Wörlitz, Stadt im Herzogtum Anhalt, 14 km östlich von Dessau gelegen, zählt (1885) 1859 E., hat eine schöne got. Kirche, eine Synagoge und Schloß mit berühmtem Park, welcher aus fünf Abteilungen besteht, von Herzog Leopold Friedrich Franz von Dessau (1758 — 1817) angelegt wurde und viele Sehenswürdigkeiten einschließt, wie das Schloß, mit vielen Antiken und Büsten; das Gotische Haus, früher von Herzog Franz bewohnt, mit Waffensammlung, schönen Glasmalereien, mannigfaltigen Seltenheiten von Möbeln, Geräten, sowie zahlreichen Gemälden aus der altdeutschen und altniederländ. Schule; das Graue Haus, im Sommer zeitweilig Residenz des Herzogs Friedrich; ferner der Flora-Tempel, mit einer antiken Statue: das Pantheon mit verschiedenen Antiken und Büsten; das Monument, welches die Bildnisse der Fürsten von Anhalt bewahrt und auf seiner Spitze eine antike Granitsäule trägt; endlich der sog. Stein, die Nachbildung eines Kraters. Im Park liegt ein See, von welchem aus Kanäle, die für Gondeln fahrbar sind, nach allen Teilen führen. Vgl. Gerlach, «Choix d'antiques conservées aux chäteaux et au Panthéon de W.» (in photographischen Nachbildungen, Dessau 1863); Hosäus, „Die wörlitzer Antiken» (Dessau 1873); derselbe, „Wörlitzy (2. Aufl., Dessau 1883); Fuchs, «Wegweiser durch Dessau, Umgebung und den Garten zu W. v (2. Aufl., Dessau 1875); Gielen, «Die Nadelhölzer des wörlitzer Gartensy (Dessau 1878). Woermann (Adolf), Kaufmann und Reichstagsabgeordneter, geb. 10. Dez. 1847 zu Hamburg, besuchte das Johanneum daselbst, ging, um den überseeischen Handel kennen zu lernen, 1868 nach Singapore, 1869 nach Batavia und kehrte 1870 über Vorderindien, China und Japan und den Vereinigten Staaten nach Hamburg zurück. In den J. 1871 und 1872 unternahm W. Reisen nach den Faktoreien seines Vaters im Staate Liberia an der afrik. Westküste und trat 1874 als Teilhaber in die Firma C. Woermann, an deren Spitze er seit 1880 steht. Nachdem 1880 die Firma das erste Dampfschiff nach Westafrika gesandt hatte, entwickelte sich der Verkehr bald so, daß mehr Dampfschiffe gebaut werden mußten, bis aus diesen Anfängen die Afrikanische Dampfschiff-Aktiengesellschaft LEinie Woermann) entstand, welche (1886) mit acht großen Dampfern eine regelmäßige Verbindung Hamburgs mit Westafrika unterhält. Im Sommer 1884 erwarb die Firma C. Woermann im Verein mit dem hamburger Hause Jantzen u. Thormählen das Mündungsgebiet des Kamerunflusses, Bimbia und verschiedene Plätze an der Biafrabai als Schutzgebiet für das Deutsche Reich. Seit 1884 gehört W. als Vertreter des 3. hamburger Wahlkreises dem Reichstag an, wo er sich der nationalliberalen Partei anschloß. Woermann (Karl), älterer Bruder des vorigen, Kunsthistoriker, geb. zu Hamburg 4. Juli 1844, studierte nach einer Reise nach Java und Ostindien in Heidelberg, Kiel und Göttingen die Rechte, war dann in Hamburg kurze Zeit als Rechtsanwalt thätig, unternahm hierauf Reisen nach Frankreich, England und Amerika und widmete sich in der Folge in Heidelberg und München kunstgeschichtlichen Studien. Er habilitierte sich 1871 in Heidelberg für Archäologie, bereiste darauf Italien, Griechenland und Kleinasien und wurde 1874 Professor der Kunst- und Litteraturgeschichte in Düsseldorf, 1882 Direktor der Gemäldegalerie und des Kupferstichkabinetts in Dresden. W. schrieb alüber den landschaftlichen Natursinn der Griechen und Römero (Münch. 1871), «Die Landschaft in der Kunst der alten Völkery (Münch. 1877), «Kunst- und Naturstizzen aus Nord⸗ und Südeuropa» (Düsseld. 1880) und die Fortsetzung von A. Woltmanns «Geschichte der Malerei v. Auch als Dichter trat W. auf in: «Geharnischte Sonette aus Norddeutschland »v (Hamb. 1866), «Aus der Natur und dem Geister (Hamb. 1870), Anathema sito (Sonette, Münch. 1879),«Neapel. Elegien und Odeno (Münch. 1877),Neue Gedichter (Düsseld. 1884).