owen (welsch-englisch, 2 Bde., Lond. 1793; 3. Aufl. 1861) und Evans lenglisch-welsch, 2 Bde., Denbigh 1852—58) bearbeitet. Die Welsche Litteratur ist ziemlich reich an Denkmälern der Poesie und Prosa. Die alten Gedichte, welche die Tradition den halbmythischen Dichtern Aneurin, Taliesin, Llewarch⸗-Hen und Merddin (Merlin) zuschreibt und in der Zeit der angelsächs. Herrschaft entstehen läßt, scheinen bedeutend spätern Ursprungs zu sein. Eine Blütezeit der Poesie (1080—1194) bilden die Dichter Meilyr (der Barde des um die Poesie verdienten Fürsten Gruffud-ap-Cynan), Gwalchmai und Dafydd Benfras. Der größte Dichter der folgenden Periode war Dafydd ab Gwilym gest. 1356). Seitdem geriet die welsche Poesie in Verfall. Außer Jolo Goch, Gwilym ap Jeuan Hen (um 1450), Dafydd ab Edmund, Lewis Glyn Cothi, Jeuan Deulwyn, Sion Tudor sind als die letzten ichter von Bedeutung nur noch Huw Morris (gest. 1709) und vor allem Owen Goronwy (gest. 1780) zu nennen; als bester Dichter des 19. Jahrh. gilt David Owen (1784 —1841). Unter den Prosawerken stehen voran die Chroniken von Tysilio und Caradawg, das Gesetzbuch des Howel-Da, das moralisch-allegorische Werk The Sleeping Bardo und die Mabinogion oder Märchen. In neuerer Zeit sind viele, für das eigentliche Volk bestimmte periodische Schriften, sowohl in Wales selbst wie auch in Nordamerika, erschienen. Auch wird die Erforschung der ältern Kulturverhältnisse des Landes mit Eifer betrieben; die poetische Produktion erhält durch die öffentlichen Preisbewerbungen (Eisteddfod) Anregung. Vgl. Stephenson, „History of the Welsh literatures (Lond. 1847; 2. Aufl. durch Evans 1876; deutsch von San-Marte, Halle 1864); Watts, «Sketch of Welsh literatures (Lond. 1863); Borrow, Wild Wales (2. Aufl., 3 Bde., Lond. 1866); Walther, Das alte Waleso (Bonn 1859). Eine Aufzählung der gedruckten welschen Bücher von 1546 bis 1800 geben W. Rowlands und D. S. Evans unter dem Titel LIxfryddiaeth y Cymrys (Llanidloes 1869).