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GeschichteBrockhaus 1882

Werder (Aug. Karl Friedr. Wilh. Leop., Graf von), preuß. General der Infanterie z. D., namentlich berühmt durch die Einnahme von Straßburg wie durch den heldenmütigen Widerstand, welchen er der franz. Ostarmee unter Bourbaki am 15., 16. und 17. Jan. 1871 an der Lisaine (s. d.) leistete und dadurch den Entsatz von Belfort verhinderte. W. stammt aus einer seit Vertreibung der Wenden zwischen der Elbe und der Havel ansässigen, urkundlich bis in das 14. Jahrh. zurückzuführenden altadeligen und stiftsfähigen Familie und wurde 12. Sept. 1808 zu Schloßberg bei Norkitten in Ostpreußen geboren, wo das Dragoner—⸗ regiment, bei welchem sein Vater, Hans Christoph von W. (gest. 1837 zu Glogau als Generallieutenant a. D.), damals stand, seit 1807 in Kantonnierungen lag. Teils durch Privatunterricht im väterlichen Hause, teils als Zögling der damaligen Divisionsschule zu Glogau für den Militärdienst vorbereitet, trat W. 14. Juni 1825 in das Regiment der Gardes du Corps, wurde aber bei seiner. Beförderung zum Offzier 14. März 1826 zum 1. Garderegiment zu Fuß versetzt. W. besuchte 1833—36 die Allgemeine Kriegsschule in Berlin, wurde 1839/¾40 als Lehrer zum Kadettenkorps in Berlin, 1840/41 zum Topographischen Bureau kommandiert und nahm als Premierlieutenant 1842/43 am russ. Feldzuge im Kaukasus teil. W. besuchte dann Tiflis, Kertsch und die russ. Küstenbefestigungen und wurde 24. Juli 1843 in einem Gefecht zwischen Kosaken und Tschetschenzen bei dem Festungsbau am Flusse Kefar am linken Oberarm schwer verwundet, entging jedoch der Amputation und fand Heilung in den Bädern zu Pjätigorsk und Teplitz. Am 17. März 1846 wurde W. als Hauptmann in den Großen Generalstab und kurz darauf in den Generalstab des 1. Armeekorps, Aug. 1818 zum 1. Infanterieregiment und März 1851 als Major zum 33. Infanterieregiment versetzt, 1853 zum Kommandeur des Landwehrbataillons Gräfrath ernannt und Febr. 1856 Kommandeur des 4. Jägerbataillons in Sangerhausen, dort 1856 Oberstlieutenant und im Sept. 1857 Kommandeur des Fäsilierbataillons im 2. Garderegiment zu Fuß. Am 22. Mai 1858 wurde W. mit der Führung der Geschäfte der Inspektion der Jäger und Schützen, sowie des Kommandos des reitenden Dberuen und betraut und 31. Mai 1859 zum Obersten und Inspekteur der Jäger und Schützen, im Jan. 1863 zum Kommandeur der 8. Infanteriebrigade und 17. März desselben Jahres zum Generalmajor ernannt, aber im Jan. 1864 als Kommandeur der 4. Garde-Infanteriebrigade nach Berlin versetzt. Im Mai 1865 wurde er mit der Jahr das der 3. Division in Stettin beauftragt, ein jahr danach zum Kommandeur dieser Division und 8. Juni zum Generallieutenant ernannt. Während des Deutschen Kriegs von 1866 nahm W. an der Spitze der 3. Infanteriedivision besondern Anteil an den Tagen von 8 Miug durch Zurückwerfung des österr. Generals Ringelheim auf die Rückzugslinie des Grafen Clam-Gallas, und von Königgrätz. W. erhielt den Orden pour le méêrite und trat nach der Demobilmachung wieder in seine frühere Stellung zurück. Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871 gehörte W. zunächst dem Stabe des Kronprinzen von Preußen an, befehligte bei Wörth das bad.⸗württemb. Armeekorps, sowie seit 15. Aug. das Belagerungslorps vor Straßburg (s. d.) und wurde 27. Sept., am Tage der Kapitulation dieser Festung, zum General der Infanterie befördert. Es folgten nun die Kämpfe in den Vogesen, am Oignon (s. d.), bei Dijon (s. d.) und Nuits (s. d.), in denen W. an der Spitze des aus preuß. Truppen (meist Landwehr) und der bad. Division gebildeten 14. Armeekorps die Garibaldischen Scharen, das Korps des Generals Cremer und das Gambettasche Massenaufgebot des Südens während der Monate Okt., Nov. und Dez. 1870 von der Ausführung ihrer Absichten gegen Nancy und das belagerte Belfort zurückhielt. Als dann Bourbaki (s. d.) Anfang Jan. 1871 mit vier neugeschaffenen Korps von insgesamt gegen 150000 Mann zum Entsatze von Belfort vorrückte, versammelte W. seine ungefähr 43000 Mann in der Gegend von Vesoul, lieferte 9. Jan., den Bourbakischen linken Flügel durchbrechend, das Treffen von Villersexel (f. d.) und vom 15. bis 17. Jan. die denkwürdige siegreiche Verteidigungsschlacht vor Belfort. (S. Héricourt.) Das Eichenlaub zum Orden pour le mérite, das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Schwertern, viele andere Auszeichnungen, sowie ein in den ehrendsten Ausdrücken abgefaßtes Handschreiben des Kaisers Wilhelm wurden für diesen Sieg General W. zuteil. Am 22. März 1871 verlieh ihm der Kaiser das Großkreuz des Eisernen Kreuzes. Nach der Rückkehr der bad. Truppen erhielt W. das Generalkommando über das neuformierte, hauptsächlich von dem Großherzogtum Baden zu stellende 14. Armeekorps (in Karlsruhe), wurde Chef des 4. Rheinischen Infanterieregiments Nr. 30, Ehrenbürger von Karlsruhe, Stettin, Gräfrath, Amveh i. Br., Ehrendoktor der Philosophie der Universität Freiburg und bekam viele Ehrengeschenke (Ehrendegen, silbernen Helm, silbernen Schild etc.). In Freiburg ward ihm und seinen tapfern Truppen 3. Okt. 1876 ein Denkmal gesetzt; auch verlieh der Kaiser 1. Sept. 1873 dem Fort IX. bei 15 be Gel den Namen Fort und 12. Sept. 1875 bei Gelegenheit des 50jährigen Dienstjubiläums dem General den Schwarzen Adlerorden. Auch das 4. Rheinische Infanterieregiment Nr. 30 ehrte bei diesem Anlaß seinen Chef durch Errichtung einer Stiftung für langgediente Unteroffiziere Werder-Stiftung). Im April 1879 wurde W. unter Erhebung in den Grafenstand und Belassung als Chef des 4. Rheinischen Infanterieregiments zur Disposition gestellt und lebt seitdem auf seinen Gütern. Vgl. Löhlein, »Feldzug 1870/71. Die Operationen des Korps des Generals von W. nach den Akten des Generalstabes dargestellte (Berl. 1874); Höcker, »General von W., der Verteidiger Süddeutschlandse (Bielef. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 554Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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