FeedWelti (Emil)
GeschichteBrockhaus 1882

Welti (Emil), schweiz. Staatsmann, geb. 1825 zu Zurzach im Kanton Aargau, studierte nach Absolvierung des Gymnasiums in Aarau zu Berlin und Jena Jurisprudenz, ließ sich 1847 in seiner Heimat als Advokat nieder und wurde 1856 zum Präsidenten des Bezirksgerichts Zurzach und gleich darauf in die aargauische Regierung gewählt, in welcher er 1856—1866 anfangs dem Justizdepartement, später dem Erziehungswesen vorstand. Von 1857 bis 1866 gehörte W. als Mitglied des Ständerates, dem er 1860 und 1866 präsidierte, der eidgenössischen Bundesversammlung an und wurde von dieser im Dez. 1866 in den Bundesrat gewählt, in welchem er früher vornehmlich das Militärwesen, später das Post- und Eisenbahnwesen übernahm, dem er noch jetzt vorsteht, und 1869, 1872, 1876, 1880 und 1884 als Bundespräsident das polit. Departement leitete. Die Reorganisation des schweiz. Wehrwesens auf Grundlage der Bundesverfassung von 1874 ist wesentlich W.s Werk. Auch an der Begründung der St. Gotthardbahn durch den Staatsvertrag vom 15. Sept. 1869, sowie an der Rekonstruktion der gefährdeten Gotthardunternehmung 1878 nahm er in hervorragender Weise teil. W. ist ein Staatsmann von großem organisatorischen Talent und weitem Blick, ein scharfer Denker und schlagfertiger Redner, der nicht sowohl durch oratorisches Feuerwerk blendet, als durch die Wärme der eigenen Überzeugung, die Klarheit der Argumentation und das Gewicht der Gründe überzeugt, und genießt seiner Unparteilichkeit und strengen Rechtlichkeit wegen, wie kaum ein anderer, das Zutrauen aller schweiz. Parteien.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 544Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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