Szegedin, königl. Freistadt und Hauptort des Csongräder Komitats im jenseitigen Theißkreise Ungarns, am Einfluß der schlammbringenden Maros in die Theiß, über welche hier eine Eisenbahn- und eine 1883 erbaute Verkehrsbrücke mit steinernem Unter⸗ und eisernem Oberbau führt, an der Linie Wien-Orsova der Osterreichisch-Ungarischen Staatsbahn, der Linie Großwardein-S. der Ungarischen Staatsbahnen und an der Arad-Csanader Bahn, ist der Sitz eines Gerichtshofs nehst Strafanstalt, einer Finanz⸗, Staats⸗ und Flußbaudirektion und anderer Behörden. Der Ort zerfällt in die eigentliche Stadt und vier Vorflädte und zählt (1880) 73 675 E. Die bedeutendsten Gebäude sind, außer einer Anzahl palastähnlicher Neubauten „die Unterstädter Kirche mit Reliquien, die griech.-orient. und die Innerstädtische Pfarrkirche, sowie das imposante Oberrealschulgebäude. S. hat sieben große Plätze, darunter den schönen Szechenyiplatz und einen schönen Theißkai. Es befinden sich hier Klöster der Piaristen, Minoriten und Franziskaner, ein 1886 erbautes Obergymnasium, eine Oberreal⸗, , Gewerbe⸗ und Handelsschule, ein Theater, eine öffentliche Bibliothek, eine große Kaserne, ein rmenhospital, eine Kinderbewahranstalt u. . w. Die Stadt hat ziemlichen Gewerbebetrieb, bedeutende Seifensiedereien, welche die leichte und schöne Szegediner Seife liefern, und verschiedene andere Fabriken; ferner werden viele Tuche und Zischmen (eng anliegende Stiefel) verfertigt; sehr bedeutend ist die Produktion der Paprika und der Tarhonya (edörrte Mehlspeise). Außerdem befindet sich zu S. die Hauptschiffswerfte für die Theißschiffe. Die Stadt hat ein Territorium von 867 ꝗkm, worauf neun bevölkerte Pußten und zahlreiche Meierelen (Tanyen) sich befinden. S. trägt noch immer den harakter einer unfertigen, weil zu weitläufig angelegten Stadt an sich, hat aber seit der Katastrophe von 1879 den Charakter einer Großstadt angenommen. Die Bewohner sind fast ausschließlich Maharen und Katholiken. S. war ehedem eine starke estung, welche nach 1879 geschleift wurde; hier wurde 1444 durch König Wladislaw I. ein Reichstag abgehalten; 1541 fiel die Stadt in die Hände der Türken, die sie neu befestigten und bis 1686 im Besitz hatten. Im J. 1715 wurde S. von neuem zur königl. Freisadt erhoben; 1849 flüchtete in der ersten Hälfte Juli die revolutionäre ungar. Regierung und ihr Landtag hierher; am 2. Aug. derselben Jahres hielt Haynau seinen Einzug und vertrieb drei Tage später die bei Szöreg verschanzten Honveds. In der Nacht vom 11. März 1879 wurde die Stadt eine Beute der überflutenden Theiß; die meisten Häuser stürzten ein, viele hundert Menschen verloren ihr Leben. Doch waren bis Mitte 1883 wieder 3485 Häuser mit einem Kostenaufwand von etwa 16 Mill. Gulden aufgebaut worden.