Westpreußen, preuß. Provinz, gebildet 1. April 1878 aus dem westl. Teil der ehemaligen Provinz Preußen (s. d.), grenzt im W. an Pommern und Brandenburg, im S. an Posen und Polen, im O. an Ostpreußen, im N. an die Ostsee, umfaßt 25505,34 akm mit (1885) 1 407 960 E., zu etwa zwei Dritteln Deutschen und einem Drittel Polen, welche, abgesehen von 24 654 Israeliten und 10297 Mennoniten (meist in der Danziger Niederung wohnend), fast zu gleichen Teilen protestantisch und katholisch sind. W. bildet seiner physischen Beschaffenheit nach einen Teil des von W. nach O. streichenden südbaltischen Küstenplateaus und ist ein aus Hügel⸗ und Flachland bestehender, see⸗ und flußreicher Abschnitt des Norddeutschen Tieflandes, das neben einzelnen moorigen und sandigen Strichen auch große Strecken des fruchtbarsten Bodens enthält, letztern namentlich in den Niederungen der Weichsel. Der höchste Berg ist der Turmberg ben m), der größte Fluß die Weichsel mit ihren Nedenarmen Nogat und Danziger Weichsel. Das Klima ist verhältnismäßig rauh. (Vgl. Karte: Provinzen Ost⸗ und Westpreußen, Bd. XIII, S. 271.) Die Hauptheschäftigung der Bevölkerung ist die Landwirtschaft; die Industrie ist nur in Danzig und Elbing und Umgegend belangreich. Der Handel ist in lahteen beiden Städten sehr bedeutend. Im J. 1882 waren unter den 555763 Erwerbsthätigen der Provinz 53,03 Proz. in der Bodennutzung und Tierzucht, 17,8 Proz. in Industrie und Gewerbe, 6,½1 Proz. in Handel und Verkehr beschäftigt. Zahlreiche Wasserwege (zehn schiffbare und neun flößbare Flüsse, drei Kanäle), die Seehäfen Danzig, Neufahrwasser und Elbing, sowie (1885) 1107 km Eisenbahnen (434m auf dem Quadratkilometer) vermitteln den Handel und Verkehr. Die ausgedehnte Landwirtschaft beruht fast zur Hälfte auf dem Großbetriebe. Von der Gesamtfläche sind 54, Proz. Acker-und Gartenland, 6,5 Proz. Wiesen, 11,9 Proz. Weiden, Hutungen und Odland, 5,2 Proz. Gewässer, Wege u. dgl.; die Waldungen, zu 86,38 Proz. Roggen, Beine, 21 Proz. der Fläche ein. Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Raps und Flachs, auch Tabak sind die wichtigsten Kulturpflanzen. Die Viehzucht erfreut sich sorgfältiger Pflege; 1883 zählte man in W. 202602 Pferde, 454834 Stück Rindvieh, 1349253 Schafe (25 Proz. weniger als 1873), 369 803 Schweine, 57 523 Ziegen, 81397 Bienenstöcke u. s. w. di administrativer Hinsicht zerfällt die Provinz in die Regierungsbezirke Danzig mit 9 und Marienwerder mit 14 Kreisen und zählt 55 Städte, 2059 Landgemeinden und 1412 Gutsbezirke. In den Reichstag sendet W. 13, in das Abgeordnetenhaus 22 Mitglieder; im Herrenhause ist sie durch 12 Mitglieder, darunter 11 auf Präsentation Berufene, vertreten. W. gehört zu den Oberpostdirektionsbezirken Danzig und Hromberg, militärisch teils zum 1., teils zum 2. Armeekorps; in Danzig ist das Kommando der 2. Division. Die kirchl. Angelegenheiten der evang. Kirche verwaltet das 1886 neubegründete Konsistorium zu Danzig; diejenigen der katholischen ressortieren von dem gnesenschen Suffraganbistum Kulm (Sitz in Pelplin). Die Auseinandersetzungs- und Gemeinheitsteilungssachen werden von der Generalkommission zu Bromberg (Rentenbank zu Königsberg), die Angelegenheiten der höhern Schulen vom Schulkollegium in Danzig bearbeitet, woselbst auch der Oberpräsident, das Medizinalkollegium, die Provinzialsteuerdirektion, sowie die durch die Provinzialordnung (s. d.) eordnete Provinzialverwaltung ihren Sitz haben. Die Provinz bildet den Oberlandesgerichtsbezirk Marienwerder, mit Ausschluß des dem posener Bezirke zugewiesenen Kreises Deutsch-Krone, und hat Landgerichte zu Indelen (mit 9 Amtsgerichten und 1 Kammer für Handelssachen), Elbing (mit 8 bezw. 1), Graudenz (mit 5), Konitz (mit 9) und Thorn (mit 9). Handelskammern bestehen zu Danzig, Elbing und Thorn. An Unterrichtsanstalten besitzt die Provinz 13 Gymnasien, 4 Realgymnasien, 6 Progymnasien, 4Realprogymnasien, 6Schullehrerseminare, 2 staatliche Präparandenanstalten, 1 Handelsakademie und 1 Handels⸗ und Gewerbeschule für Mädchen zu Danzig, 1 Landwirtschafts- und 1 Ackerbauschule, 1 landwirtschaftliche Winterschule, 1 Hebammen-Lehranstalt, 1 Navigationsschule, 1 Baugewerkschule, 1 Kunstschule, 1 Unteroffizierschule, 2 Provinzial- und 2 städtische Taubstummen-Anstalten u. s. w. Eine technische Hochschule besteht in der Provinz ebenso wenig wie eine Universität, dagegen ein pädagogisches Seminar für gelehrte Schulen. Das Wappen ist im silbernen Schilde ein schwarzer, goldbewehrter, rotbezungter Adler, dessen Hals mit einer goldenen Krone umgeben ist und zwischen dessen Halse und rechtem Flügel ein geharnischter Rechtarm hervorgeht, welcher ein goldbegrifftes Schwert horizontal über dem Haupte des Adlers schwingt; aus dem gekrönten Helm wächst der ebenbeschriebene Adler hervor. Die Landesfarben sind Schwarz-Weiß-Schwarz. Das Geschichtliche . Preußen (Königreich, Geschichte.. Außer der ebenda (Bd. XIII, S. 293 und 317)genannten Litteratur ist noch zu erwähnen: H. Olrichs, „Der Regierungsbezirk Danzig seit 18165 (Danz. 1866); derselbe, «Statistische Mitteilungen über den Regierungsbezirk Danzig»(Danz. 1863—67); CE. Jacobson, «Topogr.⸗statist. Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder v (Danz. 1868); Lohmeyer, „Geschichte von Ost⸗ und