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ErdkundeBrockhaus 1882

Winchester, Municipalstadt, Parlamentsborough und als Bischofssitz City, der Hauptort der engl. Grafschaft Hampshire, reizend an der Ostseite einer zum rechten Ufer des schiffbaren Itching (Itchin) abgestuften Anhöhe, 19,2 km nördlich von dessen Mündung bei Southampton gelegen, ist Station der Linien London-Woking-Farnham-Bishopstoke-Southampton und London-Woking-Basingstoke-Southampton-Weymouth der London and South-⸗Westernbahn, sowie der Linie Didcot-Newbury-W. der Great-Westernbahn, war in alter Zeit Hauptstadt von Wessex, dann seit Egberts Krönung daselbst (827) von ganz England, eine der ältesten Städte des Königreichs. Aus dem kelt.⸗ brit. Caer Gwent (Weiße Stadt) und dem röm. Venta Belgarum entstanden, in der angelsächs. Periode seit 495 Witanceaster und Vintacestir, mittellat. Wintonia genannt, seit 652 durch König Cenwealh von Wesser zum Bischofssitz erhoben, nahm die Stadt den Rang einer Metropole ein und zählte noch später viele Klöster, 90 Kirchen und Kapellen, während jetzt nur 9Kirchen und eine Benediktinernonnenabtei mit einer kath. Schule (Hidehouse) bestehen. Als nach der normann. Eroberung London sich zur königl. Residenz erhob, begann namentlich nach dem großen Brande von 1141 der Verfall von W., das 1881 noch 17469 E. zählte. W. ist regelmäßig angelegt, meist hübsch und massiv gebaut, gut gepflastert. Die Kathedrale wurde 1079 an der Stelle einer im 7. Jahrh. erbauten sächs. Kirche begonnen, 1393 vom Bischof William of Wykeham (1366 — 1404) im Langhaus gotisch umgebaut und 1486 mit gleichzeitigen Zusätzen und Verschönerungen vom Bischof Fox (gest. 1528) vollendet. Sie ist 171,½ mlang, 28,26 m breit und 47,m hoch, unscheinbar im Rußern, mit nur einem niedrigen Mittelturme versehen, doch im Innern eine der großartigsten und am besten erhaltenen got. Kirchen Englands. Das dreischiffige Querschiff zeigt noch die Form einer Pfeilerbasilika mit Emporen. Die Krypta gehört noch zur angelsächs. Anlage des 7. Jahrh. und weist einen Umgang und eine östlich anstoßende Kapelle auf. Die Westfacade wurde um 1350 begonnen und im 15. Jahrh. völlendet. Von den Seitenkapellen, meist aus der Zeit von 1350 und 1486, sind besonders bemerkenswert die des Bischofs William of Wykeham und die in prächtigem Renaissancestil erbaute des Bischofs Gardiner (1531—1555). Alte Glasmalerei und die schönsten in Holz geschnittenen Grotesken von 1296 schmücken den 1093 erbauten schönen Chor. Hier ruht die Asche vieler angelsächs. Könige und Königinnen, Kanuts, Wilhelms II. des Roten (mit einfachem Marmorgrabmal im der heil. Swithin, mehrerer Bischöfe und berühmter Persönlichkeiten. In der Kathedrale fand 1554 die Trauung der Königin Maria Tudor mit Philipp II. von Spanien statt. Das von Bischof Wykeham 1396 erbaute St.⸗ Mary's-College (Winchester-School), ein stattliches Gebäude, ist das älteste öffentliche Schulgebäude Englands, und hat eine schöne Kapelle mit guten neuen Glasgemälden. Von den alten Mauern und Befestigungen ist nur noch ein Thor, von dem 1138 als Bischofspalast im normann. Stil vom Bischof Henri de Blois erbauten, 1646 von Cromwell zerstörten 2—¹n nur noch eine Ruine übrig. Der für Karl II. 1683 begonnene, aber unvollendet gebliebene Palast dient als Kaserne, und John's-House, einst Besitz der Tempelherren, ist jetzt ein Gesellschaftshaus. Das schöne, 1711 erbaute Rathaus (Countyhall), einst Schloßkapelle, enthält Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XVI. mehrere Antiquitäten. Darin steht der Tisch, an welchem einst König Arthur seine Ritter zur Tafelrunde versammelt haben soll. Der Obelisk nahe dem westl. Thor erinnert an die verheerende Seuche von 1666. Das südwestlich vor der Stadt in einem schönen Thale gelegene Hospital St.⸗Croß, mit schöner neuerdings restaurierter Kirche, wurde 1136 vom Bischof Henri de Blois gegründet. Außer demselben besitzt die Stadt noch ein Grafschaftshospital, welches für das beste in England gilt, mehrere Versorgungsanstalten, ein Grafschaftsgefängnis und Korrektionshaus, eine große Markthalle, eine Kornbörse, ein kleines Theater, eine Stadtbibliothek, ein Museum u. s. w. Der St.⸗ Catherine's Hill, in der Nähe des Hospitals St.⸗ Croß, gewährt eine schöne Aussicht auf die Stadt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 672Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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