Wochenbett oder Kindbett (puerperium) bezeichnet die unmittelbar auf die Entbindung folgende Zeit, in welcher die Rückbildung der Gebärmutter und die Ausgleichung der Folgen der Geburt vor sich geht. Gleich nach der Geburt schrumpft die Gebärmutter etwa zur Größe eines Kinderkopfes zusammen, und in den folgenden sechs bis sieben Wochen erlängt sie, bei ungestörtem Fortgang der Rückbildung, wieder die ursprüngliche Größe. Cbenso erlangen die übrigen bei der Schwangerschaft und der Geburt beteiligten Organe die Beschaffenheit wieder, welche sie außerhalb der Schwangerschaft haben. Diese Rückbildung erfolgt unter Abfluß schleimiger, anfangs etwas blutiger Flüssigkeit (Wochenfluß oder Lochien). Nur bei ruhiger Lage und bei Abhaltung aller andern Schädlichkeiten ist Gewähr dafür, daß die Geburtsteile wieder zu ihrer normalen Beschaffenheit zurückkehren, und es ist daher notwendig, daß diese Vorsichtsmaßregeln streng eingehalten werden. Zwar ist auch unter erschwerenden Verhältnissen eine Rückkehr zur Norm möglich, wie dies die tägliche Erfahrung an Frauen der niedern Stände zeigt, die oft unmittelbar nach der Entbindung wieder an die Arbeit gehen, aber oft treten dabei auch Störungen (Wochenbettkrankheiten) ein, die einen dauernden Nachteil hinterlassen. Hierher gehören nament—⸗ lich fieberhafte Entzündungen der Gebärmutter und ihrer Umgebung (s. Kindbettfieber), Blutflüsse, Erkrankungen der Blase und des Mastdarms, Neuralgien, die verschiedenen Form⸗ und Lageveränderungen der Gebärmutter mit ihren lästigen Folgen, die thrombotische Verstopfung der Schenkelblutader (sog. weiße Schenkelgeschwulst) und viele andere krankhafte Zustände, welche durch sorgfältige lüberwachung des W. vermieden werden können. Vgl. von Ammon, Die ersten Mutterpflichten und die erste Kindespfleges (28. Aufl. von Winckel, Lpz. 1886); Burckhardt, «Das Buch der jungen Frauv (Lpz. 1884); Crede, «Gesunde und kranke Wöchnerinnenv (Lpz. 1886).