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GeschichteBrockhaus 1882

Waldburg, ein aus den ehemals reichsunmittelbaren Besitzungen der Grafen von Waldburg 1803 gebildetes Fürstentum in Schwaben, zwischen Donau und Iller, das durch die Rheinbundsakte unter württemb. und nur in Hinsicht eines Teils der Grafschaft Trauchburg unter bayr. Landeshoheit kam, besteht aus der Grafschaft Zeil und der Herrschaft Wurzach, beide im Algau, den Grafschaften Wolfegg und Trauchburg, den Herrschaften W. mit dem Stammschlosse gleichen Namens, Waldsee und Moorstetten. Das Fürstentum umfaßt 745 qkm. Einzelne Glieder der Familie führten schon seit dem 11. Jahrh. den Truchseßtitel, weil sie bei verschiedenen Kaisern aus dem Hause Hohenstaufen, jedoch nicht erblich, das Truchseßamt verwalteten. Karl V. erlaubte ihnen 1525, sich Reichserbtruchsesse zu nennen, in welches Amt sie 1594 eingeführt wurden; seitdem führten sie auch den Namen Truchseß als Geschlechtsnamen. Der Stammvater des Hauses war Johann, Truchseß von W., gest. 1423. Seine Söhne, Jakob und Georg, stifteten die Jakobinische und Georgische Linie. Die Jakobinische Linie verzweigte sich durch dessen Enkel Wilhelm und Friedrich. Die Wilhelmische Linie, welche Trauchburg besaß (gräflich seit 1628), erlosch 1772. Friedrich trat in die Dienste des Großmeisters des Deutschen Ordens und ließ sich in Preußen nieder, wo sein Haus Capustigal besaß, 1686 den Grafenstand erlangte und bis 1875 blühte, ohne an den unmittelbaren Besitzungen des Hauses in Schwaben einen Anteil u haben, da die Besitzungen der erloschenen Wilelmischen Linie an die jüngere Georgische Linie gefallen sind. Die Georgische Linie war mit dem Erbtruchseßamte beliehen, welches der jedesmalige Senior verwaltete. Sie teilte sich 1589 in „zwei Linien. Jakobs, eines Ur-Ur-Urenkels des „Stifters Georg I., älterer Sohn Heinrich stiftete die Linie Wolfegg, welche sich in die Aste Wolf-Wolfegg und Wolfegg-Waldsee teilte, tvon denen jener 1798 erlosch. Jakobs jüngerer Sohn, Frobenius, stiftete die Linie Zeil, und seine Enkel, Paris Jakob und Sebastian Wunibald, die beiden Aste derselben, Zeil-Zeil, auch Zeil⸗ [Trauchburg genannt, und W.⸗Zeil-Wurzach. Alle Zweige der Georgischen Linie wurden 1628 in den Reichsgrafenstand und 1803 die Häupter der einzelnen Aste nach dem Rechte der Erstgeburt in den Reichsfürstenstand erhoben. Nach der Auflösung des Deutschen Reichs legten sie, mit Ausnahme der preuß. Linie, den Namen Truchseß ab der Würde als württemb. Thronlehn. Die gegenwärtigen Häupter der noch blühenden Linien sind: 1) Fürst Franz von W., zu Wolfegg und Waldsee, geb. 11. Sept. 1833, erblicher Standesherr in Württemberg. 2) Fürst Wilhelm von W., zu Zeil-Zeil oder Zeil und Trauchburg, geb. 26. Nov. 1835, erblicher Reichsrat in Bayern und erblicher Standesherr in Württemberg. 3) Fürst Eberhard II. von W., geb. 17. Mai 1828, als Chef der Linie Zeil-Wurzach erbliches Mitglied der Kammer der Standesherren in Württemberg und der Kammer der Reichsräte in Bayern. Die preuß. Linie ist mit dem Grafen Gebhard Truchseß von W., geb. 16. März 1794, 21. Juli 1875 im Mannsstamm erloschen; die Besitzungen kamen durch weibliche Erbfolge an die gräfl. Dohnasche Familie. Dieser Linie gehörte auch an Friedrich Ludwig, Graf Truchseß von W., preuß. General und Diplomat, geb. 25. Okt. 1776 zu Tangermünde, 1814 einer der Kommissarien zur Begleitung Napoleons I. nach Elba, seit 1816 preuß. Gesandter in Turin, wo er mit Erfolg für Besserung der Lage der Waldenser thätig war. Er stard 18. Aug. 1844 zu Turin. [frevel (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 394Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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