Woroniez (Johann Paul), poln. Dichter, geb. 1757 in Volhynien, aus angesehenem Geschlecht, trat in den Jesuitenorden und nach Aufhebung desselben zu den Missionaren in Warschau über. Nach Verwaltung mehrerer Propsteien wurde er zur Zeit des Herzogtums Warschau in den Staatsrat berufen, 1815 zum Bischof in Krakau und 1827 zum Erzbischof in Warschau und Primas von Polen erhoben. Er starb in Wien 4. Dez. 1829. W. ist einer der bedeutendsten Kanzelredner Polens und als Dichter einer der wenigen Vertreter des Panslawismus unter den Polen, im Geiste von Kollärs (Lemb. 1815), ein heroisches Gedicht in vier Gesängen, in welchem er im Anschluß an die poln. Altertümer, die die Fürstin Isabella Czartoryiska auf ihrem Gute Pulawy in einem sog. Tempel der Sibylla gesammelt hatte, die Geschichte Polens schildert. Auch hat man von ihm eine unvollendete „Lechiadas und ein Gedicht „Assarmoto. W.s Schriften Pismas erschienen gesammelt in 6 Bänden (Krak. 1832). Woronzow ist der Name einer berühmten russischen gräfl. und fürstl. Familie, deren Stammbaum bis in die Mitte des 17. Jahrh. hinaufreicht. Das alte Bojarengeschlecht dieses Namens, welches sich im 15. und 16. Jahrh. in Rußland auszeichnete, kann nicht mit dieser Familie in Verbindung gebracht werden, da es bereits um 1576 erlosch. — Der erste Ahn der gräflich Woronzowschen Familie war Gawrilo W., der bei der Belagerung von Tschigirin in Kleinrußland 1678 fiel. — Unter seinen Enkeln that sich besonders Michael W., geb. 1710, der Günstling der Kaiserin Elisabeth, hervor, welche ihn 1744 zum Vizekanzler erhob, ihm die Leitung des Ministeriums des Auswärtigen übertrug und ihn durch Kaiser Karl VII. 1744 in den Reichsgrafenstand erheben ließ. Er brachte den Vertrag zwischen Rußland und Schweden 25. Juni 1745 zu Stande, sowie den Vertrag mit Osterreich zur Verteidigung der Erbfolge Maria Theresias und den Subsidienvertrag mit Großbritannien 1747, nach welchem ein russ. Korps von 37000 Mann im Solde der Seemächte an den Rhein zog. In den letzten Jahren der Regierung der Kaiserin Elisabeth stand W. an der Spitze der schwed. Partei, deren Seele Großfürst Peter war. Er stürzte den Kanzler Bestuschew und wurde an dessen Stelle zum Reichskanzler ernannt, gehörte zu den Günstlingen Peters III., verlor aber unter Katharina II. seinen Einfluß und starb 1767 in Moskau. Die Nichte des vorigen, Elisabeth Romanowna W., war die Geliebte Peters III. ehe er den Thron bestieg. — Ihre Schwester, Katharina Romanowna W., war die Fürstin Daschkow (s. d.), die Vertraute Katharinas II., die mit dem Grafen Panin den Plan zu deren Erhebung auf den Thron entwarf und ausführte. Eine dritte Schwester war die durch Schönheit und Liebenswürdigkeit ausgezeichnete Gräfin Buturlin. Der Bruder der vorigen, Graf Alexander W., früher Gesandter an mehrern europ. Höfen und Präsident des Handelskollegiums unter der Kaiserin Katharina II., wurde vom Kaiser Alexander I. 1802 zum Reichskanzler ernannt, leitete die auswärtigen Angelegenheiten, nahm 1804 seine Entlassung und starb 1805 zu Moskau. Sein jüngerer Bruder, Ssemen W., geb. 1744, war russ. Gesandter in London, als die Französische Revolution ausbrach, und schloß 25. Marz 1793 mit Lord Grenville den Doppelvertrag, der die Handelsverhältnisse zwischen Rußland und England auf dem Fuße des für England sehr vorteilhaften Handelsvertrags von 1766 auf sechs Jahre erneuerte. Unter Alexander I. hatte er teil an den Verhandlungen, welche die dritte Koalition durch den petersburger Vertrag (genannt Traité de concert) vom 11. April 1805 herbeiführten. Nachdem er den Posten eines russ. Botschafters in London 20 Jahre lang bekleidet, lebte er daselbst als Privatmann und starb 21. Juni 1832. Michael W., Sohn des vorigen, russ. Feldmarschall und Generaladjutant des Kaisers, geb. 17. Mai 1772 zu Moskau, wurde bei seinem Vater in England erzogen, trat hierauf in die russ. Armee, focht im Kaukasus unter Zizianow und in der Türkei unter Kutusow und zeichnete sich vorzüglich in den Feldzügen 1812 -14 gegen Frankreich aus. Er führte 1812 eine Grenadierdivision, blockierte 1813 Küstrin, Magdeburg und Wittenberg, focht bei Leipzig und zeichnete sich 1814 bei Craonne und vor Paris aus. Von 1815 bis 1818 befehligte er die russ. Truppen bei dem Besatzungsheere in Frankreich und nahm am Kongreß zu Aachen teil. In der Folge wurde er Generalgouverneur von Neurußland und Bessarabien, leitete im Juni 1826 neben Ribeaupierre die Verhandlungen zu Akierman, und befehligte 1828 nach Menschikows Verwundung das Belagerungsheer vor Warna. Im Dez. 1844 wurde er zum Statthalter von Kaukasien ernannt. Er nahm 18. Juli 1845 die Hauptfeste Schamyls, das Städtchen Dargo, mit Sturm, wofür ihm die russ. Fürstenwürde verliehen wurde, eroberte 1847 Salti und 1848 Gorgebil, während er ddleich durch eine versöhnliche Politik die Bergvölker für Rußland zu gewinnen suchte. Beim Ausbruch des Kriegs mit der Türkei 1853 durch Krankheit an Tiflis gefesselt, schlug er durch seine Unterfeldherren die Türken von Achalzich zurück und brachte denselben bei Basch-Kadyklor eine Niederlage bei. Indessen wurde er im März 1854 genötigt, zur Wiederherstellung seiner Gesundheit einen sechsmonatlichen Urlaub zu nehmen, den er zu einer Reise nach Karlsbad und Schlangenbad benutzte. Im Oktober kehrte er zurück und erhielt 31. desselben Monats die erbetene Entlassung als Statthalter im Kaukasus und Generalgouverneur von Neurußland. Bei der Krönung des Kaisers Alexander II. 1856 wurde er zum Feldmarschall ernannt. Er begab sich darauf nach Odessa, wo er den Ehrenposten eines Gouverneurs übernahm, starb aber wenige Wochen nach seiner Ankunft daselbst 18. Nov. 1856. Sein einziger Sohn aus der Ehe mit einer Gräfin Branicka, Fürst Ssemen Michailowitsch W., trat 1847 als Stabskapitän in die Garde, nahm hervorragenden Anteil an den kaukas. Kämpfen, wurde 1849 Gardekapitän, gleich darauf Oberst und Kommandeur des den Namen seines Vaters tragenden Jägerregiments und 1852 Generalmajor. Im J. 1853 war er, angeblich in diplomatischen Aufträgen, längere Zeit hindurch in England und erhielt im Aug. 1854 den Befehl über eine Reservebrigade des Gardekorps; als Kommandeur des 10. Armeekorps nahm er an dem Russisch-Türkischen Kriege von 1877 und 1878 teil. Er starb im Mai 1882 in Petersburg. Der Oberceremonienmeister Graf Iwan W.⸗ Daschkow, ein Großneffe des Reichskanzlers und des Grafen Semen (der den Namen Daschkow als Erbe des letzten männlichen Sprossen dieser Fürstenfamilie, des 1807 verstorbenen Fürsten Paul Michailowitsch Daschkow, annahm), geb. 1791, war 1824 28 russ. Gesandter in München und dann bis 1832 in Turin. Hierauf nach Petersburg berufen und zum Mitglied des Reichsrats ernannt, vertrat er wiederholt den Grafen Nesselrode als Minister des Auswärtigen. Er starb 9. Juli 1854 in Peterhof an der Cholera. — Der Sohn des letztern, Graf Illarion Iwanowitsch W.⸗Daschkow, ist russ. Generallieutenant und Generaladjutant des Kaisers, sowie seit 1881 Minister des kaiserl. Hauses.