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GeschichteBrockhaus 1882

Wittenberg vereinigt. Vor dem Elsterthore bezeichnet die von einem gußeisernen Geländer umschlossene sog. Luthereiche die Stelle, auf welcher Luther 20. Dez. 1520 die päpstl. Bulle verbrannte. W. war seit Albrecht J., dessen Linie auch den Namen Sachsen-Wittenbergerhielt, bis zum Tode Albrechts III. (1422) Residenz der Herzöge und Kursürsten von Sachsen und blieb dann wenigstens die Hauptstadt des ehemaligen Kurkreises. Nach der Schlacht bei Mühlberg wurde W. vom Kaiser Karl V. eingenommen, doch schonte der Sieger das Eigentum, den Gottesdienst und die Gräber der Reformatoren. Im Siebenjährigen Kriege wurde W. vom 10. bis 14. Okt. 1760 durch die Reichsarmee bombardiert und der preuß. Kommandant zur Ubergabe genötigt. Dabei gingen das Schloß, die Vorstädte und 120 Häuser in Flammen auf. Auf Napoleons I. Befehl wurde die Stadt 1813 unter dem Marschall Victor beim Vorrücken der Russen wieder als förmliche Festung hergestellt. Vom 26. März bis 20. April durch das Korps des Generallieutenants von Kleist blockiert, während des Waffenstillstandes verstärkt, verpalissadiert und mit einem verdeckten Wege versehen, wurde sie nach der Schlacht bei Dennewitz vom Bülowschen Korps eingeschlossen und Ende September hart angegriffen. Gegen Ende Oktober rückte die Brigade des Generalmajors von Dobschütz vor W.; die eigentliche Belagerung begann aber erst nach der Eroberung von Torgau 28. Dez., worauf die Erstürmung in der Nacht vom 12. bis 13. Jan. 1814 erfolgte. Dabei wurden 285 Häuser in der Stadt und den Vorstädten völlig zerstört. Der General Tauenzien, der diese Belagerung sowie die von Torgau geleitet hatte, erhielt den Ehrennamen Tauenzien von Wittenberg. Als nach dem Deutsch⸗-Französischen Kriege von 1870 und 1871 das deutsche Festungssystem reorganisiert wurde, hörte W. auf, Festung zu sein; 1874 wurden die Werke abgetragen. An Stelle der Gräben und Wälle sind Promenaden und Anlagen getreten. Vgl. Meyner, «Geschichte der Stadt W.» (Dess. 1845); BVernhardt, „W. vor 50 Jahren »„ (Wittenb. 1864); Schild, KDie Sehenswürdigkeiten W.sv (Wittenb. 1883). — Der Kreis Wittenberg zählt auf 824 qkm (1885) 53477 C.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 708Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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