FeedWrangel (Friedr. Heinr. Ernst, Graf)
GeschichteBrockhaus 1882

Wrangel (Friedr. Heinr. Ernst, Graf), preuß. Generalfeldmarschall, geb. 13. April 1784 zu Stettin, trat 1796 als Fahnenjunker in ein Dragonerregiment und wurde 1798 Lieutenant. Er nahm an dem Feldzuge von 1807 teil und erwarb bei Heilsberg, wo er schwer verwundet wurde, den Orden pour Jo mérite. Nach dem Frieden von Tilsit wurde er im jetzigen ostpreuß. Kükassierregiment 1808 Premierlieutenant, 1809 Stabsrittmeister, 1811 Schwadronschef. Im Kriege von 1813 zeichnete sich W. besonders bei Hainau, Liebertwolkwitz und Leipzig aus und wurde zum Major befördert. Im J. 1814 wohnte er anfangs der Einschließung von Luxemburg, dann aber den Gefechten im Februar bei, wo er auf dem Rückzuge nach Etoges, auch später bei Laon und Sezanne sein Regiment vortrefflich führte, sodaß er im April 1814 zum Oberstlieutenant und Kommandeur des 2. westpreuß. Dragonerregiments ernannt wurde. Am Feldzuge von 1815 nahm W. nicht teil, wurde jedoch 1815 zum Obersten, 1821 zum Kommandeur der 10. Kavalleriebrigade, 1823 zum Generalmajor und 1834 zum Kommandeur der 13. Division in Münster befördert. Hier dämpfte er 1837 die Unruhen, welche die Wirren mit dem Erzbischof von Köln erzeugt hatten. Im J. 1838 wurde er zum Generallieutenant und 1839 zum kommandierenden General des 1. Armeekorps in Königsberg ernannt. Im J. 1842 erhielt er das Generalkommando des 2. Armeekorps in Stettin. Im Herbst 1843 leitete er die Übungen des bei Berlin zusammengezogenen Kavalleriekorps und war 1845 Vorsitzender der Kommission zur Bearbeitung eines Exerzierreglements für die Kavallerie. Im J. 1845 wurde W. Chef des 3. Kürassierregiments. Im deutsch-dän. Kriege von 1848 erhielt W. 20. April das Oberkommando der Bundestruppen in Schleswig-Holstein und wurde General der Kavallerie. Er siegte 23. April bei Schleswig und drang in Jütland ein. Aber schon 8. Sept. legte er den Oberbefehl nieder, um 15. Sept. den in den Marken zu übernehmen. Am 9. Nov. rückte er mit den bei Berlin versammelten Truppen in die Hauptstadt ein, verhängte den Belagerungs-Bautpe und stellte die Autorität der Regierung ohne lutvergießen wieder her. Das Generalkommando des 3. Armeekorps wurde ihm 1849 übertragen. Im J. 1856, bei seinem 60jährigen Dienstiubiläum, ernannte ihn der König zum Generalfeldmarschall und 15. Dez. 1863 zum Oberbefehlshaber des gegen Dänemark bestimmten Heers, dessen Operationen er bis nach Erstürmung der Düppeler Schanzen leitete. Dann legte er denselben wegen seines hohen Alters nieder und wurde 18. Mai 1864 in den erblichen Grafenstand erhoben. Er wohnte noch, ohne ein Kommando zu führen, dem Deutschen Kriege von 1866 in Böhmen bei. Am Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 nahm er nicht mehr teil. W. starb 1. Nov. 1877 zu Berlin und wurde 6. Nov. zu Stettin beigesetzt. Sein Denkmal auf dem Leipziger Platze in Berlin, gegenüber der Statue des Grafen Brandenburg, wurde 1. Nov. 1880 enthüllt. Vgl. Brunckow, «Generalfeldmarschall Graf W.» (Berl. 1876); Meerheimb, „Graf von W.v (Berl. 1877); Maltitz, «Lebensgeschichte des preuß. Generalfeldmarschalls Grafen von W.» (Berl. 1884). Von seiner Nachkommenschaft überlebte den greisen Feldmarschall nur ein Enkel, Graf Gustav W., geb. 21. Okt. 1847, welcher im diplomatischen Dienst des Deutschen 1643 den Zug nach Holstein mit. Hier erhielt er nach dem Tode des Admirals Flemming den Oberbefehl über die schwed. Flotte, mit welcher er die dänische 13. Okt. 1644 bei der Insel Femarn schlug. Nachher befehligte er ein Korps in Holstein und Schleswig, bis der Friede zu Brömsebro 23. Aug. 1645 diesen Krieg endigte. Sodann ging W., nachdem er zuvor in den Grafenstand erhoben worden, wieder nach Deutschland, wo ihm, als Torstenson 1646 zurücktrat, der Oberbefehl übertragen wurde. Bald nachher vereinigte er sich mit der franz. Armee unter Turenne, und beide zwangen den Kurfürsten von Bayern, den Waffenstillstand zu Ulm 14. März 1647 einzugehen. Dann zog er nach Franken und Böhmen, wo er Eger eroberte. Als die schwed. und franz. Armee sich wieder getrennt, trat der Kurfürst von Bayern von dem Waffenstillstande zurück. Beide Heere vereinigten sich nun und schlugen 17. Mai 1648 bei Zusmarshausen die vereinte kaiserl. und bayr. Armee. W. besetzte Bayern und behandelte das Land sehr hart bis zum Frieden. Als Karl Gustav den Thron bestiegen, begleitete W. diesen 1655 auf dem Zuge nach Polen und wohnte der dreitägigen Schlacht bei Warschau (18. bis 20. Juli 1656) bei. Im Kriege gegen Dänemark belagerte er die Festung Kronburg, die sich ihm 6. Sept. 1658 Srdab. Hierauf wurde ihm der Oberbefehl über die schwed. Flotte übertragen, die Kopenhagen angreifen sollte; allein die Dänen hatten Zeit gehabt, die Hauptstadt in Verteidigungszustand zu setzen, und eine holländ. Flotte kam zum Entsatz heran. Ungeachtet W. über diese 29. Okt. 1658 einen Vorteil gewann, mußte er doch den Angriff auf Kopenhagen aufgeben. Dagegen vereitelte er 1659 die von den Dänen auf der eroberten Insel Fünen versuchte Landung. Als Ludwig XIV. 1674 einen Krieg gegen das Deutsche Reich begann, trat Schweden auf die Seite Frankreichs und griff im tovember unerwartet das Gebiet des Kurfürsten von Brandenburg an, der, darauf nicht vorbereitet, mit seiner ganzen Macht gegen die Franzosen am Rhein stand. W. befehligte das 16 000 Mann starke schwed. Heer, welches in das Brandenburgische einfiel; doch erkrankte er bald. So konnte der Kurfürst durch die Siege bei Rathenow und Fehrbellin die Schweden zur Räumung des Landes zwingen. W. legte hierauf seine Stelle nieder und starb 24. Juni 1676 auf seinem Gut in Rügen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 760Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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