Wilde Jagd, Wütende Jagd, Wildes Heer, Nachtgejaid, Nachtjäger, Helljäger u. s. w. nennt das Volk' in Deutschland ein angeblich nächtliches Tosen in der Luft, das einem mit Jagdrufen und Hundegebell über Wälder, Felder und Ortschaften dahinbrausenden Geisterheere zugeschrieben wird. Die Sagen vom Wilden Jäger sind ebenso zahlreich als weitverbreitet, ebenso mannigfaltig im einzelnen als übereinstimmend in den Grundzügen und berühren sich vielfach bald mit uralter Götter-, bald mit Heldensage. Deutlich liegt die eine Hauptwurzel derselben zu Tage in dem noch heute in Niederdeutschland üblichen Ausdrucke de Wode tüt oder Wode jaget, d. i. Wodan, der Sturmgott, jagt durch die Lüfte. Etwas verdunkelter schon ist die in der Prignitz vorkommende Benennung krau Gode, welche sich aus dem nicht mehr verstandenen frö Gode, d. h. Herr Wodan, entwickelt hat. Durch das Christentum wurdenzwar die heidnischen Götter zu Gespenstern und Teufeln herabgedrückt, lassen aber doch noch überall die göttlichen Zügedeutlich erkennen. Wie Wodan, der Herr der Stürme, zu Rosse gedacht wurde und bekleidet mit einem breiten Hute und einem dunkeln Mantel, so erscheint auch der Wilde Jäger in Hut und Mantel zu Pferde, jetzt aber am Kreuzwege stürzend und jenseits sich wieder aufraffend, begleitet von Geistern Verstorbener, die oft ohne Kopf oder in grauser Verstümmelung einherziehen. Nur selten zeigt er sich dem begegnenden Wanderer mildthätig. Gewöhnlich bringt er Schaden oder Verderben, zumal dem Vorwitzigen, der ihn anruft oder in die Jagdschreie einstimmt; nur wer in der Mitte der Landstraße verharrt, oder ausweichend auf ein Saatfeld tritt, oder sich schweiend zu Boden wirft, entgeht der Gefahr. Besoners seindfelig erweist der Wilde Jäger sich auch egen die in Wäldern wohnenden Busch⸗ oder dosweibchen, die er jagt und, wenn er sie erreicht, grausam zerreißt. Das Fagen nach solchen ist noch erhalten in unserer „Windsbraut‘. Das Erscheinen des Wilden Jägers ist zwar nicht an eine bestimmte Zeit geknüpft, doch zeigt er sich am häufigsten in den Zwölften. Neben dem Sturmgott erscheint die Windgöttin als Führer des Wütenden Heeres. Diese Auffassung zeigt sich besonders in der thüring. und mansfeldischen Sage. Hier fuhr es, auch die ungetauft verstorbenen Kinder in sich begreifend, im Geleite der Frau Holla alljährlich auf Fastnachtsdonnerstag vorüber, und das versammelte Volk wartete seiner Ankunft, als solle ein mächtiger König einziehen. Vor dem Geisterhaufen aber zog ein alter Mann einher mit weißem Stabe, der getreue Eckart, der die Leute aus dem Wege weichen hieß, damit sie nicht Schaden nähmen. Auch dieses Heer der Holla oder Berchta erscheint in den Zwölften. Im allgemeinen geht der Mythus vom Wütenden Heere über alle german. Länder und findet sich auch T Min- ml und selbst in Spanien.