Wenden (lettisch Zehsis, estnisch Wennolin), Kreisstadt im russ. Gouvernement Livland, 5,5 kKm von der livländ. Aa entfernt. Die ehemalige Burg W. wurde 1204 von den Deutschen Schwertrittern erobert, 1224 vom livländ. Ordensmeister Volquin von Winterstädt durch eine neue gewaltige Steinburg ersetzt. Seit der Vereinigung der livländ. Schwertritter mit dem Deutschen Orden in Preußen 1238 zur Residenz der Ordensmeister von Livland. erhoben, blieb W. über 300 J. der Hauptsitz des deutsch-livländischen Ordensstaates. Auch die seit 1240 existierende Stadt W. wurde später mit einer Festungsmauer und Türmen umgeben. Seit der Auflösung des livländischen Ordensstaates 1562 polnisch, wurde W. bereits 1577 von Iwan Großni und dem russ. Schattenkönig von Livland, Herzog Magnus von Holstein, belagert und erobert, wobei die Verteidiger sich selbst mit der Burg in die Luft sprengten. Von den Russen verlassen, wurde W. 1582 ein kath. Bistum Polens, bis es 1622 Gustav Adolf von Schweden eroberte. Seit 1710 ist W. russisch. Außer der großartigen Schloßruine hat W. die seit 1281 erbaute St. Johanniskirche mit dem Grabmal W. von Plettenbergs, der hier 1535 starb, und zählt (1881) 4300 C., welche Handel mit Flachs und Getreide treiben. Bei W. liegt das livländ. Landesgymnasium zu Birkenruh. Vender., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Georg Wilhelm Franz Wenderoth, geb. 1774 zu Marburg, gest. 1861 daselbst als Professor der Botanik.