FeedWilbrandt (Adolf)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Wilbrandt (Adolf), namhafter dramatischer Dichter und Schriftsteller, geb. zu Rostock 24. Aug. 1837 als Sohn des Professors der AÄsthetik und Litteratur an der dortigen Universität, Christian W., absolvierte daselbst das Gymnasium, studierte erst Rechtswissenschaft, später Philosophie, Kunstwissenschaft und Geschichte zu Rostock, Berlin und München und fungierte dann 1859—61 als Mitredacteur der «Süddeutschen Zeitunge in München. In der folgenden Zeit lebte er als Schriftsteller abwechselnd in Berlin, Rostock, Frankfurt a. M. und München, machte auch Reisen durch Südfrankreich und Italien. Seit 1871 hat er seinen Aufenthalt in Wien genommen, wo er sich im Juni 1873 mit der beliebten Hofschauspielerin Auguste Baudius (geb. in Zwickau 1. Juni 1845, seit 1861 am Hofburgtheater besonders im feinern Lustspiel thätig und seit 1877 pensioniert) vermählte. Im J. 1881 wurde er zum Direktor des Hofburgtheaters ernannt. Von W.s ersten litterarischen Arbeiten ist die treffliche Biographie «Heinrich von Kleisto (Rördl. 1863) und der Roman Menschen und Geisterd (Nördl. 1864) zu nennen. Hierauf wandte er sich wesentlich der dramatischen Produktion zu, als deren Früchte zu erwähnen sind das Drama „Der Graf von Hammersteino (Berl. 1870) und die Lustspiele Unerreichbarv (Berl. 1870), «Jugendliebes (Wien 1872), Die Malerb (Wien 1872) und «„Ein Kampf ums Dasein» (Wien 1874). Einen höhern dramatischen Stil zeigt er in den Tragödien „Gracchus der Volkstribun (Wien 1872), Arria (Wien 1874), Nerop (Wien 1876), (Kriemhildv (Wien 1877), «Robert Kerre(Wien 1880)und in den Schauspielen Ratalier (1878), Auf den Bretterno (1878), «Die Tochter des Herrn Fabriciuso (Wien 1883) und „Assunta Leonin (Wien 1883). Diese Dramen zeugen von W.s hoher Begabung, sowohl in Bezug auf dramatische Erfindung, Schönheit und Kraft des poetischen Ausdrucks als auch Bühnentechnik und sind auch zum Teil Repertoirestücke aller größern deutschen Bühnen geworden. Weniger beliebt sind seine Novellendichtungen, in denen er meist kompliziertere psychol. Probleme zu lösen unternimmt. Hierher gehören Novelleno (Berl. 1869), Neue Novelleno (Berl. 1870), Neues Novellenbuche (Wien 1875), Novellen aus der Heimato (Berl. 1882) und die Romane «Fridolins heimliche Chey (Wien 1875) und Meister Amoro (Wien 1880). Geringere Begabung zeigt W. für die lyrische Dichtung, wie seine «Gedichtes (Wien 1874) beweisen. Wertvoll dagegen ist seine biogr. Studie Hölderlin, der Dichter des Pantheismuse (Münch. 1870). Aus Fritz Reuters Nachlaß veröffentlichte W. Nachgelassene Schrifteno nebst einer Biographie des Dichters (2 Bde., Rost. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 635Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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