FeedWartensleben
GeschichteBrockhaus 1882

Wartensleben (Herm. Alex. Wilh., Graf), preuß. General, geb. zu Berlin 17. Okt. 1826, studierte die Rechte in Berlin und Heidelberg, trat aber 1850 als Sekondelieutenant in das 7. Kürassierregiment und wurde gegen Ende desselben Jahres Adjutant bei der mobilen 16. Division. Er besuchte 1853—56 die Allgemeine Kriegsschule in Berlin, war dann Regimentsadjutant und wurde 1857 in das topographische Bureau kommandiert. Im Febr. 1858 wurde W. als Premierlieutenant in den Großen Generalstab versetzt, im Juli zum Hauptmann befördert, im Jan. 1860 dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen zur Dienstleistung zugewiesen und im Dezember zum Generalstabsoffizier der 1. Gardedivision ernannt. Im folgenden Jahre war W. vom Februar bis Oktober in Frankfurt a. M. und nahm dort an den Arbeiten der Bundes-Militärkommission über militärische Benutzung der Eisenbahnen teil. Im Nov. 1861 trat W. als Major und Schwadronschef in das Zieten-Husarenregiment Nr. 3 und im März 1863 in den Großen Generalstab zurück, wo er als Lehrer an der Kriegsakademie wirkte. Am dänischen Feldzuge 1864 nahm W. vom 16. April ab teil, zunächst als Generalstabsoffizier der Kavalleriedivision in Jutland, später als Stabschef des 2. mobilen Korps, und blieb dann bis April 1866 in Kiel, beziehungsweise Schleswig im Generalstabe des Oberkommandos der Truppen in den Elbherzogtümern. Den Bauptg gegen Österreich machte W. im Großen auptquartier mit und wohnte der Schlacht bei Königgrätz bei, wurde nach dem Friedensschlusse Oberstlieutenant und Abteilungschef im Großen Generalstabe, im Juni 1869 Oberst, im Dezember Kommandeur des Dragonerregiments Nr. 12, trat aber bei der Mobilmachung 1870 als Oberquartiermeister der 1. Armee wieder in den Generalstab. In dieser Stellung nahm er dann an den Schlachten bei Spicheren, Colombey⸗-Nouilly und Gravelotte, der Einschließung von Metz, den Schlachten bei Amiens und an der Hallue teil, wurde dann als Stabschef der neugebildeten Südarmee zugeteilt und wohnte dem Gefecht bei Pontarlier bei, durch welches die franz. Nachhut auf neutrales Gebiet gedrängt wurde. W. empfing das Eiserne Kreuz 1. Klasse und den Orden pour le mérite, trat nach der Beendigung des Kriegs als Abteilungschef in den Großen Generalstab zurück, wurde Mitglied der Studienkommission der Kriegsakademie, 1872 Brigadekommandeur, übernahm im Juli die Leitung der kriegsgeschichtlichen Abteilung und damit die Redaction des Generalstabswerks über den Deutsch-Französischen Krieg. Im Juli 1873 wurde W. unter Belassung in dieser Thätigkeit und Stellung à la suite des Generalstabes dem Chef des Generalstabes der Armee zur Verfügung gestellt, im September zum Generalmajor ernannt und im November 1875 von der Leitung der kriegsgeschichtlichen Abteilung entbunden. Im Juli 1878 schied W. auch aus dem Dienstverhältnis zum Chef des Generalstabes der Armee und wurde Kommandant von Berlin, gleichzeitig aber mit Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs der Landgendarmerie betraut. Er wurde 1879 zum Generallieutenant befördert, 1880 Kommandeur der 17. Division zu Schwerin und übernahm im Aug. 1884 die Führung des 3. Armeekorps, zu dessen kommandierenden General er 14. Okt. desselben —7 ernannt wurde. Auch litterarisch ist W., abgesehen von seiner Mitwirkung bei der Herausgabe des Generalstabswerks über den Deutsch-⸗Französischen Krieg 1870 und 1871, thätig gewesen; er schrieb unter anderm: „Die Operationen der Südarmee im Jan. und Febr. 18712 (2. Aufl., Berl. 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 451Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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