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GeschichteBrockhaus 1882

Dessau, Haupt⸗ und Residenzstadt des Herzogtums Anhalt, liegt an der Mulde, 3 km von der Mündung derselben in die Elbe, und an der Linie Wittenberg-Köthen der Preußischen Staatsbahn, die hier nach Bitterfeld abzweigt, und zählt (1880) 23266 meist evang. E. Von den Thoren der Stadt ist nur das Zerbsier Thor mit den Standbildern Ottos des Reichen und Albrechts des Bären noch vor-Paserz D. hat drei Vorstädte: die 1706 angelegte asserstadt jenseit der Mulde, die Leipziger Vorstadt und die Vorstadt vor dem frühern Akenschen Thore, und ist Sitz der obersten Landesbehörden, der Kreisdirektion, eines Land⸗ und eines Amtsgerichts, der herzogl. Domänenkammer und des Oberjägermeisteramts. Die bemerkenswertesten öffentlichen Gebäude sind: das herzogl. Schloß, 1748 teilweise neu gebaut, mit schönem Lust⸗ und Schloßgarten und Gemäldegalerie, 1872—74 mit einem schönen Treppenhaus geschmückt, das erbprinzliche Palais, das 1856 neu erbaute Theater mit dem Konzertsaal, das großartigangelegte Koninentaldas Direktionsgebäude der Deutschen Kontinental-Gasgesellschaft, die Kaserne und die Anhaltische Landesbank. An Kirchen hat die Stadt die Schloß⸗ und Stadtkirche zu St. Marien mit der herzogl. Gruft und Gemälden der beiden Cranach; außerdem zwei prot. und eine kath. Kirche sowie eine schöne Synagoge. An Denkmälern sind zu erwähnen: die Statue des Herzogs Leopold Friedrich Franz (von Kiß), die des Fürsten Leopold (nach Schadow von Kiß), das Denkmal zur Erinnerung an die 1863 erfolgte Wiedervereinigung der 1 Landesteile 00 Schubert) und das Denkmal für die im Deutsch-Französischen Kriege 187071 gefallenen Anhaltiner. Unter den zahlreichen Unterrichtsanstalten sind erwähnenswert: das neue Gymnasium, Realgymnasium, die herzogl. höhere Töchterschule, die Normalschule der gymnastischen Anstalt, das früher Braunesche Erziehungsinstitut, eine Bürgerschule und zwei neue Volksschulen und das Lehrerinnenseminar. Für die Kunst wirken das Hoftheater, die Kapelle und die von Fr. Schneider gegründete Musikschule. Unter den Wohlthätigkeitsanstalten sind das Hospital zu St. Georg, das Leopoldsdankstift und die Amalienstiftung hervorzuheben. Verkehr und Industrie der Bevölkerung sind in stetem Steigen begriffen, besonders seitdem die Eisenbahnen und der neuerrichtete Walwitzhafen an der Elbe beide unterstützen. Die Anhaltische Landesbank, 1847 begründet, sowie die nach 1848 entstandene Wollgarn-Aktienspinnerei haben einen blühenden Aufschwung erreicht, ebenso die Deutsche Kontinental-Gasgesellschaft. D. hat Fabriken für Maschinen nebst Eisengießereien, für Tuch und Tapeten, Wollspinnerei, Zuckerraffinerie, Bierbrauereien, Dampfschneidemühlen, eine Gasanstalt u. s. w. Die Umgebungen der sehr saubern und freundlichen Stadt, namentlich die Gegend, durch welche die Straße nach Wörlitz (s. d.) führt, gleichen einem einzigen großen Garten. In der Nähe der Stadt liegen die beiden herzogl. Lustschlösser Georgium und Luisium mit schönen Gärten, sowie der Sieglitzer Berg an der Elbe. D. (ursprünglich Dissouwe) wurde wahrs cheinlich von Albrecht dem Bären durch einwandernde Flamländer gegründet; doch wird es erst 1213 urkundlich als Stadt erwähnt. Nachdem sie durch Feuersbrünste und Kriegsnot, besonders im Dreißigjährigen Kriege in ihrer Entwickelung gehemmt worden war, hob sich die Stadt, als den Juden (1686) und den Lutheranern (1690) freie Religionsübung gestattet wurde. Großen Ruf erlangte D. am Ende des 18. Poibr durch das 1774 von Ducße gegründete Philanthropin wie durch die Buchhandlung der Gelehrten und die Chalkographische Gesellschaft. Es ist Geburtsort des Dichters Wilh. Müller (1794), des Philosophen Moses Mendelssohn (1729—86). Am meisten geschah zur Vergrößerung und Verschönerung der Stadt unter dem Herzog Leopold Friedrich Franz, dann durch Herzog Leopold Friedrich, desgleichen neuerdings unter Herzog Friedrich. — Der Kreis Dessau Iud auf 424 qkm 53002 E. Vgl. Siebigk, Ein Bild aus D.s Ctaot 3 (Dessau 1864); Würdig, «Chronik der Stadt D.y (Dessau 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 91Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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