Werner (Reinhold), deutscher Seemann, geb. 10. Mai 1825 zu Weferlingen, einem Flecken in der Nähe von Magdeburg, besuchte die Gymnasien zu Magdeburg und Helmstedt, K aber 1842, seiner Neigung für das Seeleben folgend, nach Hamburg, wo er seine seemännische Laufbahn auf einem Handelsschiff begann. Nachdem er Anfang 1849 von seiner siebenten Reise nach Ostindien als Obersteuermann zurückgekehrt, trat er als Auxiliarofsizier in die inzwischen neubegründete deutsche Marine, in welcher er bis zu deren Auflösung im Mai 1852 diente. W. ging hierauf als Lieutenant zur See in preuß. Dienste über, wurde 1856 zum Kapitänlieutenant befördert und machte als solcher in der Eigenschaft als Kommandant des Transportschiffs Elbe die ostasiat. Expedition (1859—62) mit. Im J. 1868 erhielt er das Kommando der Fregatte Gefion, welche als Artillerieschulschiff eingerichtet ward. Bei Ausbruch des Deutsch-Dänischen Kriegs von 1864 wurde die Gefion außer Dienst gestellt und W. das Kommando der Dampfkorvette Nymphe übertragen, mit welcher er an dem Gefecht bei Jasmund rühmlichen Anteil nahm. Bald darauf avancierte er zum Korvettenkapitän. Während des folgenden Jahres befehligte er wieder das Artillerieschulschiff. Bei Ausbruch des Deutschen Kriegs von 1866 wurde W. zum Kommandanten des Panzerschiffs Arminius ernannt, mit welchem er nach der Nordsee abging und in Gemeinschaft mit fünf Kanonenbooten die hannov. Befestigungen an der Elbe, Weser und Ems einnahm. Nach Beendigung des Kriegs erhielt W. eine Sendung nach England und Frankreich, um die dortigen Kriegshäfen zu besuchen. In den I. 1867—69 wirkte er als Oberwerftdirektor in Danzig. Dann erhielt er das Kommando der Panzerfregatte Kronprinz und wurde zum Kapitän zur See befördert. Er behielt dies Schiff bis zum Herbst 1871 und wurde dann Kommandant des Artillerieschulschiffs Renown in Wilhelmshaven. Im Okt. 1872 wurde er zum Chef eines aus der Panzerfregatte Friedrich Karl, der gedeckten Korvette Elisabeth und dem Aviso Albatroß bestehenden Geschwaders ernannt und damit zunächst nach Westindien geschickt, wo sich die beiden bereits dort befindlichen gedeckten Korvetten Vineta und Gazelle dem Geschwader anschlossen und bis zum April 1873 verblieben. Die anfangs bestehende Absicht der Admiralität, das Geschwäder um die Erde zu schicken, wurde durch die in Spanien ausgebrochenen Unruhen geändert, W. zurückgerufen und mit den Schiffen Friedrich Karl, Elisabeth und dem Kanonenboot elphin zum Schutz der Deutschen an die span. Küste entsandt. Hier nahm W. 25. Juli 1873 das von den Intransigenten geraubte Kanonenboot Vigilante, weil dasselbe unter roter Flagge fuhr und piratische Akte an der Küste beging. Dann blockierte er den Hafen von Cartagena, in dessen Besitz sich die Intransigenten gesetzt, und gestattete dem General Contreras das Auslaufen mit Kriegsschiffen nur, als dieser versprochen hatte „keinen Deutschen zu schädigen, resp. nicht gegen internationales Recht zu verstoßen. Als Contreras trotzdem 30. Juli die ossene Stadt Almeria behuss Gelderpressung bombardierte und 1. Aug. zu demselben Zwecke mit der Panzerfregatte Victoria und der Holzfregatte Almansa nach Malaga kam, wodurch 200 dort lebende Deutsche gefährdet wurden, nahm W. im Verein mit der engl. Panzerfregatte Swiftsure beide Schiffe fort, eskortierte sie nach Cartagena, entwaffnete ihre 1400 Mann starke Besatzung und schickte sie ans Land, während die Schiffe unter Bewachung der Deutschen und Engländer blieben und Contreras bis zum Eintreffen neuer Befehle von der deutschen Reichsregierung als Geisel auf dem Friedrich Karl Matlanteal wurde. (Vgl. Tecklenborg, Der Vigilante-Fallo, Kiel 1873.) W.s Verhalten fand nicht die Zustimmung des Fürsten Bismarck, und er wurde von seinem Posten als Geschwaderchef abberufen, um wegen Überschreitung seiner Befugnisse vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden, das ihn jedoch Werftdireh sreiprach. Er wurde dann zum Oberwerftdirektor in Zilhelmshaven und Anfang 1875 zum Kontreadmiral und Chef der Marinestation der Ostsee ernannt. In dieser Stellung verblieb er bis Okt. 1878 und nahm dann seinen Abschied aus der Marine, um sich in das Privatleben zurückzuziehen. Litterarisch machte sich W. vorteilhaft belannt besonders durch »Die preuß. Expedition nach China, Japan und Siam » (2. Aust. Lpz. 1873), die anonyme Schrift »Die preuß. Marine, ihre Beteiligung am Deutsch-Daänischen Kriege, ihre Bedeutung und Zukunft (Berl. 1864), das instruktive