FeedWeyprecht (Karl)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Weyprecht (Karl), deutscher Nordpolfahrer, geb. 8. Sept. 1838 zu König bei Michelstadt (Hessen), besuchte die Gewerbeschule in Darmstadt und trat 1856 als Seekadett in die österr. Marine, in welcher er 1868 Schiffslieutenant wurde. In den J. 1869 und 1870 machte er Küstenaufnahmen im Adriatischen Meere, 1870 war er zur Beobachtung der Sonnenfinsternis in Tunis. Im J. 1871 unternahm er mit Payer eine Expedition nach Spitzbergen und Nowaja-Semlja und 1872 — 74 die roße österr.⸗ungar. arktische Expedition, durch die anz-Joseph-Land entdeckt wurde. W. veröffentlichte, außer vielen Aufsätzen in Petermanns Mitteilungend‘ und andern Zeitschriften, Die Metamorphosen des Polareises » (Wien 1878 fg.), „Astronom. und geodätische Bestimmungen der österr.⸗ungar. arktischen Expeditiond (Wien 1877), „Die Nordlichtbeobachtungen der österr. ungar. arktischen Expeditione (Wien 1878), «Praktische Anleitung zur Beobachtung der Polarlichter und der magnetischen Erscheinungen in hohen Breiteno (1881). Im J. 1875 legte er dem Deutschen Naturforschertage den Plan vor, die Nordpolexpeditionen durch eine systematische Erforschung der geophysischen Verhältnisse des Polargebiets zu ersetzen und zu diesem Behuf ein internationales Netz dauernder Beobachtungsstationen in den arktischen Re-Ronen anzulegen, welcher Plan nach W.s Tode Verwirklichung fand. W. erlag am 29. März 1881 zu Michelstadt im Odenwalde einem Lungenleiden. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XVI. Vgl. H. von Littrow, Karl Weyprecht, Erinnerunegen und Briefer (Wien 1881). „Lustspieldichter, geb. 31. Okt. 1747 zu Sonders⸗ „hausen, lebte nach beendigten akademischen Studien eine Zeit lang als Hauslehrer in der Lausitz rund machte dann Reisen nach Berlin, Hamburg, eLondon, Paris und Wien. Hier war er eine Zeit „lang Theaterdichter und in besonderer Gunst bei Joseph II.; bald aber ging er wieder nach Leipzig, wo er sich mit Schriftstellerei beschäftigte. Sein Versuch über die Kenntnis des Menschenv (2 Bde., Lpz. 1784—85) zeugt von Welt⸗ und Menschenkenntnis. Von seinen zahlreichen Romanen sind „Lebensgeschichte Tobias Knauts des Weisenv 4 Bde., Lpz. 1773—76) und „Hermann und Ulrike (4 Bde., Lpz. 1780) die wertvollsten. Seine „Lustspieles (4 Bde., Lpz. 1778—87), in welchen er sich Marivaux zum Vorbilde genommen zu haben schien, gefielen beim Lesen besser als bei der Vorstellung, weil die Dialoge in denselben oft sehr rasch und zu gedrängt waren. Auch bearbeitete er den «Robinsonv», worüber er in lebhafte Streitigkeiten mit Campe geriet, und Cooks «Dritte und letzte Reise:n nach dem Englischen. Seine Schrift KÜüber Sprache, Wissenschaften und Geschmack der Deutschen »(Lpz. 1781) verwickelte ihn in eine litterarische Fehde mit dem Professor Ernst Platner in Leipzig. Seit 1786 verfiel er in gänzliche Geisteszerrüttung, in welcher er sich für einen Gott hielt. In diesem Zustande lebte er in Sondershausen bis zu seinem Tode, der 28. Jan. 1819 erfolgte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 593Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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