Wiener-Reustadt, Stadt im Erzherzogtum Osterreich unter der Enns, 50 km südlich von Wien, liegt an der Fischa, an einem (wenig mehr verwendeten) Schiffahrtskanale, welcher die Stadt mit Wien verbindet. Nach W. laufen von Wien zwei Stränge der Esterreichischen Südbahn (über Mödling-Baden und über Pottendorf), um sich hier abermals (nach Graz-Triest und nach Odenburg-Kanizsa) zu teilen; berdies führt die Wien-Aspanger Eisenbahn über W. Die Stadt bildet mit dem zugehörigen Orte Felirdorf (7 km entfernt), der von dem Bürgermeister Felir Mießl 1823 gegründet wurde, eine autonome Gemeinde mit eigenem Statut, ist der Sitz eines Kreisgerichts, eines Bezirksgerichts und anderer Behörden und zählt (1880) 23 775 C., von denen 1727 auf Felixrdorf. Sie wurde nach dem großen Brande vom 8. Sept. 1834 neu aufgebaut; ihre alten Thore und Mauern sind dem neuen Verschönerungsplane gewichen, doch enthält sie noch viele merkwürdige Gebäude, darunter die alte herzogl., später kaiserl. Burg, in welcher sich gegenwärtig die von der Kaiserin Maria Theresia gestiftete Militärakademie befindet. Außersind zu erwähnen die Pfarrkirche aus dem 13., mit Presbyterium aus dem 15. Jahrh., das Neukloster (ein Cistercienserkloster, gegründet 1444, seit 1880 mit dem Kloster Heiligenkreuz vereinigt, mit einer Bibliothek von mehr als 20 000 Bänden und chönem Museum) und das Rathaus (mit reichem rchiv). Es bestehen daselbst außer der Militärakademie ein Obergymnasium, eine Oberrealschule und Fachschule für Maschinenwesen, eine Lehrerbildungsanstalt (Seminar), eine Gremialfachschule, eine gewerbliche Fortbildungsschule und zahlreiche humane Anstalten und Vereine. Die Bewohner treiben eine vielseitige Industrie (Maschinen⸗,Eisen- und Thonwarenfabriken, große Mühlen, Klenganstalten für Waldsamen, großes Brauhaus u. s. f.) und einen regen Handel (sehr bedeutender Borstenviehmarkt). In der österr. Geschichte nimmt die Stadt einen hervorragenden Platz ein. Von Her-Eublinsan VI. um 1190 gegründet, war sie der ieblingsaufenthaltsort mehrerer Herrscher und der Geburtsort der Kaiser Friedrich IV. und Maximilian J. Letzterer liegt in der Burgkirche zu W. begraben. In der Zeit der Türkenkriege spielte W. wiederholt eine wichtige Rolle, wurde öfter bedroht und 1529 vergeblich belagert. Außer mehrern vereben oft heimgesucht und hat namentlich durch die Erderschütterung vom J. 1768 viel gelitten.