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GeschichteBrockhaus 1882

Worönesch (russ. Voronezskaja Gubernija), das südlichste Gouvernement Großrußlands, umfaßt in 12 Kreisen 65893 qkm und begreift einen Teil des alten russ. Fürstentums Riäsan in sich. Das Gouvernement, das seine Verfassung unter der Kaiserin Katharina II. 1779 erhielt, hat einen ebenen, schwarzerdigen, sehr fruchtbaren Boden und ein sehr gemäßigtes Klima. Die drei schiffbaren Flüsse Don, Woronesch und Choper frieren erst im Dezember zu und gehen Anfang März wieder auf. Die Waldungen nehmen den zehnten Teil des Areals ein. Die Fruchtbarkeit des Landes begünstigt Ackerbau, Gartenkultur und Tabaksbau. Auch sind herrliche Weideplätze, bereits innerhalb der Steppenzone, vorhanden, und die Viehzucht steht hier auf einer hohen Stufe. An dem Flusse Bitjug, der in den Don fällt, hat sich die bedeutendste Pferdezucht Rußlands ausgebildet. Die sog. Bitjugi unterscheiden sich von allen nordruss. Pferden durch Kraft und Ausdauer. Auch mehrere Militärstutereien befinden sich in diesem Gouvernement. Die wichtigsten Ausfuhrartikel sind Getreide, Obst, Wolle und Vieh. Die Industrie wird in 449 Fabriken und Manufakturen betrieben, unter denen die Tuchfabriken und Talgschmelzereien den ersten Platz einnehmen. Die Einwohner, deren Zahl sich 1886 auf 2465 966 Seelen belief, sind Groß⸗ und Kleinrussen (letztere 40 Proz.) und etwa 2000 deutsche Kolonisten; auch Zigeuner und Tataren finden sich. Die Hauptstadt Woronesch (russ. Voronez), Sitz eines Erzbischofs und Civilgouverneurs, liegt unweit des Einflusses des Woronesch in den Don, auf und an einer mit Gärten bepflanzten Anhöhe an der Eisenbahn Koslow-Rostow und zählt (1885) 56179 E. Die Stadt hat 23 Kirchen, 3 Klöster, 1 Theater, 1 Priesterseminar, 1 Gymnasium, 1 Kadetteninstitut für 400 Zöglinge, 1 Invalidenhaus für Seeleute, ein Denkmal Peters I. (errichtet 1860) und 47 Fabriken in Tuch, Seife, Talg u. s. w. Peter d. Gr. legte 1697 auf einer Insel des Woronesch eine große Schiffswerft an.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 753Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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