Westminster-Abtei, die St. Peters-Kollegiatkirche in London, hat ihren Namen von dem Stadtteile Westminster, in dem sie liegt. Sie gehörte zu einem noch in Resten vorhandenen Kloster, das von Sebert, König der Westsachsen, zu Anfang des 7. Jahrh. gegründet, von den Dänen zerstört und von König Edgar 958 erneuert wurde. Eduard der Bekenner baute die Kirche kurz vor seinem Tode um. Heinrich III. ließ dieselbe wieder abtragen und gab ihr, mit seinen nächsten Nachfolgern, ihre jetzige Gestalt. Nur die beiden schönen Türme und der westl. Eingang wurden noch im 18. Jahrh. von Christopher Wren errichtet. Heinrich VIII. verwandelte bei der Reformation das Kloster in ein Kollegiatstift, später in die Kathedrale der Grafschaft Middleser. Schon dessen Nachfolger, Eduard VI., löste dieses Bistum auf und stellte das Stift wieder her. Unter der Königin Maria wurde die Anstalt in ein Kloster umgeformt; ihre Nachfolgerin Elisabeth vereinigte das Kollegiatstift mit einer Erziehungsanstalt für Knaben. Die Kirche ist in Kreuzform erbaut; an ihre Südseite stoßen die Reste der alten Klostergebäude. Wiewohl das schwerfällige Außere der Kirche keinen Totaleindruck gestattet, gewährt doch das Innere, namentlich vom westl. Eingange aus, den erhabenen Eindruck eines Meisterwerks der got. Baukunst. Freilich wird auch der freie Blick im Innern durch Holzverschläge, Gitterwerk und Nebenbauten zum Teil gehindert. Das 31 m hohe Gewölbe ist von kühnen Pfeilern getragen. Die Kirche ist 156 mlang, im Kreuze 61, im Schiffe 22 mbreit. In dem schönen Chor werden seit uralten Zeiten die Könige von England gekrönt. Die Kirche umfaßt viele Kapellen, darunter die Eduards des Bekenners, Heinrichs III. und Heinrichs VII. Die letztere enthält das Grabmal dieses Königs und seiner Familie, ist in einem reichen, fast überladenen Stil von dem Florentiner Pietro Torregiano erbaut und wurde 1809—23 mit großem Kostenaufwand restauriert. Die Königin Clisabeth und ihre Nebenbuhlerin, Maria Stuart, sowie andere histor. Personen haben in den verschiedenen Kapellen Monumente. Im südl. Kreuzflügel befinden sich die Grab- und Denkmäler vieler Dichter und Gelehrten, weshalb man diesen Ort den Poetenwinkel (Poet's corner) nennt. Der nördl. Flügel ist die Ruhestätte ausgezeichneter Männer, die sich um den Staat und das öffentliche Wohl verdient gemacht haben. Die meisten der Kunstwerke, mit denen ein Teil der Grabmäler geziert ist, haben keinen oder nur geringen ästhetischen Wert: doch findet man auch einige schöne Arbeiten von Roubillac, Rysbrach, Nollekens, Chantrey und Flaxman. Die Ehre, in der W. beraben zu werden, hängt übrigens noch von der Eregung einer hohen Summe ab. Vgl. Neale, Uistory and antiquities of the Abbey of Westminster, ete.v (Lond. 1818 u. öfter); Brayley, History and antiquities of Westminster Abbeys (Lond. 1856); Stanley, «Historical memorials of the Westminster Abbeys (Lond. 1868).