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VerkehrBrockhaus 1882

Wels, Hauptstadt einer Bezirkshauptmannschaft im Erzherzogtum Ssterreich ob der Enns, an der schiffbaren Traun, am Ende der 22 km weit nach Linz reichenden sog. Welserheide, Station der Linien Wien-Salzburg und W.⸗-Passau der Osterreichischen Staatsbahnen, sowie einer Lokalbahn nach Eferding und Aschach an der Donau, ist Sitz eines Kreis- und eines Bezirksgerichts, hat eine gewerbliche Fortbildungs- und eine Handelsschule, und zählt (1880) 8859 E. Der Ort gilt für die schönste und freundlichste Landstadt des Kronlandes und hat viele hübsche Häuser, auch mehrere neue sehr hübsche Straßen und zwei ansehnliche Plätze, den Stadtplatz mit zwei steinernen Brunnen von 1572, und den Vorstadtplatz mit dem Denkmal Kaiser Josephs II. Merkwürdige Bauwerke sind die Stadtpfarrkirche, zum Teil von hohem Alter, mit wertvollen und gut erhaltenen Glasmalereien im Presbyterium; die evang. Christuskirche, 1849—50 aus den Mitteln der Gustav-Adolf-Stiftung im got. Stile aufgeführt; die Burg, wahrscheinlich zuerst ein röm. Kastell, später den mächtigen Grafen von W. und nach deren Aussterben dem Landesfürsten gehörig; ferner das schöne Rathaus, das Schloß Polheim, die große Kavalleriekaserne u. s. w. Außerdem sind hervorzuheben der prachtvolle Volksgarten, 1878 angelegt, und der neue schöne Gemeindefriedhof mit Leichenhaus. Es bestehen zu W. Olfabriken, Papiermühlen, eine Kunstmühle, eine Eisengießerei, große Schmalzsiedereien, ein Kupferhammer, vier Maschinenfabriken u. s. w. Berühmt ist der welser Zwieback. Der nicht unbeträchtliche Handel erstreckt sich auf Getreide, Holz, Schmalz, Butter, Cier, Geflügel, Pferde, Horn⸗ und Borstenvieh. W. hat den größten Wochenmarkt des Landes. Am rechten Ufer der Traun liegt die Vorstadt Aigen, mit dem ehemals wegen seiner Wasserkunst sehr besuchten Herzogbrunnen. Zur Römerzeit hieß W. Ovilia oder Ovilabis, welches etwa 170 n. Chr. von Marcus Aurelius als Kolonie begründet wurde. Um 477 durch die Heruler zerstört, erhob sich der Ort unter der Herrschaft der Bayern bald wieder und erhielt eins der ältesten Stadtrechte in Deutschland. Nachdem W. längere Zeit den Bischöfen von Würzburg gehört, kam es unter Leopold dem Glorreichen an die Babenberger.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 542Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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