Woche, ein Zeitabschnitt von sieben Tagen, ist ihrem Ursprunge nach höchst wahrscheinlich nur ein natürlicher Teil einer ebenso natürlichen größern Einheit, des sog. synodischen oder durch den Mondumlauf gebildeten Monats, dessen Viertel die siebentägige W. nur um drei Achtel Tage übertrifft. Deshalb findet sie sich auch als einheimische Zeiteinteilung bei den entlegensten Völkern, wie z. B. bei den Chinesen und den alten Peruanern. Den semit. Völkern und den Agyptern war sie schon sehr früh bekannt, und bei den Israeliten ward die von scheba (d. i. sieben) sehebua genannte W. auch mit der Kosmogonie, der Gesetzgebung und der Religion in Verbindung gebracht, sofern jeder siebente Tag als Sabbat, d. h. als allgemeiner Ruhetag gefeiert wurde. Im gemeinen Leben scheint man jedoch die Zeitbestimmungen häufiger nach Tagen als nach W. gezählt und erst nach dem Exil die Wochenrechnung gewöhnlicher angewendet zu haben. Auch finden sich keine Namen für die einzelnen Wochentage. Noch im Neuen Testament, sowie bei den ältern Kirchenvätern wird gewöhnlich gezählt Lam ersten, zweiten u. s. w. des Sabbats» für Sonntag, Montag u. s. w., und auch die griech. Benennung s88oucs (d. h. Siebenzahl) selbst findet sich im Neuen Testament nicht. Gleichwohl gab es wahrscheinlich schon vor Christi Geburt Namen der Wochentage, deren Erfindung Dio Cassius den Agyptern zuschreibt, welche aber richtiger wohl den babylonischen Chaldäern zuzuweisen ist, im Zusammenhange mit ihrem Planetenkultus. Die einzelnen Tage waren so den damals bekannten Planeten geweiht, zu welchen man auch Mond und Sonne rechnete, also in der Reihenfolge unserer Wochentage der Sonne, dem Mond, Mars, Merkur, Juiter, Venus und Saturn. Weshalb gerade diese olge der Planeten gewählt ward, darüber gibt es nur Vermutungen. „Diese astrologische siebentägige Woche ging mit ihren planetarischen Tagesnamen etwa um Christi Geburt auch auf Griechen und Römer und unterstützt von den jüd. Religionsvorstellungen, welche dem Sabbat eine erhöhte Geltung verschafften, auch auf die christl. Völker über. Es geschah daher auch, daß der Name Sabbat in alle roman. Sprachen, ja selbst in die deutsche verpflanzt wurde (ital. sabbato, span. sabado, franz. samedi [sabZhati dies!], althochdeutsch sambaztac, oberdeutsch Samstag). So gingen nun auch die bisher für jede Siebenzahl geltenden griech. und röm. Wörter, igdoues und septimana, auf die siebentägige W. über. Letzteres findet sich in dieser Bedeutung zuerst im Codex Theodosianus und drang in alle roman. Sprachen (ital. settimana, span. und portug. semana, franz. semaine), ja sogar bis ins Irische Cechtmaineh. Eine eigentümlich christl. Weise, die Wochentage vom Sonntage ab als keria secunda (Montag) bis zur feria septima (Sonnabend) zu zählen, ist wenig über den kirchlichen Gebrauch hinaus gediehen. Nur neben den Namen des Sonntags (dies solis) stellten die Christen eine an den Auferstehungstag Christi erinnernde Benennung: ανν oder (dies) dominicus oder dominica, Tag des Herrn, welche in den roman. Sprachen zur alleinherrschenden wurde lital. domenica, span. und port. domingo, franz. dimanche), während das althochdeutsche frontac (von frôn, dominicus) nur einmal in einer St. Gallischen üÜbersetzung erscheint. Für die übrigen Tage von Montag bis Freitag blieben die astrol. Namen in allen roman. Sprachen üblich. Die Germanen, welche schon nach des Tacitus Berichte gottesdienstliche, gerichtliche und polit. Versammlungen und wichtigere Unternehmungen nach dem Wechsel (althochdeutsch wih-sal, woh-sal) des Mondes bestimmten, konnten sehr wohl von selbst auf eine siebentägige W. (althochdeutsch wehha, wecha, angelsächs. vuce, altnordisch vika, schwed. vecka, dän. uge, got. vielleicht viké) geraten sein; aber bei ihren Benennungen der Wochentage scheint, und schon vor Einführung des Pher aema röm. Einfluß, vielleicht über Gallien her, gewaltet zu haben. Für Sonntag und Montag wurden die astrol. Namen beibehalten, für die übrigen Tage aber die Namen derjenigen german. Gottheiten gewählt, deren Wesen den entsprechenden röm. Göttern am nächsten verwandt erschien. Solches geschah in allen german. Sprachen, soweit man diese verfolgen kann. Dem röm. Mars entsprach der deutsche Ziu oder Eru, nordisch Tyr. Daher ward dem dritten Wochentage der Name Ziestag, Tiestag, Diestag, Dienstag, bayr. Eritag oder Erchtag. Dem Merkur verglich sich Wodan: daher der westfäl. und niederrhein. Godenstag, Gunstag, Genesdag, zu dem die niederländ., engl. und skandinav. Benennungen sich fügen, während in Oberdeutschland sich schon frühzeitig ein abstraltes din mittawecha, Mittwoch, einstellte. Dies Jovis ward überall zum Tage des Donar, nordisch Thor, ebenso dies Veneris zum Tage der Fria, nordisch Frigg, der Gemahlin Wodans, doch auch in den Namen der Freyja hinüberschwankend. Wiederum beim letzten Wochentage gehen die germ. Sprachen auseinander. Den dies Saturni bewahrte das Niederländische, das Angelsächsische, das Englische (aturday) und das ältere Niederdeutsche (saterdach), während sich im Norden ein laugardager (dän. löverdag, schwed. lördag), d. i. Badetag, und in Oberdeutschland ein Samstag (von Sabbat, s. d.), oder Sonnabend (wahrscheinlich feria ante dominicam) einstellte. Slawen, Litauer, Finnen kennen die Planetentagnamen nicht, sondern zählen die Tage gleich den Griechen. Die Vertauschung der siebentägigen W. mit einer gleichfalls bloß zählenden Dekade im franz. republikanischen Kalender hatte nur Bestand vom 5.Okt. 1793 bis zum 31. Dez. 1805. Die in der Bibel vorkommenden Jahreswochen sind Jahrsiebente, die nur der hebr. prophetischen Poesie angehören, und eben solche Jahrsiebente ohne praktisch-chronol. Geltung sind die annorum hebdomadae einiger röm. Schriftsteller. Vgl. Ideler, Handbuch der Chronologies (2 Bde., Berl. 1825 —26); Grimm, „Deutsche Mythologies (3. Aufl., 2 Bde., Gött. 1854).