FeedWittich (Friedr. Wilh. Ludw. von)
GeschichteBrockhaus 1882

Wittich (Friedr. Wilh. Ludw. von), preuß. Generallieutenant, geb. 15. Okt. 1818 zu Münster in Westfalen, besuchte 1830—32 das Collegium Fri⸗- dericianum zu Königsberg, 1832—35 das Kadettenhaus zu Berlin, aus welchem er als Offizier zum 1. Infanterieregiment trat. Von 1840 bis 1843 wurde W. zur Allgemeinen Kriegsschule in Berlin kommandiert und wurde bis zum J. 1850 in verschiedenen Adjutantenstellungen, zuletzt als Generalstabsoffizier der mobilen 1. Kavalleriedivision verwendet. Im Juni 1852 zum Hauptmann befördert und im Okt. desselben Jahres in die Adjutantur versetzt, wurde er nach Auflösung dieses Korps 1853 in das 20., 1856 in das 34. Infanterieregiment versetzt, aber schon im folgenden Jahre unter Beförderung zum Major dem Generalstabe überwiesen und zur 9. Division kommandiert. W. wurde 1861 Oberstlieutenant, war in den folgenden Jahren Chef des Generalstabes zuerst des 2., dann des 5. Armeekorps und als solcher 1866 bei Nachod, Skalitz, Schweinschädel, Gradlitz und bei Königgrätz thätig. Nach dem Frieden befehligte W. die 5. Infanteriebrigade in Stettin, wurde 1868 Generalmajor und Brigadekommandeur in Darmstadt. Im J. 1870 führte W. die 49. Infanteriebrigade bei Mars-la-Tour, Gravelotte und Noisseville und während der Einschließung von Metz und erhielt 27. Sept. das Kommando der 22. Infanteriedivision. Mit dieser nahm er vom 3. bis 6. Okt. an der Einschließung von Paris teil, zog dann mit dem 1. bayr. Korps unter General von der Tann nach der Loire, kämpfte 10. Okt. bei Artenay, 11. Okt. bei Orleéans, erstürmte 18. Okt. Chateaudun, besetzte 21. Okt. Chartres, nahm dann teil an den Schlachten von Loigny (2. Dez.), Orleans (3. und 4. Dez.), Beaugency (S. bis 10. Dez.) in der Armeeabteilung des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, auch trug er schließlich wesentlich zu den Siegen von Le Mans (19. bis 12. Jan. 1871) und Alengon (15. Jan.) bei. Auf dem Marsche von dort Ende Jan. 1871 erkrankte W. an den Blattern, übernahm Ende Februar seine mittlerweile in Versailles eingerückte Division wieder, zog 1. März mit 4 Bataillonen derselben mit in Paris ein und kehrte 3. März nach Versailles zurück. Am 13. März besetzte er die pariser Forts Romainville, Noisy und Rosny. Nachdem W. 23. Mai 1871 zum Kommandeur der 22. Division ernannt und 18. Aug. zum Generallieutenant befördert worden war, kehrte er Ende September nach Kassel zurück, wurde aber im März 1872 zur übernahme des Kommandos der 31. Division nach Straßburg versetzt und nahm 1873 seinen Abschied. Seine Beteiligung am Deutsch-Französischen Kriege schilderte W. in Aus meinem Tagebuche 1870—71 (Kass. 1872). Er starb zu Anfang Oktober 1884 in Siede.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 710Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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