FeedWismut (Bismuthum)
NaturlehreBrockhaus 1882

Wismut (Bismuthum), in früherer 30 Wismat oder Marcasita genannt (chem. Zeichen Bi, Atomgewicht — 210), ist eins der seltener vorkommenden Metalle und tritt meist in gediegenem Zustande oder als Oryd auf. Es findet sich im Granit, Gneis und Glimmerschiefer, sowie im übergangsgebirge, in der Regel auf Kobalt⸗ und Silbergängen. Der Hauptfundort für Wismuterze ist Schneeberg in Sachsen, außerdem kommen sie vor in den Vereinigten Staaten, in Peru, Bolivia und Chile, sowie in Australien. Da das W. meist gediegen vorkommt, so ist die Gewinnung desselben ziemlich einfach, da man es infolge seines niedern Schmelzpunktes durch Aussaigern (Ausschmelzen) von der Gangart trennen kann; das so gewonnene Metall ist aber nie ganz rein, sondern meist von Arsen begleitet. Bei der Verwendung für pharmaceutische Zwecke ist es von dieser Verunreinigung zu befreien. Nach Vorschrift der Deutschen Pharmakopöe von 1882 geschieht dies, indem das Metall in einer eisernen Schale mit der Hälfte seines Gewichts Natronsalpeter geschmolzen und so lange gerührt wird, bis es in ein feines graues Pulver verwandelt ist. Die geschmolzene Masse wird mit Wasser unter Zusatz von Natronlauge ausgekocht. Beim Waschen 1 WDiam Arsen in Lösung, während ein Gemisch von Wismutmetall und Oxyd zurückbleibt. Das geschmolzene W. ist ein rötlichweißes Metall, glänzend, ziemlich hart, krystallinischer Textur und so spröde, daß es gepulvert werden kann. Es krystallisiert leicht und in gut ausgebildeten Rhomboädern; es schmilzt bei 264 und hat ein spezifisches Gewicht von 9,79. Die Produktion von W. beläuft sich jährlich auf etwa 25000 kg, wovon 20500 auf das sächs. Erzgebirge, 3000 auf England und 1500 kg auf Böhmen kommen. Der größte Teil des produzierten W. dient mediz. und kosmetischen Zwecken. Offizinell ist das basisch salpetersaure Wismut (Bismuthum subnitricum); bis 1882 war auch das valeriansaure Wismut (Bismuthum valerianicum) offizinell. Das basisch salpetersaure W. findet ferner als weiße Schminke unter dem Handelsnamen Blanc d'Espagne (s. d.) Anwendung. Mit andern Metallen vereint es * leichtflüssigen Legierungen, welche wie Roses Metall bei 93 bis 94 C. oder wie Woods Metall schon bei 68 schmelzen. Diese Legierungen hat man früher wohl zum Clichieren (Abklatschen) von Holzschnitten, Druckformen, Stereotypplatten, sowie auch als Schnelllot verwandt, sie sind gegenwärtig jedoch für diese Zwecke zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Einen starken Wismutverbrauch hat die Einführung der Porbracht Dus v. durch Brianchon mit sich geracht. Das Wismutoxyd findet in kleiner Menge Verwendung zur Herstellung von schweren und tark lichtbrechenden Gläsern, die als optisches lintglas sowie zu Straß (s. d.) benutzt werden. In seinen Verbindungen fungiert das W. als dreiwertiges Element. Von den Verbindungen haben nur wenige allgemeinere Wichtigkeit. Von diesen sind zu erwähnen: 1) Wismut und Sauerstoff: Wismutoxyd Bi, O; entsteht bei gelindem Erhitzen des basisch salpetersauren Salzes und bildet ein gelbes Pulver, welches bei stärkerm Erhitzen zu einer braunen, krystallinisch erstarrenden Masse zusammenschmilzt. Mit Säuren vereint es sich zu Wismutsalzen. Wismutoxydhydrat Bio(Oll), Anhydroverbindung des nicht bekannten normalen Hydrats Bi(O EH), entsteht als weißer Niederschlag beim Vermischen einer Lösung eines Wismutsalzes mit Natronlauge: nicht in Alkali, wohl aber in Säuren löslich; verwandelt sich beim Trocknen in Wismutoxyd. Ferner ist noch eine Wismutsäure Bi, O; und ein Wismutoxydul Bio bekannt. 2) Wismut und Schwefel: Schwefelwismut Bi. 8, bildet das Mineral ze beäm Eim und entsteht als schwarzer Niederschlag beim Einleiten von Schwefelwasserstoff in die saure Lösung eines Wismutsalzes. 3)/ Wismut und Chlor: Wismutchlorid BiCl. Metallisches Wismut vereint sich schon bei gewöhnlicher Temperatur unter lebhafter Wärmeentwickelung mit Chlor zu einer dickflüssigen Masse, welche beim Erkalten krystallinisch erstarrt (Wismutbutter) und unzersetzt destillierbar ist. Es entsteht auch beim Lösen von W. in Königswasser. Wird die Lösung mit viel Wasser vermischt, so scheidet sich ein weißer Niederschlag von Wismutoxychlorid Bioch ab, der nach dem Waschen mit Wasser Verwendung als weiße Schminke findet. 4) Wismut und Salpetersäure: Wismutnitrat Bi(NO;); entsteht beim Lösen von Wismut in Salpetersäure und scheidet sich aus der eingedampften Flüssigkeit in Form von schönen farblosen Krystallen aus, die in reinem Wasser nicht unzersetzt löslich sind, sich aber leicht in mit Salpetersäure vermischtem Wasser lösen. Basisches Wismutnitrat (Bismuthum sub nitricum, Magisterium Bismuthi) Bi (NO,) (OL) entsteht, wenn 1 Teil krystallisiertes Wismutnitrat in 20 Teile kochendheißes Wasser unter kräftigem Umrühren eingetra⸗ * wird. Der rasch sich absetzende blendendweiße iederschlag wird noch heiß von der Flüssigkeit getrennt, auf einem Filter gesammelt und mit kaltem Wasser gewaschen. Es findet in der Heilkunde und außerdem als weiße Schminke unter dem Namen Blanc d'Espagne (s. d.) Verwendung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 702Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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