Wilsnack, Stadt in der preuß. Provinz Brandenburg, Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Westprignitz, am rechten Elbezufluß Karthan, Station der Linie Berlin-Hamburg der Preußischen Staatsbahnen, zählt (1885) 2179 E. und hat eine aus dem 14. Jahrh. stammende Pfarrkirche, sowie lebhaften Handel mit Fettvieh. Im spätern Mittelalter war W. einer der besuchtesten deutschen Wallfahrtsorte und bekannt durch den Streit um die Anerkennung des dortigen sog. Wunderblutes. Im J. 1383 war bei einem Brande des Städtchens auch die Kirche eingeäschert worden. Nach dem Brande sollen sich drei auf dem Altar aufbewahrte Hostien unversehrt und in der Mitte mit je einem Blutstropfen gefunden haben. Neugierige besuchten die Stätte, es geschahen Wunder, die interessierte Geistlichkeit verkündigte dieselben und bald war W. ein beliebter Wallfahrtsort. Doch regte sich auch lebhafte Opposition; eine prager Synode vom J. 1405 verbot die Wallfahrten und Huß verteidigte in einer Broschüre dieses Verbot; eine magdeburger Provinzialsynode vom J. 1412 bezeichnete sogar das Treiben der wilsnacker Geistlichkeit als 476 615 Insbesondere gab sich Heinrich Tocke, der 1426 als Lektor nach Magdeburg berufen worden war, große Mühe, dem Unfug zu sleuern; er untersuchte unter anderm die Hostien und wies nach, daß nicht nur keine Blutstropfen, sondern nicht einmal rote Flecken zu finden-seien. Lebhafte Verhandlungen fanden statt; selbst der Erzbischof von Magdeburg schlug sich auf die Seite Tockes und sprach über W. das Interdikt aus. Aber in letzter Instanz erklärte der Papst Nikolaus V. seinen Glauben an das heilige Zlut und erledigte w1453 den Handel zu Gunsten von W. Die Wallfahrten wurden immer zahlreicher, eine neue Kirche wurde gebaut, bis endlich am 28. Mai 1552 der erste evangelische Prediger der Stadt, Joachim Ellefeld, die drei Hostien verbrannte. Die Wallfahrten dauerten zwar noch einige Zeit fort, verschwanden dann aber gänzlich.