Windischgrätz, ein altes deutsches Dynastengeschlecht. Dasselbe hat den zweiten Sohn des Herzogs Ulrich von Kärnten, Weriand, zum Stammvater, der gegen Ende des 11. Jahrh. Stadt und Landschaft W. als freie Herrschaft besaß und sich danach nannte. Frühzeitig teilte sich das Haus in die Ruprechtsche und die wieder erloschene Sigismundsche Linie. Die ältere Linie kaufte 1468 das Schloß Waldstein und wurde 1551 unter dem Namen von Waldstein und im Thal in den Freiherrenstand und 1557 unter ihrem frühern Namen W. zur gräfl. Würde erhoben. Gemeinschaftlich beiaßen beide Linien seit 1565 die Erblandstallmeisterwürde in Steiermark und die Magnatenwürde in Ungarn. Nach Ankauf der reichsunmittelbaren Herrschaft Egloffs und Siggen in Schwaben wurde das Haus unter dem Namen W. 24. Mai 1804 in den Reichsfürstenstand nach dem Rechte der Erstgeburt erhoben, 1806 aber mediatisiert und das Fürstentum durch die Rheinbundsakte unter württemb. Landeshoheit gestellt. Kaiser Franz I. dehnte 1822 den Fürstenstand auf alle Glieder des Hauses aus, welches noch mehrere Herrschaften in Böhmen, Niederösterreich und Steiermark besitzt. Alfred Candidus Ferdinand, Fürst zu W., österr. Feldmarschall, geb. 11. Mai 1787 zu Brüssel, trat 1804 als Oberlieutenant in das Ulanenregiment Schwarzenberg, in welchem er als Oberlieutenant den Feldzug von 1805 mitmachte. Im J. 1813 zeichnete er sich besonders bei Leipzig aus und wurde zum Obersten und Kommandanten des Regiments Großfürst Konstantin-Kürassiere ernannt. Im Feldzug von 1814 führte er das Regiment mit großer Auszeichnung, namentlich im Treffen bei Troyes, wo er durch neun Attacken den Rückzug der Infanterie deckte, und bei La Fere-Champenoise. In Paris trat er in nahe, stets warm erhaltene Beziehungen zu Nikolaus, dem spätern Kaiser von Rußland, und 1826 wurde er zum Generalmajor und Brigadier, 1833 zum Feldmarschalllieutenant und Divisionär, 1835 zum Inhaber des berühmten bartlosen Dragonerregiments ernannt. Von 1840 bis 1848 Kommandierender in Böhmen, unterdrückte er mit großer Energie den 11. Juni ausgebrochenen Aufstand, wobei seine Gemahlin, geborene Prinzessin Schwarzenberg, zufällig in ihrem Zimmer erschossen, sein Sohn Alfred schwer verwundet wurde. Während des Oktoberaufstandes in Wien ward W. zum Feldmarschall und Oberbefehlshaber aller außer Italien stehenden Truppen ernannt. Er begann seine Operation von Prag aus gegen Wien, nahm 24. Okt. 1848 sein Hauptquartier in Hetzendorf und schlug 30. Okt. die der eingeschlossenen Stadt Wien zu Hilfe kommenden Ungarn bei Schwechat. Am folgenden Tage, gegen Abend, nachdem die Stadt den ganzen Tag über beschossen worden, rückte er mit starker Macht durch das Burgthor in Wien ein. Mit seinem Schwager Fürsten Felir Schwarzenberg bereitete er den Thronwechsel zu Olmütz vor (2. Dez. 1848). An der Spitze von 150000 Mann begann er Mitte Dezember die Operationen gegen Ungarn, besetzte Preßburg, Raab und Anfang Jan. 1849 Ofen und Pest. Eine ungar. Deputation, die 4. Jan. in seinem Hauptquartier zu Friedensverhandlungen erschien, wies er zurück und forderte bedingungslose Unterwerfung. Nachdem er 27. Febr. mit Schlik die Ungarn bei Kapolna geschlagen, gedachte er die ungar. Scharen an der Theiß einzuschließen, wurde jedoch 6. April bei Gödöllö geschlagen und sah sich unter einer Reihe von Unfällen zum Rückzug gezwungen. Am 12. April 1849 ward W. seines Kommandos enthoben und an den Hof nach Olmütz berufen, während Welden (s. d.) den Oberbefehl übernahm. W. lebte nun viele Jahre auf seinen Gütern in Böhmen. Im J. 1859, während des Kriegs in Italien, betrat er von neuem den polit. Schauplatz, indem er eine Sendung nach Berlin übernahm. In demselben Jahre erfolgte seine Ernennung zum Gouverneur der Bundesfestung Mainz. Nach Verleihung des Februarpatents wurde er als erbliches Mitglied in das Herrenhaus des Reichsrats berufen. W. starb zu Wien 21. März 1862. Das in seinem Auftrage bearbeitete Werk Der Winterfeldzug c1848—49 in Ungarno (Wien 1851) ist eine gute Quelle für diesen Teil des ungar. Kriegs. Alfred, Fürst zu W., des vorigen Sohn, geb. 28. März 1819, folgte seinem Vater als Chef des Hauses und seiner Besitzungen. Er diente seit 1838 in der Armee, wurde 1848 Major, 1852 Oberstlieutenant, 1856 Oberst und Kommandant des 6. Kürassierregiments und 1861 Generalmajor, 1866 führte er eine Brigade der 3. Reserve-Kavalleriedivision und wurde bei Königgrätz verwundet. Er wurde 1868 als Feldmarschalllieutenant in den Ruhestand versetzt. Als Mitglied des österr. Herrenhauses gehörte er der konservativen Partei an. W. starb 28. April 1876. Ihm folgte sein Sohn Alfred, Fürst zu W., geb. 31. Okt. 1851, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, erbliches Mitglied des Herrenhauses des Reichsrats und Standesherr des Königreichs Württemberg, als Chef des Hauses.