Witebsk, das nördlichste Gouvernement in West⸗ oder Weißrußland, mit der gleichnamigen Hauptstadt, welches ein Areal von 45 166 akm mit (1886) 1201 224 E. in elf Kreisen umfaßt, kam mit dem Gouvernement Mohilew im J. 1772 von Polen an Rußland und führte 1796 — 1802 mit kohilew vereint den Namen des Gouvernements Weißrußland. Der Boden des Landes ist völlige Ebene, teils aus Thonerde, teils aus Sandschollen bestehend, und an vielen Stellen mit herrlichen Waldungen bedeckt. Zahlreiche Landseen, Flüsse, darunter die Düna, und Moräste bewässern das Land, und die guten Weideplätze haben eine bedeutende Viehzucht hervorgerufen. Ackerbau und Forstkultur bilden indes die Hauptnahrungsquellen der Einwohner. Dieselben sind der Religion nach teils katholisch, teils griechisch und gehören, mit Ausnahme von 86587 Juden, dem poln., lett., großruss. und weißruss. Volksstamme an. Daneben trifft man vereinzelt auch Deutsche und wenige Tataren und Zigeuner. Der städtische und der Landadel besteht fast nur aus Polen. Der durch die Düna und den Beresinakanal begünstigte Handel mit Getreide, Hanf, Lein, Hanfsamen, Masten, Bauholz, Häuten, Talg, Wachs, Honig, Wolle u. s. w. ist fast ganz im Betrieb der Hauptstadt Witebsk. Diese liegt, von Morästen umgeben, auf beiden Seiten der Düna, an den Eisenbahnen Dünaburg-W. und Orel-W., ist mit alten Festungswerken versehen und zählt (1885) 54676 E., darunter sehr viele Juden. Die Stadt hat 29 griech., drei kath. und eine prot. Kirche, ein kaiserl. Schloß, ein Gymnasium, Gerbereien, Tuch-⸗ und andere Fabriken und einen Kaufhof. Berühmt ist der Met von W., der häufig ins Innere Rußlands ausgeführt wird. Die älteste Stadt des Gouvernements und überhaupt von ganz Weißrußland ist Polock (s. d.). Andere durch Handel und Verkehr ausgezeichnete Städte sind Welisch (1885) mit 16372 C., Dünaburg (s. d.) und Newel mit 7310 E. Üüberall werden vielbesuchte Jahrmärkte abgehalten.